Finanzen
Neue Logik am Markt

Hypotheken mit Minuszinsen sind nur noch eine Frage der Zeit

Banken in Deutschland bereiten sich darauf vor, ihren Kunden Hypotheken mit Minuszinsen anzubieten. Insidern zufolge ist dies nur noch eine Frage der Zeit.
24.08.2019 08:12
Lesezeit: 1 min

In Dänemark gibt es bereits Hypotheken mit Minuszinsen. Bei der Jyske Bank erhalten die Kunden heute Geld dafür, dass sie ein zehnjähriges Hypothekendarlehen aufnehmen, wenn die Höhe des Kredits im Verhältnis zum Wert der Immobilie nicht zu hoch ist.

Die Hypotheken werden von der Bank in Form von Anleihen auf den Markt gebracht. Und da sie mit Immobilien besichert sind, gelten sie als sehr sicher. Daher sind die Renditen inzwischen negativ - wie auch die Renditen für dänische zehnjährige Staatsanleihen.

Gegenüber Bloomberg sagte der Jyske-Ökonom Mikkel Hoegh, dass der Negativzins für seine Bank keinen Unterschied macht. Denn ihre Einnahmen aus dem Geschäft hingen lediglich von der Höhe des Kredits und dem Wert der Immobilie ab.

Hypotheken mit Minuszinsen kommen nach Deutschland

Nun bereiten sich offenbar auch einige deutsche Banken darauf vor, Negativzinsen auf Immobilienkredite einzuführen. Wenn die Zinsen weiter fallen, sei dies nur eine Frage der Zeit, sagten mehrere Marktteilnehmer zu Finanz-Szene. Denn die Zinsen sind in den vergangenen Wochen massiv gesunken.

Die Jahreszinsen für Immobilienkredite mit fünfjähriger Zinsbindungfrist und moderater Beleihung liegen bei nur noch 0,13 Prozent. Auch mit einer zehnjährigen Zinsbindungsfrist beträgt der effektive Jahreszins bei konservativen Finanzierungen nur noch 0,2 Prozent. Anfang Juli waren die entsprechenden Zinssätze noch doppelt so hoch.

"Wir sehen ein paar Herausforderungen, etwa bei der Erstellung von Tilgungsplänen", so ein Finanzinstitut gegenüber Finanz-Szene. Aber technisch sei es grundsätzlich möglich, auch negative effektive Jahreszinsen in der Baufinanzierung darzustellen.

Für die Banken ist es kein Problem, Hypothekendarlehen mit negativen Renditen zu vergeben, solange sie sich so extrem günstig über Pfandbriefe refinanzieren können, wie es zuletzt der Fall gewesen ist.

Die Renditen bei Euro-Pfandbriefen sind in den letzten Monaten stark eingebrochen. Zu Jahresbeginn betrug die durchschnittliche Rendite bei einer Laufzeit von fünf bis sieben Jahren 0,4 Prozent. Ende Mai fiel sie unter Null. Aktuell liegt die Rendite bei minus 0,49 Prozent.

Da es bei Hypothekendarlehen meist um sechsstellige Summen geht, vergleichen Kreditnehmer die Konditionen sehr genau. Daher könnte der harte Wettbewerb bei privaten Immobilienkrediten die Banken unter den derzeitigen Bedingungen schnell zu negativen Zinsen drängen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Twitch, Kick & Co. die Unterhaltungsbranche prägen

Das Bild der Unterhaltungsbranche hat sich dramatisch gewandelt. Dabei wurde aus einer Einbahnstraße eine Autobahn mit unzähligen Spuren...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Flugkraftstoff gerettet, Urlaub nicht. Europas Airlines sparen weiter
01.06.2026

Erst drohten Flugausfälle, leere Tanks und ein chaotischer Sommer über Europas Flughäfen. Nun scheint der akute Mangel an Flugkraftstoff...

DWN
Finanzen
Finanzen Trade Republic attackiert Europas Banken mit sechs Prozent Zinsen
01.06.2026

Sechs Prozent Zinsen, Brad Pitt im Werbespot und ein deutscher Anbieter, der in Polen plötzlich klassische Banken herausfordert. Trade...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Automobilchef: Mehrere europäische Automarken werden aussterben
01.06.2026

Jahrzehntelang lernten chinesische Hersteller von deutschen Autobauern. Nun reisen Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW nach China, um...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Kona im Test: Futuristisch, mutig und anders
01.06.2026

Der Hyundai Kona sieht aus, als wolle er nicht jedem gefallen. Genau das macht ihn spannend, denn hinter der mutigen Form steckt ein...

DWN
Politik
Politik Vorteil für Migranten bei Behördenjobs: Ist das Partizipationsgesetz verfassungswidrig?
01.06.2026

In Berlin ist die öffentliche Verwaltung bunt: Vielfalt, Teilhabe, Chancengleichheit für Menschen mit Migrationsgeschichte. Diese Praxis...

DWN
Politik
Politik Rentenversicherung: 20 Prozent Rentenbeitrag im Jahr 2029?
01.06.2026

Die Beiträge für die Rente sollen steigen - nach neuen Prognosen sogar noch etwas stärker als bisher gedacht. Doch es könnte auch alles...

DWN
Politik
Politik Großbritanniens EU-Rückkehr: Realistische Option oder politischer Wunschtraum?
01.06.2026

Erst galt der Brexit als endgültig, nun spricht ein Labour-Schwergewicht offen von Großbritanniens EU-Rückkehr. Hinter der neuen...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-IPO: Warum Kleinanleger jetzt in ein riskantes Spiel geraten
01.06.2026

SpaceX ist noch nicht an der Börse, doch der Hype wird bereits gehandelt. Kryptoplattformen machen aus Erwartungen an Elon Musks...