Politik

Weidmann: Nur Innovation sichert die Arbeitsplätze

Lesezeit: 2 min
11.02.2017 00:47
Bundesbank-Präsident Weidmann ist der Meinung, die richtige Antwort auf die Globalisierung sei nicht die Abschottung, sondern die ständige Innovation. Genau darin liegt die Herausforderung für Deutschland.
Weidmann: Nur Innovation sichert die Arbeitsplätze

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Aus der Rede von Jens Weidmann bei der Amtswechselfeier in der Hauptverwaltung in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein: 

Es gibt eine umfassende empirische Literatur, die belegt, dass Länder, die im Inneren eines Kontinents liegen, wie etwa Bolivien, Nepal oder Ruanda, ein im Durchschnitt deutlich geringeres Wirtschaftswachstum haben, als vergleichbare Länder mit Zugang zum Meer. Vor dem Hintergrund der wohlfahrtssteigernden Wirkung internationalen Handels sehe ich mit Sorge, dass viele Menschen derzeit vor allem die Nachteile sehen, die offene Märkte für Einige mit sich bringen. Die Vorteile geraten zunehmend aus dem Blick – vielleicht auch deshalb, weil sie nicht so konkret erfahrbar oder zurechenbar sind wie die Nachteile. In der Debatte über offene Märkte werden aber aus meiner Sicht auch die positiven dynamischen Effekte des Handels nicht ausreichend gewürdigt: Internationaler Austausch und Wettbewerb fördern die Verbreitung von neuen, produktiven Ideen und neuen, besseren Produkten. Damit erhöhen sie die Produktivität und erlauben, Güter günstiger anzubieten und produktiveren Arbeitnehmern höhere Löhne zu zahlen.

Dabei kommt der preisdämpfende Effekt durch günstige Importe häufig gerade den Ärmeren und sozial Schwachen zugute. Das sollte in dieser Debatte, die doch häufig gerade auf die Sorgen und Nöte dieser Menschen abstellt, nicht vergessen werden. So kostet eine ausschließlich mit amerikanischer Baumwolle in den USA hergestellte Jeans eines bekannten amerikanischen Herstellers mehr als doppelt so viel wie eine "normale" Jeans des gleichen Unternehmens aus ausländischer Produktion. Eine solche Jeans ist damit sicher kein Massenprodukt.

Allerdings haben wir Ökonomen in der Vergangenheit wohl zu stark auf die unterm Strich wohlstandsfördernden Effekte des internationalen Handels abgestellt. Wir haben zu wenig darauf hingewiesen, dass gerade die weniger qualifizierten Arbeitnehmer den mit der Globalisierung einhergehenden Wettbewerbsdruck zu spüren bekommen. Hier denke ich zum Beispiel an die Beschäftigten in den Industriesektoren, die von billiger Importkonkurrenz bedroht werden und in denen Arbeitsplätze abgebaut werden. Für die betroffenen Menschen und ihre Familien ist es vermutlich kein wirklicher Trost, dass die wirtschaftliche Öffnung Osteuropas und Chinas hierzulande per saldo insgesamt 442.000 Industriearbeitsplätze zusätzlich geschaffen hat. Denn diese neuen Arbeitsplätze sind nicht immer dort entstanden, wo die Globalisierung Arbeitsplätze gekostet hat.

Deshalb ist es so wichtig, dass die Wirtschaftspolitik die Anpassungsfähigkeit im Unternehmenssektor stärkt, indem etwa bei Unternehmensgründungen weniger Verwaltungsvorschriften greifen und weniger Behördengänge notwendig werden. Es müssen aber auch ganz allgemein die Investitionsbedingungen verbessert werden. Denn es geht darum, dass zukunftsfähige Arbeitsplätze erhalten werden und genügend neue in den aufstrebenden Branchen entstehen. Darüber hinaus müssen die Menschen in die Lage versetzt werden, neu zu schaffende Arbeitsplätze auch auszufüllen. Bessere Schulen und Universitäten sowie lebenslanges Lernen tragen dazu bei, dass die Menschen die Vorteile eines sich wandelnden Umfeldes besser für sich nutzen können. Und wo soziale Härten auftreten, müssen sie durch ein zielgerichtetes und transparentes Steuer- und Transfersystem – wie wir es haben – abgefedert werden.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Marktbericht
Marktbericht Steigende Infektionszahlen drücken Dax unter psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten

Die deutschen Börsen werden weiter von der Pandemie belastet. Da konnten auch positive Nachrichten der Deutschen Bank nur wenig helfen,...

