Finanzen

Siemens meldet sehr gutes Geschäftsjahr

Lesezeit: 2 min
11.11.2016 09:27
Der Elektronikkonzern Siemens meldet eines der besten Geschäftsjahre seiner Geschichte. Als nächstes soll die Medizintechnik-Sparte an die Börse gebracht werden.
Siemens meldet sehr gutes Geschäftsjahr

Siemens will sein Medizintechnikgeschäft an die Börse bringen und setzt damit die Tradition des stetigen Konzern-Umbaus fort, berichtet Reuters. Die einstige Sorgensparte mauserte sich in den vergangenen Jahren zum rentabelsten Industriegeschäft von Siemens. „Die Börsennotierung ist jetzt der nächste Schritt“, sagte Konzernchef Joe Kaeser am Donnerstag. „Das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.“

Die Medizintechnik firmiert unter dem Namen „Healthineers“ - einer Wortschöpfung aus den englischen Begriffen für Gesundheit und Ingenieure - und ist mit einem Jahresumsatz von 13,5 Milliarden Euro der zweitgrößte Umsatzbringer des Konzerns nach dem Kraftwerksgeschäft. Weltweit arbeiten 45.000 Menschen in der Sparte. Mit dem Schritt will Kaeser die Healthineers für Umbrüche im Markt mit medizinischer Technik rüsten. Die Gesundheitssysteme und Diagnoseformen änderten sich zunehmend, erläuterte er. Den Zeitplan und den Umfang der Börsennotiz ließ der Konzernchef offen. Außerdem vermied er ein direktes Bekenntnis, ob Siemens die Mehrheit an der mehrfach unbenannten Tochter behalten wolle.

Der 169 Jahre alte Konzern hat sich wie kaum ein anderes deutsches Unternehmen immer wieder durch Abspaltungen gehäutet. An die Börse brachte Siemens im Jahr 2000 das Chipunternehmen Infineon, danach das Bauteile-Geschäft Epcos und zuletzt die Lichttechniktochter Osram. Die Osram-Aktien verschenkte Siemens großteils an die eigenen Aktionäre und behielt einen Anteil von gut 16 Prozent. Die Börsennotiz der Medizintechniksparte sei nicht mit der Trennung von vergleichbar, betonte Finanzchef Ralf Thomas.

Analysten rätselten über die vagen Angaben zu den Börsenplänen. „Das Unternehmen will die führende Position ausbauen ohne Details zu nennen und das wirft die Frage auf, warum die Ankündigung heute gemacht wurde“, kritisierten die Analysten von Barclays. Mit der Bereitschaft, sich von der Medizintechnik zu trennen, dürfte Siemens auch mögliche Großinvestoren auf den Plan rufen. Schon bei der Trennung vom Autozulieferer VDO vor elf Jahren hatte Siemens den Börsengang eines Minderheitsanteils angekündigt und letztlich die ganze Firma für eine Milliardensumme an Continental verkauft. Die Hörgerätetochter wollte Siemens ebenfalls zunächst an die Börse bringen, dann übernahm ein Finanzinvestor das Geschäft.

Die Konzernspitze betonte, der Börsengang der Medizintechnik solle „unter dem Dach von Siemens“ erfolgen. Die Sparte werde ein Investitionsschwerpunkt bleiben, versicherte Thomas. Die Übereinkünfte mit den Arbeitnehmervertretern blieben bestehen, sagte Kaeser. IG Metall und Betriebsrat äußerten sich besorgt. „Einen schrittweisen Rückzug aus der Verantwortung, wie er in anderen ehemaligen Geschäftsbereichen geschehen ist, werden wir nicht hinnehmen“, sagte Healthineer-Betriebsratschefin Dorothea Simon. Siemens stieß immer wieder Geschäftsfelder ab, die bereits Probleme hatten oder wenig später welche bekamen. Vielen Siemensianern ist insbesondere das Debakel des Verkaufs des Handygeschäfts an die Taiwaner BenQ in Erinnerung. Nur kurz nach dem Erwerb ließen die Asiaten das einstige Siemens-Geschäft krachend in die Pleite fallen. Auch den Trennung von der Netzwerktechnik, von Infineon, Epcos und Osram fielen letztlich Tausende Arbeitsplätze zum Opfer.

Für seine Gesamtgeschäfte lässt sich Kaeser weder vom Ausgang der US-Wahl, dem bevorstehenden Brexit, noch der mauen Branchenkonjunktur einschüchtern. Für das neue Geschäftsjahr 2016/17 rechnet er entgegen des Industrietrends mit wachsenden Auftragsbüchern und leichten Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn. Das Ergebnis je Aktie werde 2016/17 auf 6,80 bis 7,20 Euro von 6,74 Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr steigen. An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Siemens-Aktien legten gut fünf Prozent zu und waren damit so teuer wie seit 16 Jahren nicht mehr.

2015/16 setzte Siemens knapp 80 Milliarden Euro um, fünf Prozent mehr als vor Jahresfrist. Der Gewinn aus fortgeführtem Geschäft stagnierte in etwa bei 5,4 Milliarden Euro. Kaeser äußerte sich dennoch hochzufrieden. „Das abgelaufene Geschäftsjahr war eines der stärksten in der Geschichte unseres Hauses, ohne Berücksichtigung von Beteiligungsverkäufen sogar das beste.“ Davon sollen die Aktionäre auch etwas haben: Die Dividende wird um zehn Cent auf 3,60 Euro je Aktie angehoben.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

DWN
Politik
Politik Saudi-Arabien: Verträge mit China über 30 Milliarden Dollar erwartet

Chinas Präsident Xi Jinping ist zu einem Besuch in Saudi-Arabien eingetroffen. Dort sollen Geschäfte im Wert von 30 Milliarden Dollar...

DWN
Finanzen
Finanzen China meldet starke Aufstockung seiner Goldreserven

China treibt die Trennung vom Dollar weiter voran. Nach mehr als drei Jahren hat das Land nun erstmals wieder einen starken Anstieg seiner...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutschland setzt wieder massiv auf Kohle-Strom

Deutschland ist bei Stromerzeugung im großen Stil zur Kohle zurückgekehrt. Auch Gas wird stärker genutzt als zuvor. Dies ist die...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Hilfen: Europa zahlt mehr als die USA

Der Wirtschaftskrieg gegen Russland trifft vor allem die Europäer. Aber auch im Hinblick auf die Finanzhilfen an die Ukraine hat Europa...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zuckerberg will WhatsApp nach chinesischem Vorbild WeChat umbauen

Der Social-Media-Riese Meta steht unter massiven Druck. Jetzt will es das lange ungenutzte finanzielle Potenzial von WhatsApp ausschöpfen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft China beendet Null-Covid-Politik - Kann man nun aufatmen?

China lockert landesweit die Covid-Beschränkungen. Die Menschen erhalten mehr Freiheiten und Verantwortung. Sie sollen lernen, mit dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Airbus baut weniger Maschinen, verfehlt Produktionsziel deutlich

Airbus liefert dieses Jahr weniger als 700 Maschinen aus. Der Überhang an Aufträgen droht auch nun die Planung für die kommenden Jahre...

DWN
Politik
Politik Ungarn blockiert EU-Gelder für die Ukraine

Der Streit zwischen der EU und Ungarn geht in die nächste Runde. Nun hat das Land eine Entscheidung der EU blockiert, der Ukraine 18...