EZB setzt Großbanken Fristen zur Deckung fauler Kredite

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
Börse  
Italien  
Finanzen  
Banken  
EZB  
 
Lesezeit: 1 min
15.01.2019 12:14
Die EZB setzt den europäischen Großbanken verschiedene Fristen zur Absicherung ausfallgefährdeter Kredite. Aktien italienischer Banken geraten unter Druck.
EZB setzt Großbanken Fristen zur Deckung fauler Kredite

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Börse  
Italien  
Finanzen  
Banken  
EZB  

Der Streit zwischen Italien und der EZB über den Abbau fauler Kredite in den Bank-Bilanzen spitzt sich zu. Italiens Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini warf der Europäischen Zentralbank (EZB) am Dienstag vor, das heimische Bankensystem zu attackieren. Anlass sind Vorgaben der EZB-Aufseher, die von Instituten in der Euro-Zone mehr Rückstellungen für faule Kredite verlangen. Dies wird insbesondere für die Banken in Italien als Problem gesehen. Dort haben viele Geldhäuser im Zuge der jahrelangen Wirtschaftsflaute besonders hohe Bestände an Problemdarlehen aufgetürmt. An der Mailänder Börse gaben italienische Bankaktien zum Teil kräftig nach.

Die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr am Dienstag von einem Insider, dass die EZB-Kontrolleure alle von ihr überwachten Geldhäuser dazu auffordert, den Abbau von faulen Krediten voranzutreiben. In Briefen werde ihnen ein konkretes Zieldatum vorgegeben, bis wann sie diese vollständig über Rückstellungen abdecken sollen, sagte die mit dem Vorgang vertraute Person. Es handele sich um mittelfristige Daten, die von Bank zu Bank unterschiedlich seien. Die EZB lehnte eine Stellungnahme ab.

"Dieses neuste Faulspiel der EZB könnte Italien 15 Milliarden Euro kosten", sagte Salvini. Der Schritt zeige, dass die EU-Bankenunion Instabilität schaffe. Mehr Transparenz sei erforderlich, um jedweden Verdacht zu zerstreuen, dass die EZB politisch motiviert vorgehe. Die italienische Zeitung "Il Sole 24 Ore" berichtete, Geldhäuser sollten für ihre faulen Kredite nun bis etwa 2026 vollständige Vorsorge in ihren Bilanzen treffen. Zwar drücken solche Vorgaben der EZB nur Erwartungen aus. Die Bankenwächter hatten in der Vergangenheit aber klargemacht, dass Abweichungen nur bei gewichtigen Gründen möglich seien.

Die in der Finanzbranche als Non Performing Loans (NPLs) bekannten Problemdarlehen sind eine Hinterlassenschaft der Finanzkrise von 2008 und 2009 und der darauffolgenden wirtschaftlichen Schwächephase in vielen Ländern. Firmen und Haushalte hatten damals massive Probleme, das von Banken geliehene Geld zurückzuzahlen. Ende des zweiten Quartals 2018 saßen große Institute im Währungsraum noch auf notleidenden Krediten im Volumen von insgesamt rund 657 Milliarden Euro. Auf Italiens Institute entfiel rund ein Viertel davon.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die EZB-Aufseher mit Plänen, wie Geldhäuser mit ihren Altbeständen an faulen Krediten umgehen sollen, Kritik aus Italien ausgelöst. Dort wurde befürchtet, dass Banken zu stark belastet werden und dann weniger Darlehen ausreichen - mit negativen Folgen für die Konjunktur. In der Folge wurden die Pläne abgemildert. Demnach wird Instituten - statt mit allgemeinen Vorschriften - nun in Einzelfallregelungen vorgegeben, wie sie die Wackelkredite abbauen sollen. Die EZB ist seit Herbst 2014 für die Aufsicht über die großen Banken in der Euro-Zone zuständig. Aktuell überwacht sie direkt 119 Institute.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Europas Großbanken bereiten sich auf Welle von Fusionen vor

Europas Finanzbranche steht vor einer Welle von Fusionen und Übernahmen. Die Zusammenschlüsse sind Insidern zufolge unvermeidlich. So...

DWN
Deutschland
Deutschland Drosten erhält Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeichnet 15 Bürger mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus, darunter der...

DWN
Politik
Politik Pharmakonzerne werden in der EU von Haftung bei Corona-Impfstoff freigestellt

Pharmakonzerne werden bei unerwarteten Nebenwirkungen ihrer Corona-Impfstoffe von der EU in Schutz genommen. Die Mitgliedsstaaten sollen...

DWN
Deutschland
Deutschland DIHK lobt Gesetzentwurf zu Firmensanierung ohne Insolvenzverfahren

Nach dem Referentenentwurf, den Ministerin Christine Lambrecht vorgelegt hat, sollen Unternehmen ihr Sanierungskonzept auch außerhalb...

DWN
Politik
Politik Italiener stimmen für drastische Verkleinerung ihres Parlaments

Die Italiener haben sich am Montag für eine deutliche Verkleinerung des Parlaments ausgesprochen. In Deutschland stoßen entsprechende...

DWN
Politik
Politik Julian Assange könnte bald Selbstmord begehen

Nach Angaben eines britischen Top-Psychiaters ist Julian Assange akut suizidgefährdet. Er könnte bald Selbstmord begehen.

DWN
Politik
Politik Russisch-amerikanischer Journalist Andre Vltchek stirbt in Istanbul

In Istanbul ist der russisch-amerikanische Journalist Andre Vltchek in einem Mietwagen ums Leben gekommen. Er wurde von seiner Ehefrau und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Filigrane Roboterhände aus Deutschland erobern den Weltmarkt

Heimlich, still und leise entwickelt sich eine Spezies von Robotern, die besondere Fähigkeiten hat - beispielsweise wie Menschenhände...

DWN
Politik
Politik Kampf ums Öl in Ost-Syrien: USA und Russland bringen schwere Bodenwaffen in Stellung

Die USA verstärken ihr Truppenaufgebot im Osten Syriens, um die Ölfelder unter Kontrolle zu bekommen. Währenddessen buhlen die Russen um...

DWN
Politik
Politik Italiener verpassen ihren Politikern eine schallende Ohrfeige

Nach den Regionalwahlen in Italien sehen sich alle Parteien als Sieger. Doch das Gegenteil ist der Fall. Denn bei einem zugleich...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche Bank schließt jede fünfte Filiale, bietet Alternativen

Mit der Schließung von mehr als hundert Filialen ist nach Angaben der Deutschen Bank auch ein Stellenabbau verbunden. Künftig werde sich...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft USA: Hälfte aller Restaurants und Geschäfte wird den Lockdown nicht überstehen

Daten des Internetportals Yelp werfen ein Schlaglicht auf die vom Corona-Ausnahmezustand verursachte Verwüstung im US-Einzelhandel.

DWN
Politik
Politik Der nächste Bundeskanzler könnte Jens Spahn heißen

Friedrich Merz hat mit seinen seltsamen Aussagen über Homosexuelle dafür gesorgt, dass der umstrittene Bundesgesundheitsminister...

DWN
Politik
Politik Türkei verklagt griechische Zeitung wegen Anti-Erdoğan-Titel

Die Türkei hat rechtliche Schritte gegen eine griechische Zeitung wegen einer gegen Präsident Recep Tayyip Erdoğan gerichteten...

celtra_fin_Interscroller