DWN
Deutschland
Deutschland Risiko einer zweiten Rezession in Deutschland steigt

Ökonomen schließen wegen der stark steigenden Corona-Positivtests und wegen der drohenden Gegenmaßnahmen einen Rückfall der deutschen...

DWN
Deutschland
Deutschland So verrückt sind manche Corona-Regelungen in Deutschland

Karneval ohne Schunkeln, Fußball ohne Fangesänge, Sex nur mit einem Partner: Eine Auswahl von interessanten Corona-Regelungen in den 16...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Londoner Airport Heathrow verliert europäischen Spitzenplatz

Die Corona-Pandemie kostet den Londoner Flughafen seinen europäischen Spitzenplatz. Das Management kürzte für das kommende Jahr seine...

DWN
Deutschland
Deutschland Einzelhandel fürchtet Einbruch bei wichtigem Weihnachtsgeschäft

Wegen des drohenden zweiten Lockdowns droht den deutschen Einzelhändlern nach einem schlechten Jahr nun auch ein schlechtes...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Krisen-Profiteur Delivery Hero liefert jetzt mehr als nur Essen

Nachdem der Essenslieferdienst seinen Umsatz im dritten Quartal verdoppeln konnte, will er nun weitere Märkte erschließen. An der Börse...

DWN
Deutschland
Deutschland Psychotherapeuten-Vereinigung: "Die Bundesregierung muss umfangreich und differenziert aufklären und die Menschen beteiligen"

Die ständig schlechten Nachrichten sind eine massive Bedrohung für die psychische Gesundheit. Der Bundesvorsitzende der Deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin klettert auf höchsten Stand seit Anfang 2018

Die starken Kursgewinne des Bitcoin setzen sich fort. Erreicht die größte Kryptowährung noch vor Weihnachten ein neues Allzeithoch?

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche Exporteure fürchten verstärkte Corona-Maßnahmen

Die deutschen Exporteure blicken mit Sorge in die Zukunft, wie das Ifo-Institut am Dienstag mitteilte. Denn wichtige Handelspartner drohen...

DWN
Finanzen
Finanzen Kredit-Nachfrage in Deutschland legt zu, aber Banken verschärfen Vergabe-Standards

Aus einer heute veröffentlichten Umfrage der Bundesbank geht hervor: Die deutschen Banken zeigen sich aufgrund des fragilen...

DWN
Deutschland
Deutschland Hauptstadtflughafen BER soll weitere Staatshilfen erhalten

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sieht weiteren Bedarf für staatliche Hilfen beim Hauptstadtflughafen BER. Der Flughafen eröffnet...

DWN
Deutschland
Deutschland Merkel plant landesweite Verschärfung der Corona-Maßnahmen

Die Bundesregierung wird sich am Mittwoch bei den Beratungen mit den Ministerpräsidenten der Länder für schärfere Corona-Maßnahmen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stimmung unter Headhuntern so gut wie lange nicht mehr: Ende der Krise in Sicht?

Die Stimmung unter den Headhuntern hat sich nach den Einbrüchen im Frühjahr durch den Lockdown merklich gebessert.

DWN
Technologie
Technologie Enormes Wachstum: Plugin-Hybride boomen in Europa

In Europa wurden in den ersten drei Quartalen 316 Prozent mehr Plugin-Hybride zugelassen. In Deutschland ist das Wachstum sogar noch...