Finanzen

Vorboten der Rezession: Geldmarktfonds verzeichnen stärkste Zuflüsse seit der Finanzkrise

Die starke Umschichtung der Anleger in Geldmarktfonds im dritten Quartal deutet darauf hin, dass in naher Zukunft eine Rezession ansteht.
07.10.2019 15:24
Lesezeit: 2 min
Vorboten der Rezession: Geldmarktfonds verzeichnen stärkste Zuflüsse seit der Finanzkrise
Geldmarktfonds verzeichneten im dritten Quartal Nettozuflüsse in Höhe von 221,5 Milliarden US-Dollar. (Foto: dpa) Foto: Richard Drew

Investoren haben im dritten Quartal massiv in Geldmarktfonds investiert. Laut Daten des US-Finanzdienstleisters Thomson Reuters Lipper lagen die Nettozuflüsse bei Investmentfonds und ETFs in dieser Fondssparte im dritten Quartal bei 221,5 Milliarden US-Dollar. Damit hat sich der Nettozufluss in den ersten neun Monaten des Jahres auf 349,7 Milliarden US-Dollar erhöht.

Steuerpflichtige Rentenfonds (+49,1 Mrd. USD) und steuerbefreite Kommunalanleihenfonds (+22,1 Mrd. USD) verzeichneten im dritten Quartal ebenfalls, wenn auch geringere, Nettozuflüsse. Diese Gewinne führten dazu, dass die positiven Nettoströme für diese Anleihengruppen im bisherigen Jahresverlauf auf 197,5 Milliarden US-Dollar beziehungsweise auf 69,1 Milliarden US-Dollar angewachsen sind.

Aktienfonds hingegen sind die einzige Anlagegruppe, die im dritten Quartal (-72,8 Mrd. US-Dollar) und im bisherigen Jahresverlauf (-125,6 Mrd. US-Dollar) Nettoabflüsse verzeichnet hat. Die Daten von Thomson Reuters Lipper zeigen, dass diese Fondskategorie im dritten Quartal 219,7 Milliarden US-Dollar und in den ersten drei Quartalen des Jahres 490,6 Milliarden US-Dollar an Nettozuflüssen verzeichnet hat.

Geldmarktfonds haben seit der globalen Finanzkrise nicht mehr so viele Nettozuflüsse verzeichnet. Der Nettomittelzufluss für das dritte Quartal ist der vierthöchste, seit Lipper im Jahr 1992 mit der Aufzeichnung dieser Daten begann. Nur im dritten und vierten Quartal 2007 (+319,4 Milliarden Dollar beziehungsweise +272,4 Milliarden Dollar) sowie im ersten Quartal 2008 (+347,7 Milliarden Dollar) lagen die Nettozuflüsse noch höher.

Bei den Aktienfonds muss man unterscheiden zwischen Investmentfonds, die sowohl im dritten Quartal (-84,9 Mrd. USD) als auch in den ersten drei Quartalen des Jahres (-157,2 Mrd. USD) Nettoabflüsse verzeichneten, und börsengehandelten Aktienfonds (ETFs), die sowohl im dritten Quartal (+12,1 Mrd. USD) als auch im bisherigen Jahresverlauf (+31,5 Mrd. USD) Nettozuflüsse verzeichneten.

Die Umschichtung der Anleger in Geldmarktfonds, die überwiegend in Geldmarkttitel und liquide Wertpapiere mit kurzer Restlaufzeit investieren, bezeichnet der Finanzblog ZeroHedge als eine "defensive Rotation". Die Entwicklung spreche dafür, "dass sich Vorsicht und Angst entwickeln, da Rezessionsbedrohungen vor den Präsidentschaftswahlen 2020 aufkommen".

Weitere Hinweise auf eine mögliche bevorstehende Rezession neben der Rotation in Geldmarktfonds sind der globale Einbruch bei Fusionen und Übernahmen, die für Investoren historisch unprofitablen Börsengänge in diesem Jahr, Aktienrückkäufe von Unternehmen in Rekordhöhe und Aktienverkäufe durch Unternehmensinsider in den USA wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Verbessern Sie die Lieferketten-Transparenz

Identifizieren, scannen und übermitteln von eindeutigen Komponentendaten

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik USA und Iran im Konflikt: Wie China auf steigende Ölpreise reagiert
03.03.2026

Der Krieg im Iran verschiebt die geopolitischen Gewichte zwischen Russland und China und legt ihre gegensätzlichen Energieinteressen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Was der Krieg für Verbraucher und Wirtschaft bedeutet
03.03.2026

Tanken und Heizen verteuern sich, Aktien geben nach, und der Ölpreis könnte die Konjunktur bremsen. Doch es gibt auch hoffnungsvolle...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Man sieht sich immer zweimal im Leben: Souveräner Umgang mit Kündigungen 
03.03.2026

Ob Unzufriedenheit mit dem Chef, eine neue Jobchance oder persönliche Veränderungen: Die Gründe für eine Kündigung des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Jobrad-Stellenabbau fällt moderater aus: 107 Jobs fallen bis Jahresende weg – was heißt das für Wettbewerber
03.03.2026

Weniger Kündigungen als befürchtet, ein neuer CEO ab 1. Februar und ein Strategiewechsel im Sponsoring: Der Jobrad-Stellenabbau fällt...

DWN
Panorama
Panorama Spritpreise steigen weiter: Diesel überholt E10
03.03.2026

Der Krieg im Nahen Osten treibt Rohölpreise und damit auch Kosten für Tanken und Heizen in die Höhe. Am Dienstag setzte sich der Anstieg...

DWN
Finanzen
Finanzen Allianz-Aktie: Rekordergebnis reicht Anlegern nicht – Allianz-Aktienkurs steht vor kritischen Marken
03.03.2026

Die Allianz-Aktie rutscht am Dienstag deutlich ins Minus – trotz starker Zahlen und eines neuen Allianz-Rekordergebnisses. Was bedeutet...

DWN
Politik
Politik Ressourcenimperialismus im 21. Jahrhundert: USA gegen Europa
03.03.2026

Der Wettlauf um seltene Erden, Öl und digitale Vorherrschaft bestimmt längst globale Machtspiele. Wer strategische Ressourcen...

DWN
Finanzen
Finanzen Schaeffler-Aktie: Kursrückgang nach Robotik-Hype belastet Anleger
03.03.2026

Die Schaeffler-Aktie verliert nach Rekordgewinnen kräftig an Wert. Vor allem das traditionelle Antriebsgeschäft bremst das Wachstum.