Yellen erwartet in nächster Zeit keine Zins-Erhöhungen

Lesezeit: 2 min
17.02.2019 18:05
Die Leitzinserhöhung der Federal Reserve im Dezember könnte die letzte im laufenden Finanzzyklus gewesen sein, sagte die ehemalige Fed-Präsidentin Yellen.
Yellen erwartet in nächster Zeit keine Zins-Erhöhungen

Der früheren Präsidentin der US-Zentralbank Federal Reserve System – Janet Yellen – zufolge könnte es sich bei der Leitzinserhöhung im Dezember um die vorerst letzte gehandelt haben.

Wie CNBC berichtet, sagte Yellen Mitte Januar: „Wenn es einen Abschwung in der Weltwirtschaft gibt und dieser auf die USA übergreift, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass wir die letzte Leitzinsanhebung im laufenden Zyklus gesehen haben.“

„Vielleicht sind noch ein oder zwei Anhebungen möglich, aber nichts ist mehr gewährleistet“, sagte Yellen. Bevor die Fed weitere Aktionen tätigen würde, wird sie „erst einmal durchatmen, um zu evaluieren, wie die Wirtschaft dasteht.“

Die Fed hatte die Finanzmärkte mit dem klaren Kurswechsel zuvor überrascht. Zinsanhebungen sollen erst einmal nicht mehr anstehen- oder ist es sogar das Ende des 2015 begonnenen Straffungskurses? Die Fed legt sich in dieser Frage nicht fest, der geldpolitische Kurs ist damit so offen wie lange nicht mehr.

Die Fed änderte ihre Erklärung zum Zinsentscheid in mindestens zwei entscheidenden Punkten. Sie spricht nicht mehr davon, die Zinsen weiter graduell anheben zu wollen. Vielmehr will sie nun „Geduld“ an den Tag legen. Von Zinsanhebungen will sie auch nicht mehr sprechen, vielmehr ist von „Anpassungen“ des Leitzinses die Rede - was Zinssenkungen mit einschließt.

Zum anderen änderte die Fed ihre Wirtschaftseinschätzung. Es wird jetzt nicht mehr von einem ausgewogenen Wirtschaftsausblick gesprochen. Stattdessen heißt es, es sei „am wahrscheinlichsten“, dass die Wirtschaft weiter wachse, der Arbeitsmarkt robuste bleibe und die Inflation zulege. Jüngste Entwicklungen in der Weltwirtschaft und am Finanzmarkt sowie die verhaltene Inflation würden berücksichtigt.

Außerdem veröffentlichte die Fed eine gesonderte Erklärung zu ihrer aufgeblähten Bilanz. Das Bilanzvolumen von aktuell rund vier Billionen US-Dollar ist ein Erbe der Finanzkrise, weil die Fed Wertpapiere in bis dahin ungekannter Höhe kaufte, um das Finanzsystem und die Wirtschaft vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Seit Herbst 2017 wird die Bilanz in kleinen, aber größer werdenden Schritten zurückgeführt.

Die Fed erklärt dazu, man sei bereit, diesen Prozess an die Bedingungen in der Wirtschaft und am Finanzmarkt „anzupassen“. In diesem Zusammenhang gibt sie einen klaren Hinweis auf eine mögliche Lockerung der Geldpolitik, falls dies erforderlich werden sollte. Es ist also denkbar, dass die Rückführung der hohen Bilanzsumme verlangsamt oder beendet wird.

Das Urteil von Experten ist einhellig: Die Fed legt mindestens eine Pause bei ihrem Ende 2015 begonnenen Straffungskurs ein, ein Ende der Zinsanhebungen ist aber ebenso denkbar. In jedem Fall aber ist die US-Geldpolitik unberechenbarer geworden: Die Fed habe ihr Zinssignal kassiert, urteilt Unicredit-Experte Harm Bandholz. Dieses Signal, auch „Forward Guidance“ genannt, ist ein Symbol des jahrelangen Straffungskurses der Fed. Durch den Wegfall wird der geldpolitische Kurs wesentlich stärker durch die Entwicklung der Wirtschaft und der Inflation bestimmt.

Darüber hinaus hat sich die Fed von der klassischen Geldpolitik, wie sie vor der Finanzkrise betrieben wurde, faktisch verabschiedet. Die Fed habe klargestellt, dass ihre Bilanz groß bleiben werde, sagt Bandholz. Das bedeutet: Anstatt die Leitzinsen wie vor 2008 mit kleinen Marktoperationen (Offenmarktpolitik) zu steuern, will sie ihre Geldpolitik weiterhin in einem Umfeld mit hoher Marktliquidität umsetzen. Auch die Äußerung des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell, das gegenwärtige System mit einer Ober- und Untergrenze des Leitzinses fortzuführen, ist ein klares Bekenntnis zu einer Geldpolitik, die wenig mit der klassischen Fed-Politik vor der Finanzkrise zu tun hat.

Dies bedeutet nichts anderes, als dass weiterhin ein Zusammenbruch des Finanzsystems durch permanente geldpolitische Stützungsaktionen verhindert werden muss.


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