Nach Glyphosat-Urteil: Aktie von Bayer stürzt um 14 Prozent ab

 

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13.08.2018 14:55
Der Erwerb von Monsanto könnte für Bayer zum Milliardengrab werden.
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Bayer gerät wegen Monsanto unter Druck. Die Aktien des Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzerns brachen in der Spitze um fast 14 Prozent auf ein Fünf-Jahres-Tief von 80,37 Euro ein und waren größter Verlierer im Dax. Bayer büßte damit mehr als zehn Milliarden Euro an Börsenwert ein, das entspricht in etwa der gesamten Marktkapitalisierung der Commerzbank.

Grund ist laut Analysten das Urteil gegen den von Bayer übernommenen US-Agrarkonzern Monsanto, der fast 290 Millionen Dollar (254 Millionen Euro) an einen Krebspatienten zahlen muss. Weitere Strafen in Milliardenhöhe drohen.

Glyphosat soll nach Ansicht des Bundesumweltministeriums ab 2021 in Deutschland nicht mehr verwendet werden. "Es gilt der Koalitionsvertrag, dass die Anwendung von Glyphosat grundsätzlich innerhalb dieser Legislaturperiode zu beenden ist", sagte ein Ministeriumssprecher am Montag in Berlin. Das Glyphosat-Schadenersatzurteil in den USA habe keinen Einfluss auf diese Entscheidung, denn dieses betreffe Gesundheitsaspekte, sagte der Sprecher. Der Ausstieg werde in Deutschland betrieben, weil Glyphosat die Artenvielfalt in der Natur beeinträchtige. "Und das ist unsere Hauptmotivation." Eine Sprecherin des Agrarministeriums ergänzte, derzeit werde der Ausstieg aus Glyphosat mit dem Umweltministerium abgestimmt, nannte aber keine Frist.

Ein ehemaliger Schulhausmeister macht die glyphosathaltigen Herbizide von Monsanto für seinen Lymphdrüsenkrebs verantwortlich. Er beruft sich auf die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC). Diese hatte vor drei Jahren konstatiert, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei. Tausende Krebskranke geben deshalb Monsanto die Schuld an ihren Leiden.

"Wenn es eine Viertelmilliarde Dollar pro Fall ist, muss man nicht viele Klagen verlieren, bevor es ziemlich teuer wird", sagte Analyst Michael Leacock von der MainFirst Bank. Er wies darauf hin, dass Monsanto auf Ebene der US-Bundesstaaten mit etwa 4000 Klagen sowie auf Bundesebene mit 450 Klagen konfrontiert sei.

"Die Gesamtkosten könnten unseres Erachtens leicht zehn Milliarden Dollar erreichen", prognostizierte der Analyst. Vorausgesetzt, Bayer würde sich mit einer größeren Zahl von Klägern außergerichtlich einigen. Wenn die weit verbreiteten Pflanzenschutzmittel von Monsanto bei den Kunden als gefährlich angesehen werden, bestehe ein Risiko für das langfristige Geschäft, fügte er hinzu. Das sei ein zweiter Grund für Investoren, sich vorerst von Bayer zurückzuziehen.

Ob Glyphosat tatsächlich Krebs auslöst, ist unter Experten umstritten. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland gelangten zu dem Schluss, dass keine Krebsgefahr von dem Herbizid ausgeht.

Monsanto kündigte umgehend Berufung gegen das Urteil an. Pflanzenschutzmittel mit Glyphosat seien weiterhin ein "wichtiges, wirksames und sicheres Mittel", erklärte das Unternehmen. Bayer, das Monsanto erst im Juni für rund 63 Milliarden Dollar (56 Milliarden Euro) übernommen hatte, zeigte sich ebenfalls überzeugt, "dass Glyphosat sicher und nicht krebserregend ist".

Glyphosat-Gegner nahmen das Urteil zum Anlass, erneut ein Verbot des Unkrautvernichtungsmittels zu fordern. "Die Bundesregierung muss jetzt unverzüglich eine Neubewertung gesundheitlicher und ökologischer Gefahren durch Glyphosat veranlassen - unabhängig und unter Berücksichtigung aller kritischen Studien", forderte die agrarpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Kirsten Tackmann. "Alles andere wäre ein schwerwiegender Verstoß gegen das Vorsorgeprinzip im europäischen Recht." Außerdem forderte sie, bis zur Klärung des wissenschaftlichen Widerspruchs die Zulassung auszusetzen."

Vergangenes Jahr war der Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft nach einer umstrittenen Intervention des damaligen Landwirtschaftsministers Christian Schmidt (CSU) in der Europäischen Union für weitere fünf Jahre zugelassen worden.

Seitdem arbeitet die Bundesregierung aber an einer Einschränkung des Herbizids. Künftig soll es etwa in Privatgärten verboten sein, und für Landwirte nur unter Auflagen erlaubt bleiben. Die Regierung begründet die Einschränkungen aber nicht mit der Gesundheitsgefahr, sondern mit Beeinträchtigungen der natürlichen Artenvielfalt. Der Gesetzentwurf wird derzeit zwischen den Ressorts abgestimmt.


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