Gemischtes

VDA-Chef: Hocheffiziente Verbrenner können E-Autos auch 2030 ergänzen

Lesezeit: 1 min
22.11.2016 07:56
Die Debatte um ein Zulassungsverbot neuer Autos mit Diesel- und Benzinmotoren vom Jahr 2030 an hat die Industrie aufgeschreckt. Moderne Verbrennungstechnik sei noch lange nicht am Ende, beteuert der Verbandschef.
VDA-Chef: Hocheffiziente Verbrenner können E-Autos auch 2030 ergänzen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Neue Ökosprit-Sorten können den Verbrennungsmotor nach Einschätzung von VDA-Chef Matthias Wissmann auch in den nächsten 10 bis 15 Jahren auf Augenhöhe mit alternativen Antrieben halten.

„Wir werden auch 2030 noch hocheffiziente Verbrenner brauchen. Und es kann durchaus sein, dass deren Tanks dann mit synthetischen Kraftstoffen gefüllt werden“, sagte der Autoverbands-Präsident der Deutschen Presse-Agentur. Solche „e-fuels“ hätten nichts mit Sorten wie E10 zu tun, sondern könnten klimaneutral sein - weil sie bei der Produktion genau so viel CO2 binden wie sie bei der Verbrennung wieder abgeben.

Diese Kraftstoffe seien aber zum Großteil noch in der Entwicklung. Zudem müssten sie im Fall der Marktreife mit herkömmlichem Benzin und Diesel „kostenmäßig konkurrieren“ können. „Man muss immer die gesamte Klimabilanz eines Autos betrachten“, so Wissmann mit Blick auf Forderungen der Grünen, von 2030 an gar keine Neufahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mehr zuzulassen. „Auch die Quelle des Stroms bei E-Fahrzeugen und das Thema Recycling spielen da eine Rolle.“

Wissmann bekräftigte seine Ablehnung pauschaler Verbote. „Aus meiner Erfahrung als Forschungs- und Verkehrsminister kann ich sagen: Wenn Politiker oder Bürokraten allein anfingen, Technologie-Entscheidungen zu treffen, war das selten innovativ.“ Die Politik solle vielmehr Rahmenbedingungen setzen, die „durchaus anspruchsvoll sein können“.

Bei der Antriebstechnik seien deutsche Autobauer und -zulieferer gut aufgestellt: „Wir haben die Mehrzahl der weltweiten Patente. Jetzt kommt es darauf an, daraus die besten Geschäftsmodelle zu machen.“

Schnittstellen zwischen IT und Automobilbau müssten verstärkt werden. „Ein strategisches Ziel wäre etwa, dass wir die 30 Prozent, die wir an Parkplatz suchendem Verkehr in manchen Großstädten haben, durch intelligente Lösungen deutlich verringern“, sagte Wissmann über neue automatische Suchfunktionen. Die bisher maue Nachfrage nach der E-Auto-Kaufprämie in Deutschland sei kein Grund, das Förderinstrument abzuschreiben: „Ich glaube, dass sich der Hochlauf in den Jahren 2017, 2018 und 2019 beschleunigen wird, weil wir dann eine bessere Ladeinfrastruktur und noch mehr Modelle im Markt haben werden.“

Vier Monate nach dem Start der Prämie, die Bund und Industrie je zur Hälfte finanzieren, waren bis Ende Oktober beim Bundesamt Bafa gerade mal 5782 Anträge für reine E-Autos sowie Plug-in-Hybride eingegangen.

Beim entscheidenden Punkt Ladenetz sieht Wissmann noch Nachholbedarf - gibt sich aber zuversichtlich: „Wir haben heute über 6000 Ladepunkte in Deutschland. 2019 werden es dann wohl schon 15 000 bis 20 000 sein, davon viele Schnellladepunkte an den Autobahnen.“

Neben Energiekonzernen wie RWE, die bereits ins Ladenetz investieren, seien Pläne für Ladesäulen vor Supermärkten oder in Autounternehmen selbst interessant. „Da muss man eine gewisse Geduld haben, aber der Prozess kommt in Gang.“


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Frankreichs Staatspräsident Macron beginnt Staatsbesuch in Deutschland
26.05.2024

Das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland wird oft und gerne gelobt. Erstaunlich ist da schon, dass der letzte richtige...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutschlands Kapitalmarkt: Hemmnis für die Finanzierung der Zukunft
26.05.2024

Die heimischen Kapitalmärkte spielen als Finanzierungsquelle deutscher Unternehmen eine untergeordnete Rolle – Bankkredite dominieren...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Europas Herausforderung für die geo-ökonomische Wettbewerbsfähigkeit
26.05.2024

Ökonomen neigen dazu, sich nicht allzu viele Gedanken über die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Landes zu machen....

DWN
Finanzen
Finanzen Service: So vermeiden Sie teure Fehler beim Berliner Testament
26.05.2024

Die Zukunft stets im Blick behalten und optimal vorsorgen. Wenn Sie Ihren Nachlass planen, kann das sogenannte Berliner Testament eine...

DWN
Panorama
Panorama Jubiläum eines Kultkastens: Die rote Telefonzelle wird 100 Jahre alt
26.05.2024

In Deutschland sind sie rar geworden, in England auch. Immerhin gibt es noch hie und da einen der nostalgischen Häuschen. Ein Foto in der...

DWN
Politik
Politik Präsidentschafts-Wahlen in Amerika: Wie Robert F. Kennedy das Rennen aufwirbelt
26.05.2024

Es gibt bei der Präsidentschaftswahl in den USA am 5. November nicht nur Blau gegen Rot, Esel oder Elefanten, Demokaten gegen...

DWN
Politik
Politik Zweiter Teil des DWN-Interviews: Deutsche Offiziere haben Warnungen ignoriert
26.05.2024

In dieser Fortsetzung des Gesprächs mit dem norwegischen Militärexperten Tor Ivar Strømmen (von gestern) erfahren Sie, warum deutsche...

DWN
Technologie
Technologie Künstliche Intelligenz auf Obstplantagen: Schädlinge besser erkennen
26.05.2024

Die Künstliche Intelligenz (KI) erobert immer mehr Bereiche der Wirtschaft. Selbst in der Landwirtschaft könnten Anwendungen in Zukunft...