Politik

USA wollen weitere 4.000 Soldaten nach Afghanistan schicken

Lesezeit: 3 min
22.08.2017 02:02
Die USA wollen ihren Militäreinsatz in Afghanistan verstärken. Russland vertritt die Auffassung, dass die neue US-Strategie gegen China gerichtet sei.
USA wollen weitere 4.000 Soldaten nach Afghanistan schicken

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

US-Präsident Donald Trump hat ein verstärktes Engagement der amerikanischen Streitkräfte in Afghanistan angekündigt. Seine Berater hätten ihn überzeugt, verstärkt gegen die radikalislamischen Taliban vorzugehen, sagte der Republikaner am Montagabend bei einer Ansprache in Fort Myer im Bundesstaat Virginia. Damit solle ein Sturz der Regierung in Kabul verhindert werden.

Die USA wollen Fox News zufolge die Zahl der amerikanischen Soldaten in Afghanistan um 4000 aufstocken. Das berichtete der Sender am Montagabend unter Berufung auf einen Insider im Regierungsapparat.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

In Afghanistan sind im Moment 8.400 US-Soldaten stationiert. Auch eineinhalb Jahrzehnte nach dem Sturz der Taliban gelingt es der Regierung in Kabul nicht, die radikalen Islamisten zu besiegen. Laut Fox will Trump Indien und Pakistan bewegen, sich für einen Frieden in de Region einzusetzen.

Trump würde damit einen Strategie-Wechsel vollziehen: Wie Frank Herrmann im Wiener Standard analysiert, soll das Konzept, den Krieg in Afghanistan durch Söldner führen zu lassen, nicht weiter verfolgt werden. Herrmann schreibt, die US-Regierung wolle "den Druck auf Pakistan erhöhen – in der Hoffnung, dass der östliche Nachbar Afghanistans den Taliban sowie Extremistengruppen wie dem Haqqani-Netzwerk auf eigenem Boden den Kampf ansagt". Herrmann: "Es ist ein Szenario, das amerikanische Strategen immer wieder aufs Neue entwerfen, seit die GIs in Kabul einmarschierten. Bisher ist die Rechnung nie aufgegangen, zumal die Hochgebirgsregion an der afghanisch-pakistanischen Grenze als notorisch unkontrollierbar gilt. Übrigens auch nicht, als Barack Obama vor acht Jahren eine kurzzeitige Offensive anordnete und das US-Kontingent auf 100.000 Soldaten anwuchs."

Die Strategie Trumps entspricht seinem Vorgehen in Syrien: Auch dort hatte der Präsident das Kommando seinen Generälen übergeben. Die Militärhilfe für Söldner wurde eingestellt. Schon US-Präsident Barack Obama hatte den Einsatz von Söldnern in Syrien als gescheitert bezeichnet, konnte sich jedoch innenpolitisch nicht durchsetzen.

Die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS zitiert einen russischen Analysten, der hinter der neuen Strategie vor allem eine gegen China gerichtete Politik sieht. Die TASS zitiert Adzhar Kurtov vom Russischen Institut für Strategische Studien: "Neue Szenarien der US-Strategie in Afghanistan beeinflussen die Interessen Chinas. In der jüngsten Zeit war die Verwaltung von Trump viel zu aktiv bei dem Aufbau von Konfliktherden in der Nähe der chinesischen Grenzen: in Nordkorea und jetzt in Afghanistan." Kurtov glaubt, dass radikale Islamisten nach ihrer sich abzeichnenden Niederlage in Syrien verstärkt nach Afghanistan reisen würden, um dort zu kämpfen. Der Analyst glaubt auch, dass die verstärkte Präsenz von US-Soldaten in Afghanistan dem Zweck diene, das chinesische Seidenstraßen-Projekt zu behindern.

Russland und China hatten in den vergangenen Monaten versucht, die Lage in Afghanistan zu entschärfen. Die US-Regierung war bei einer Regionalkonferenz nur mit einer kleinen Delegation vertreten. Vertreter aus Indien und Pakistan nahmen an der Konferenz teil. Zum Zeitpunkt der Konferenz war noch unklar, welchen Kurs die neue US-Regierung einschlagen würde. Nach den zuletzt harschen Tönen zwischen Moskau und Washington und den neuen Sanktionen gegen Russland hatte die russische Regierung signalisiert, dass sie auf absehbare Zeit nicht mit einer Entspannung rechne. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Russen die Truppenerhöhung offenbar schon länger antizipiert hatten. Kurtov nennt die selben Zahlen wie Fox.

Wenige Stunden vor der Erklärung von US-Präsident Donald Trump über die künftige Afghanistan-Strategie ist am Montag in Kabuls streng gesichertem Diplomatenviertel eine Rakete eingeschlagen. Ein Polizeisprecher sagte, die Rakete sei auf einem Fußballfeld gelandet. Angaben über Opfer lagen zunächst nicht vor. Die islamistischen Taliban-Rebellen hatten Trump in der vergangenen Woche davor gewarnt, mehr Truppen nach Afghanistan zu schicken.

