Finanzminister Scholz holt Goldman-Banker als Staatssekretär

Finanzminister Scholz holt Goldman-Banker Kukies als Staatssekretär.

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Der Ko-Chef von Goldman Sachs in Deutschland, Jörg Kukies, wechselt als Staatssekretär ins Bundesfinanzministerium. Kukies werde die Bereiche Finanzmarkt- und Europapolitik verantworten, teilte das Ministerium am Montag mit. Das Bundeskabinett muss der Berufung des 50-Jährigen noch zustimmen.

Kukies war 17 Jahre lang für die US-Investmentbank tätig und zuletzt mit Wolfgang Fink Ko-Chef von Goldman Sachs in Deutschland und Österreich.

Wie das Ministerium weiter mitteilte, kommt Werner Gatzer als Staatssekretär zurück ins Finanzministerium und ist dort für Haushaltsfragen zuständig.

Der Wechsel von Goldman-Bankern in die Politik ist mittlerweile sehr üblich geworden: In den USA kommt Finanzminister Mnuchin von der Bank, in Italien hatte es mit Mario Monti ein Goldman-Banker sogar bis zum Ministerpräsidenten-Job geschafft. Auch umgekehrt gibt es einen regen Austausch: So wurde der frühere Präsident der EU-Kommission, Jose Manuel Barroso, Berater für Goldman in London. Die Ombudsfrau der EU fand den schnellen Seitenwechsel problematisch, die EU-Kommission findet den Wechsel dagegen unproblematisch.

Kukies wird als Europa-Verantwortlicher an entscheidender Stelle mit einem weiteren Ex-Goldman-Banker zu tun haben: Mario Draghi war Europachef der Bank, bevor er in die italienische Politik, die italienische Zentralbank und heute an die Spitze der EZB gelangte. Draghis Rolle bei der Griechenland-Rettung und der Banken-Krise bei der Monte dei Paschi ist bis heute ungeklärt.

Reuters schreibt über die bisherige Karriere von Kukies:

Vom Juso-Chef zum Investmentbanker – diese Laufbahn ist eigentlich schon ungewöhnlich genug. Doch damit nicht genug: Nun wechselt der ehemalige Chef der SPD-Nachwuchsorganisation in Rheinland-Pfalz, Jörg Kukies, nach fast zwei Jahrzehnten bei der weltgrößten Investmentbank Goldman Sachs in die Bundesregierung. Das ist ein in Deutschland bisher fast einmaliger Schritt. Der 50-Jährige wird beamteter Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und ist dort künftig für Finanzmärkte und Europa zuständig. Finanziell ist es ein Abstieg: Bei Goldman kam er auf ein Millionengehalt.

Als „sehr politisch, bauernschlau und bodenständig“ beschreibt ihn ein langjähriger Weggefährte. Mitglied der SPD, in die Kukies vor mehr als 30 Jahren eintrat, ist er immer geblieben. Bei den Jusos war Kukies als Landeschef Anfang der 1990er-Jahre Vorgänger von Andrea Nahles. Er gehört dem SPD-Wirtschaftsforum an, das sich als „unternehmerischer Berufsverband an der Seite der Sozialdemokratie“ versteht und die Interessen der Wirtschaft gegenüber der Politik vertreten soll.

Bei Goldman Sachs gehörte Kukies zu den jungen Bankern, die schnell Karriere machten. 2010 stieg er als Leiter des deutschen Geschäftes mit strukturierten Produkten zum Partner auf, dem erlesenen Führungskreis weniger hundert Banker weltweit. 2014 erklomm er dann die vorläufige Spitze der Karriere-Leiter: Als Co-Chef für Deutschland und Österreich trat er in die Fußstapfen von Alexander Dibelius, einem der sehr wenigen Investmentbanker hierzulande, die über die Branche hinaus bekannt sind. Doch in die Klatschspalten wie Dibelius schaffte es Kukies nicht. Er litt eher darunter, dass er in der Öffentlichkeit im Schatten seines Co-Chefs Wolfgang Fink stand, der das prestigeträchtigere Fusions-Beratungsgeschäft führte. Fink übernimmt künftig Kukies‘ Aufgaben mit.

Kukies hat sein gesamtes Berufsleben bei Goldman Sachs verbracht. International war er von Anfang an: Der Pfälzer studierte an der Pariser Sorbonne und in Harvard. Ein Sommer als Praktikant bei Goldman Sachs in New York und London reichte, um ein Job-Angebot der Bank im Handel zu bekommen. Kurz vor seinem endgültigen Einstieg bei Goldman promovierte Kukies 2001 an der Universität Chicago. Der damals für den Wertpapierhandel zuständige Philip Holzer holte Kukies nach Deutschland, um die Sparte auf Vordermann zu bringen.