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Deutsche Bank: Wir erleben die größte Anleihen-Blase der Geschichte

Lesezeit: 2 min
06.12.2017 17:11
Die Deutsche Bank warnt mit Blick auf den Anleihemarkt vor der größten Blase der Geschichte.
Deutsche Bank: Wir erleben die größte Anleihen-Blase der Geschichte

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Die Deutsche Bank sorgt sich wegen der extrem tiefen Zinsen an den Anleihemärkten. Die Entwicklung der Kapitalmarktrenditen sei aus dem Ruder gelaufen, sagte der Chefvolkswirt des größten deutschen Geldhauses, David Folkerts-Landau, am Dienstagabend zu Journalisten, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Der Ökonom bezeichnete die Situation als „die größte Anleihen-Blase in der Geschichte der Menschheit“. Es gebe keine historischen Vorläufer.

Sollten die Minizinsen bei Anleihen in Europa etwa auf die massiven Anleihekäufe der EZB zurückzuführen sein, bestünde die Gefahr, dass dies bei raschen Änderungen der Geldpolitik zu krisenhaften Entwicklungen führen könnte, weil rasch steigende Renditen und die parallel dazu sinkenden Kurse der Papiere zu Abschreibungsverlusten in den Bilanzen von Banken, Hedgefonds und auf dem Derivatemarkt führen würden und das global vernetzte Finanzsystem erschüttern können.

Aktuell liegt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bei 0,31 Prozent. Folkerts-Landau zufolge sollte sie aber eigentlich deutlich höher liegen. Auch in den USA lägen die Renditen sehr niedrig. Das gleiche lässt sich aus Sicht des Volkswirts aber nicht von den Bewertungen an den Aktienbörsen sagen. „Es ist schwer, dafür Argumente zu liefern, dass diese vollkommen aus dem Rahmen fallen“, sagte Folkerts-Landau.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – die Zentralbank der Notenbanken – hatte vor wenigen Tagen gewarnt, die Schwachstellen im Finanzsystem, die sich im Zuge der langen weltweiten Mini-Zinsphase aufgebaut hätten, seien nicht beseitigt. Dabei wiesen die BIZ-Experten auch auf die niedrigen Staatsanleihe-Renditen hin und warnten vor einem zunehmenden Aufbau von Risikopositionen. Auf lange Sicht könnten Turbulenzen an den Finanzmärkten die Folge sein.

Weltweit hatten Notenbanken rund um den Globus in Reaktion auf die Finanzkrise ihre Leitzinsen auf rekordtiefe Niveaus gesenkt, um für günstige Finanzierungsbedingungen zu sorgen. Zudem legten sie billionenschwere Anleihekaufprogramme auf. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist mit ihrem inzwischen auf 2,55 Billionen Euro angelegten Kaufprogramm zum größten Akteur auf den europäischen Anleihemärkten aufgestiegen.

Der Hauptgrund des Programms besteht darin, die Finanzierungszinsen der überschuldeten Eurostaaten an den globalen Kapitalmärkten zu senken. Indem die EZB als potentieller Helfer und Käufer der Schuldscheine mit praktisch unbegrenzter Liquidität in Erscheinung tritt, werden die Renditeforderungen der Geldgeber an den Anleihemärkten – die sich am Ausfallrisiko des Landes orientieren – gedrückt und die Regierungen der betroffenen Staaten können sich günstiger verschulden. Fällt diese Unterstützung durch die EZB weg, könnte der Ausbruch einer neuen Schuldenkrise in Europa das Ergebnis sein. Bereits mehrfach hatten Spekulationen über das Ende des Programms in der jüngsten Vergangenheit zu Verwerfungen an den Anleihemärkten geführt.

Die EZB ist aus diesem Grund gezwungen, das Programm entweder fortzuführen oder andere Mittel der Manipulation des Marktes anzuwenden. In welcher Zwickmühle sich die Zentralbank befindet, wurde vor wenigen Wochen offenbar, als Präsident Mario Draghi eine Verlängerung des Programms bis Ende 2018 bekanntgab. Um Kritiker wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zu besänftigen, wurde das monatliche Kaufvolumen um die Hälfte von 60 Milliarden Euro auf 30 Milliarden Euro gesenkt. Die EZB hält sich aber nach wie vor jede Option – auch ein Wiederherauffahren des Programms – offen.

Ein weiteres Indiz dafür, dass das Programm der Drückung der Renditen auf den Anleihemärkten dienen soll, ist die Tatsache, dass mehr Anleihen von finanziell angeschlagenen Staaten wie Frankreich und Italien gekauft werden, als nach dem sogenannten Kapitalschlüssel eigentlich vorgesehen ist.


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