In Kabul wurden in den vergangenen Wochen mehrere tödliche Anschläge verübt. Ende Mai hatte es bei einem Sprengstoffanschlag nahe der deutschen Botschaft mehr als 150 Tote und etwa 400 Verletzte gegeben. Im Diplomatenviertel befinden sich die meisten Botschaften und auch das Hauptquartier der NATO für die Einsätze der Militärallianz in Afghanistan.

Der US-Oberkommandierende in Afghanistan, General John Nicholson, fordert für den Kampf gegen die Taliban eine Aufstockung der US-Truppen um mehrere tausend Soldaten. Derzeit sind die USA nach eigenen Angaben mit 8.400 Soldaten in Afghanistan – ihre NATO-Verbündeten mit etwa 5.000 Soldaten, darunter rund 950 Bundeswehrsoldaten.

Der US-Militäreinsatz in Afghanistan setzte unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington ein. Die NATO beendete ihren Kampfeinsatz im Dezember 2014 und setzte danach die Mission "Resolute Support" in Gang. Deren Schwerpunkt besteht in der Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Streit um Rundfunkbeitrag droht Koalition in Sachsen-Anhalt zu sprengen

Wegen der Blockade durch CDU und AfD in Sachsen-Anhalt kann der Rundfunkbeitrag voraussichtlich nicht erhöht werden. Daher droht nun auch...

DWN
Politik
Politik Corona-Ticker: Spahn rechnet mit Impfbeginn um den Jahreswechsel herum

Um den Jahreswechsel sollten die Dosen zur Verfügung stehen, sagte Spahn. Die Impfzentren sollten bereits Mitte Dezember einsatzbereit...

DWN
Politik
Politik Trumps Truppenabzug aus dem Nahen Osten und Afghanistan sorgt für Unbehagen

Donald Trumps Plan, die Stärke der US-Truppen in Afghanistan und im Irak bis zum 15. Januar 2021 auf jeweils 2.500 Mann zu reduzieren,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Streit im Opec-Kartell: Analysten sehen Risiken für den Ölpreis

Zwischen den Ölnationen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ein offener Streit entbrannt. Experten zufolge könnte...

DWN
Finanzen
Finanzen Wirecard-Skandal verändert Dax dauerhaft

Die Deutsche Börse stockt den Dax auf 40 Mitglieder auf. Das ist nur eine Folge der Wirecard-Pleite. Die Zusammensetzung des Dax soll...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bundesregierung präsentiert Zeitplan für Normen und Zertifizierung von künstlicher Intelligenz

Der Einsatz künstlicher Intelligenz verspricht ein gigantisches Wachstum für Deutschland. Jetzt hat die Bundesregierung einen wichtigen...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB erwägt Verlängerung der Krisen-Anleihenkäufe PEPP

Die Europäische Zentralbank prüft derzeit eine Verlängerung ihres Pandemie-Notfallkaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biontech und Pfizer beantragen EU-Zulassung für Corona-Impfstoff

Biontech und Pfizer haben bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur die Zulassung ihres Corona-Impfstoffs beantragt. Sollte die Behörde...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Staaten treiben europäische Bankenunion mit ESM-Reform voran

Die Euro-Staaten haben eine Reform des ESM in die Wege geleitet. Dieser soll künftig als "letzte Verteidigungslinie" bei drohenden...

DWN
Finanzen
Finanzen Robuste China-Daten und Impfstoff-Anträge beflügeln deutsches Leitbarometer

Die deutschen Börsen sind heute Morgen mit Gewinnen in den neuen Tag gestartet. Es gab sehr positive Nachrichten.

DWN
Deutschland
Deutschland Autofahrer tötet zwei Menschen in Fußgängerzone von Trier

Der Fahrer sei festgenommen worden, teilte die Polizei per Twitter am Dienstag mit. Bürgermeister Wolfram Leibe zeigte sich erschüttert:...

DWN
Politik
Politik Wahlbetrug? US-Richter lässt Stimmenzähl-Maschinen in Georgia „einfrieren“

Ein Bezirksrichter im US-Bundesstaat Georgia hat drei Wahlmaschinen „einfrieren“ lassen. Es soll offenbar eine forensische Inspektion...

DWN
Finanzen
Finanzen Nach drei Jahren: Bitcoin steigt auf Rekordhoch

Am Montag überstieg der Bitcoin-Kurs seinen bisherigen Rekordstand vom Dezember 2017. Reißt der Kurs als nächstes die Marke von 20.000...

DWN
Deutschland
Deutschland Finanzminister Scholz: „Ich unterstütze die Arbeit der EZB an einem digitalen Euro voll”

Bundesfinanzminister Scholz konstatiert einen starken Trend hin zu bargeldlosen, digitalisierten Bezahlmöglichkeiten in Europa: „Es gibt...