Politik

Serbiens Militär kauft chinesische Kampfdrohnen

Mit Serbien hat erstmals ein europäisches Land chinesische Kampfdrohnen gekauft. Belgrad will sein Waffenarsenal diversifizieren.
13.09.2019 13:41
Aktualisiert: 13.09.2019 14:25
Lesezeit: 1 min
Serbiens Militär kauft chinesische Kampfdrohnen
Die chinesische Pterodactyl-Kampfdrohne ist bereits in mehreren Ländern Asiens und Afrikas im Einsatz. (Foto: dpa) Foto: Andy Wong / Pool

.

Innerhalb der nächsten sechs Monaten wird Serbien neun chinesische Kampfdrohnen vom Typ Chengdu Pterodactyl-1 erhalten, sagten serbische Beamte am Dienstag. Zudem gibt es die Option auf eine Folgebestellung von 15 weiteren Drohnen, wie serbische Medien berichten.

Es ist das erste Mal, dass ein europäisches Land in China gebaute bewaffnete Drohnen gekauft hat. Für China ist es seit mehreren Jahrzehnten der größte Militärexport nach Europa, wo die Streitkräfte in der Regel auf US-amerikanische und europäische Waffenhersteller setzen.

Peking hat sich im Rahmen seiner Initiative für eine "Neue Seidenstraße" in Serbien und anderen Ländern Südosteuropas bereits stark wirtschaftlich engagiert, insbesondere bei Infrastrukturprojekten wie Straßen, Eisenbahnen und Häfen. Nun erweitert China seinen Einfluss auch in den militärischen Bereich.

Serbiens Militär diversifiziert sein Arsenal

"Dieser Deal wird das serbische Militär erheblich stärken, da es Fähigkeiten gewinnen wird, die es in der Vergangenheit nicht hatte", sagte laut Stars and Stripes Verteidigungsminister Aleksandar Vulin am Dienstag im serbischen Staatsfernsehen. Am Montag hatte der Minister eine chinesische Militärdelegation unter der Leitung von General Zhang Youxia empfangen.

Analysten zufolge können die Kampfdrohnen vom Typ Pterodactyl-1 Ziele bei Tag und Nacht ausfindig machen und diese mit lasergesteuerten Bomben und Raketen angreifen. "Die Chinesen haben sehr gute unbemannte Flugzeuge, nur die USA haben noch bessere", sagte der Belgrader Militäranalytiker Miroslav Lazanski in einem Fernsehinterview. "Sie haben offensichtlich einige amerikanische Systeme kopiert, aber die chinesischen Drohnen sind sehr effektiv und sehr billig."

Serbien ist ein führender Kandidat für den Beitritt zur Europäischen Union, hat aber die Möglichkeit einer Nato-Mitgliedschaft abgelehnt. Im Jahr 1999 während des Kosovokrieges war das Land von der Nato völkerrechtswidrig angegriffen und schwer bombardiert worden.

In der Folge hat sich Belgrad zu einer militärisch neutralen Nation erklärt und gesagt, dass es Waffen und andere militärische Ausrüstung von verschiedenen Lieferanten beziehen will, darunter die USA, Russland, China und die europäischen Nationen.

In den vergangenen beiden Jahren hat das serbische Militär von den USA Dutzende gepanzerte Humvee-Geländfahrzeuge gekauft, neun bewaffnete Airbus H145M-Hubschrauber aus der EU und sechs gebrauchte MiG-29-Jetjets aus Russland. Die Drohnen werden nun das erste bedeutende chinesische Waffensystem im Arsenal des Landes sein.

Die Pterodactyle-Drohnen, die in China auch als Wing Loong bekannt sind, wurden bereits von einer Reihe asiatischer und afrikanischer Ländern bestellt oder sind dort bereits im Einsatz, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, Nigeria, Pakistan, Indonesien, Kasachstan, Saudi-Arabien, Usbekistan und Ägypten. Sie wurden bei Luftangriffen in Libyen und auf der Sinai-Halbinsel eingesetzt. Und Berichten zufolge wurde eine kürzlich von Houthi-Rebellen über dem Jemen abgeschossen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Server statt Spielzeug: Playmobil-Werk wird Rechenzentrum
01.11.2026

Die Mutter der bekannten Spielwarenmarke hat die Produktion ins Ausland verlagert. 350 Mitarbeitende verloren dabei ihren Arbeitsplatz....

DWN
Immobilien
Immobilien Preisschock am Bau: Neue KI soll explodierende Materialkosten und Baustopps verhindern
01.11.2026

Kriege, Krisen und explodierende Rohstoffpreise bringen die Baubranche zunehmend unter Druck. Bauprojekte werden teurer, Kalkulationen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...

DWN
Panorama
Panorama Kommunale Schulden wachsen deutlich: Deutschlands Städte unter Druck, die KfW warnt
31.10.2026

Die integrierte Verschuldung der deutschen Kommunen ist 2025 deutlich gestiegen. Ende des Jahres entfielen rechnerisch 4.907 Euro Schulden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 70 Jahre Fernsehwerbung: Das beste Marketing, das Deutschland nie vergessen hat
31.10.2026

Ein Fleck auf der Tischdecke, ein Waschmittel und ein Satz, der hängen blieb: 1956 begann die Fernsehwerbung in Deutschland. Seitdem haben...

DWN
Immobilien
Immobilien Heizungstausch finanzieren: So nutzen Eigentümer Förderung, Kredit und Steuerbonus
31.10.2026

Eine neue Heizung kann langfristig Geld sparen, verlangt zunächst aber eine beträchtliche Investition. Eigentümer müssen deshalb...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögensbarometer 2026: ETF-Boom hält an, Anteil der Privatanleger stagniert
31.10.2026

ETFs werden in Deutschland immer beliebter, doch der Anteil der Menschen mit Wertpapieren stagniert. Das neue Vermögensbarometer des...

DWN
Finanzen
Finanzen KfW-Gründerkredite: 225 Millionen Euro zugesagt – doch Banken werden strenger
31.10.2026

Die staatliche Förderbank KfW hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Gründerkredite zugesagt. Gleichzeitig verschärfen deutsche...