Finanzen

Afrikanische Staaten wollen Handel mit China in Yuan abwickeln

Lesezeit: 3 min
04.06.2018 23:47
Die chinesische Landeswährung Yuan weitet ihren Einfluss in Afrika zu Lasten des US-Dollars aus.
Afrikanische Staaten wollen Handel mit China in Yuan abwickeln

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Die chinesische Landeswährung Renminbi (Yuan) weitet ihren Einfluss in großen Teilen Afrikas deutlich aus. Wie die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, hat eine Vereinigung öst- und südafrikanischer Staaten beschlossen, den Handel mit der Volksrepublik künftig in Yuan abzuwickeln.

Wie der Direktor des Macroeconomic and Financial Management Institute of Eastern and Southern Africa (MEFMI), Caleb Fundanga, sagte, sind sich die beteiligten Staaten darüber einig, den Yuan künftig als Reservewährung zu nutzen, weil das wirtschaftliche Gewicht Chinas in der Region stetig wachse. Die gegenwärtige Konzentration der Devisenreserven der betreffenden Länder auf den Dollar bilde diese neue Realität nicht mehr ausreichend ab.

Bei den MEFMI-Staaten handelt es sich um Angola, Botswana, Burundi, Kenia, Lesotho, Malawi, Mosambik, Namibia, Ruanda, Swasiland, Tansania, Uganda, Sambia und Simbabwe.

„Wir sind darin übereingekommen, dass wir den Yuan mehr benutzen sollten, weil seine Zeit gekommen ist. Wir handeln mehr mit China also ist es nur folgerichtig, dass wir die Währung des Landes nutzen, mit dem wir Geschäfte machen. Genauso wie wir Dollar und Euro benutzen, so wollen wir auch den Yuan zu unserem Vorteil nutzen“, wird Fundanga zitiert.

Fundanga zufolge trage die Abwicklung von Geschäften in Yuan zudem dazu bei, die Anfälligkeit für Schwankungen beim Dollar zu verringern. Sie biete den Ländern der Region zudem mehr Optionen, ihre Devisenreserven anzulegen. „Bislang war es häufig so, dass China uns Kredite gab und in Dollar abrechnete. Wir wollen jetzt bei der Regierung in Peking und chinesischen Unternehmen anfragen, ob wir in Yuan abgerechnet werden können. Es ist sinnlos, weiter in Dollar zu rechnen, wenn wir unsere Reserven in Yuan anlegen wollen“, sagte Fundanga.

Offenbar erwägen die MEFMI-Staaten zudem, Währungsswaps ihrer jeweiligen Währungen mit dem Yuan nach nigerianischem Vorbild einzuführen. Nigerianer, welche nach China reisen, können sich inzwischen Yuan-Bargeld an Geldautomaten in Nigeria oder in China auszahlen lassen.

Chinesische Banken hatten in den vergangenen Jahren zahlreiche Kredite an afrikanische Staaten vergeben und sich operativ und finanziell an zahlreichen Projekten beteiligt. Zudem wurden die Handelsvolumen deutlich ausgeweitet. Nach Angaben von Ernst & Young sollen die Chinesen seit 2005 mehr als 66 Milliarden Dollar auf dem afrikanischen Kontinent investiert und über 130.000 Arbeitsplätze geschaffen haben. Seit 2009 sollen sie der größte Handelspartner des Kontinents sein.

Wie aus Daten der China Africa Research Initiative hervorgeht, stiegen die Kredite chinesischer Banken an afrikanische Staaten seit der Jahrtausendwende stark an. Im Jahr 2000 beliefen sich die Kredite nur auf einen Umfang von wenigen Dutzenden Millionen Dollar. Seitdem stiegen die Volumina an. Der bisherige Höhepunkt wurde im Jahr 2013 mit etwa 17 Milliarden Dollar an vergebenen Krediten erreicht. Im Jahr 2015 lagen die Investitionen bei etwa 12 Milliarden Dollar. Zu den Hauptbegünstigten der Geldströme gehören Angola, Äthiopien, Kenia, der Sudan und Kamerun.

Angola ist mit etwa 14 Milliarden Dollar der mit Abstand wichtigste Exporteur von Waren nach China, gefolgt von Südafrika, der Republik Kongo, Sambia und der Demokratischen Republik Kongo.

Die wichtigsten Importeure chinesischer Waren sind Südafrika mit etwa 14 Milliarden Dollar – gefolgt von Ägypten, Nigeria, Algerien und Kenia.

Eine Ausweitung des Einflussbereichs des Yuan in Afrika wäre ein Schlag gegen die Dominanz des US-Dollars, weil viele afrikanische Staaten über große Rohstoffvorkommen und eine schnell wachsende Bevölkerung verfügen.

In der Vergangenheit hatte die Regierung in Peking mehrfach den Status des Dollar als Weltleitwährung mit der Schaffung neuer Institutionen zur Handels- und Zahlungsabwicklung angegriffen. Dazu gehört beispielsweise eine Börse für Edelmetalle und Rohöl in Schanghai, an der Future-Kontrakte in Yuan abgewickelt werden können. Zudem überlegt die London Metal Exchange derzeit, ob sie den Yuan ebenfalls für Rohstoffgeschäfte zulassen soll.

Länder wie China, Russland und der Iran sind schon seit einiger Zeit dazu übergegangen, den Dollar aus dem Handel sowie dem Zahlungsverkehr untereinander auszuschließen. Vor wenigen Tagen erst kündigte Indien an, dass es sich nicht an den von der US-Regierung erhobenen Sanktionen gegen den Iran beteiligen werde. Aus diesem Grund würden die Importe iranischen Rohöls künftig in Rupien abgewickelt. Der Gesamthandel mit dem Iran wurde auf Euro umgestellt.

„Bei unserer Außenpolitik lassen wir uns nicht vom Druck anderer Staaten leiten. Wir erkennen UN-Sanktionen an – aber keine Sanktionen, die von einzelnen Staaten allein erhoben werden. Wir folgten den US-Sanktionen auch bei früheren Gegebenheiten nicht“, wird Indiens Außenminister Sushma Swaraj von Asia Times zitiert.

Das Ziel der chinesischen Regierung, den Yuan zu einer international akzeptierten Handelswährung aufzubauen, könnte aufgrund des schwelenden Handelsstreits der US-Regierung mit der EU sowie mit China Fortschritte machen. Die japanisch dominierte Asian Development Bank rechnet damit, dass sich Länder vor dem Hintergrund drohender US-Sanktionen vermehrt auf den Yuan stützen könnten.

Vergangene Woche sagte der Berater Noritaka Akamatsu auf einer Tagung: „Die vorsichtige Herangehensweise der chinesischen Behörden war weise. Die Handelskriege mit den USA bieten Möglichkeiten und Herausforderungen, um die Internationalisierung des Yuan voranzutreiben. Wir bei der Asian Development Bank beobachten die Internationalisierung genau – insbesondere zurzeit.“

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