Ökonom: Banken in Europa brauchen keine Rettung

Die Dramatisierung der Ereignisse in Italien erscheint im Hinblick auf die Banken übertrieben. Die Banken müssen die Entwicklung in ihre Risikovorsorge berücksichtigen.

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Der unabhängige Finanzexperte Achim Dübel warnt vor einer Dramatisierung der Darstellung der Situation in Italien. Eine solche werde derzeit vor allem aus dem angelsächsischen Raum befeuert, um den Banken aus den USA und aus Großbritannien einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. 

Den Deutschen Wirtschaftsnachrichten sagte Dübel: „Es gibt keinen Grund, jetzt Banken in Italien oder in Europa zu stützen. Die Banken könnten die Gewinner eines höheren Zinsniveaus bei den italienischen Staatsanleihen sein, wenn sie kurzfristig Anleihen mit höheren Renditen kaufen könnten. Anzeichen für einen Anstieg der Sparerzinsen und Unternehmenszinsen in Italien gibt es nicht, im Staatskredit herrscht eine Sondersituation. Eine Gefahr für die Banken ist allerdings, dass die Bonität des Staates von den Ratingagenturen in den Junk-Bereich herabgestuft wird und sich daraus Erhöhungen ihrer Refinanzierungskosten bei der EZB ergeben. Für diesem Fall gibt es vor allem bei den italienischen Banken nicht genügend alternative Sachsicherheiten.“

Die KfW-Bankengruppe kommt in einer Analyse zum Schluss, dass die Schuldentragfähigkeit Italiens trotz der hohen Schuldenstände stabil sei. Um die Verbindlichkeiten abzutragen, müsse Wachstum generiert werden. Dies sei mittelfristig am besten durch strukturelle Reformen zu erreichen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht aktuell ebenfalls keinen Grund, an den Finanzmärkten zu intervenieren. Frühbarometer würden keine Hinweise auf Spannungen – etwa in der Finanzbranche – anzeigen, sagten drei mit der Situation vertraute, namentlich nicht genannte, Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Euro-Wächter hätten auch nicht das Mandat und die Mittel, um ein im Kern politisches Problem zu lösen. „Keine Zentralbank würde auf der Basis von Ereignissen weniger Tage handeln“, sagte einer der Insider.

Die EZB lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen ab.

Deutsche Banken haben italienische Staatsanleihen im Milliardenhöhe in ihren Büchern. Wie aus Akten der Europäischen Bankenaufsicht hervorgeht, ist das deutsche Bankensystem insgesamt weltweit der viertgrößte Nachfrageraum für die Schuldpapiere.

Deutsche Banken hatten im Juni 2017 demnach rund 24,06 Milliarden Euro an italienischen Staatsanleihen gehalten. Nur knapp darüber rangieren Geldinstitute aus Spanien, welche zum damaligen Zeitpunkt Forderungen in Höhe von 28,75 Milliarden Euro hatten. Französische Banken stellten mit insgesamt 44,27 Milliarden Euro die wichtigste ausländische Geldquelle für Rom dar. Am exponiertesten waren italienische Banken mit Forderungen über 188,76 Milliarden Euro.

Insgesamt haben deutschen Banken 91 Milliarden Dollar in italienischen Wertpapieren – also beispielsweise auch Anleihen von Privatunternehmen – angelegt.

Die Commerzbank ist der Bankenaufsicht zufolge der größte deutsche Gläubiger Italiens. Mitte des vergangenen Jahres belief sich ihr Anleihebestand auf 9,98 Milliarden Euro, gefolgt von der DZ Bank mit fast 3 Milliarden Euro und der Deutschen Bank mit etwa 2,7 Milliarden Euro.

Eine Sprecherin der Allianz sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten: „Wir hatten seit einiger Zeit eine Ausweitung der Spannen erwartet und halten die Risiken italienischer Staatsanleihen weiterhin für beherrschbar. Zum 31.12.2017 waren wir mit rund 20 Milliarden Euro in italienische Staatsanleihen investiert, das sind rund 3 Prozent unserer gesamten Anlagen. Als langfristiger Investor sind kurzfristige Marktentwicklungen für uns weniger bedeutsam, wenngleich wir alle Marktbewegungen grundsätzlich genau beobachten.“

In den vergangenen Tagen waren die Kurse italienischer Staatsanleihen deutlich gesunken. Sollte sich der Kursverfall fortsetzen, könnten auch deutsche Banken trotz ihres vergleichsweise geringen Engagements auf längere Sicht mit Wertabschreibungen auf das Eigenkapital konfrontiert werden. Beispielsweise schätzen Analysten von PBC Capital, dass die spanische Banco Sabadell – welche mit 10,5 Milliarden Euro nur knapp mehr Forderungen gegenüber Italien hält als die Commerzbank – mit jedem Anstieg der Risikoprämien italienischer Staatsanleihen von 10 Basispunkten etwa 28 Millionen Euro beim Eigenkapital (Tier 1) verliert.

 

Die Renditen italienischer Staatsanleihen stiegen in den vergangenen Tagen deutlich. Sie liegen für Papiere mit 10 Jahren Laufzeit nun bei knapp 3,4 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit 2014. Niveaus von mehr als sieben Prozent, wie im November 2011 bei einer Auktion erzielt worden waren, liegen damit allerdings noch weit entfernt. Der italienische Bankenindex ist in den vergangenen 14 Tagen bereits um rund 23 Prozent gefallen.

„Wir sind noch nicht in einem Stadium, wo man damit beginnen sollte, sich über Bankeinlagen Sorgen zu machen“, sagte eine der Personen zu Reuters. Momentan sorgt die EZB mit ihrer ultra-lockeren Geldpolitik für sehr günstige Finanzierungsbedingungen. Die jüngsten Kreditgeschäfte der EZB boten zudem keine Hinweise auf Spannungen bei der Liquiditätsversorgung der Banken.