Finanzen

Griechenland erhält erstmals Geld fürs Schuldenmachen

Griechenland, der am stärksten verschuldete Staat der Eurozone, konnte diese Woche erstmals Staatsanleihen mit negativen Renditen an Investoren verkaufen.
11.10.2019 10:08
Aktualisiert: 11.10.2019 10:15
Lesezeit: 2 min
Griechenland erhält erstmals Geld fürs Schuldenmachen
Griechenlands neuer Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis Ende August bei Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Erstmals zahlen Investoren Griechenland eine Rendite dafür, dass sie dem Land Bargeld leihen dürfen. Ein Verkauf von 13-Wochen-Scheinen im Umfang von 487,5 Millionen Euro erzielte am Mittwoch eine Rendite von minus 0,02 Prozent.

Auch hoch verschuldete Euro-Staaten wie Irland, Italien und Spanien haben von Investoren bereits Anleihen mit negativen Renditen verkaufen können. Möglich gemacht wird dies durch die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die im September den Einlagensatz auf -0,5 Prozent weiter abgesenkt und zudem neue Anleihenkäufe angekündigt hat.

Für Griechenland, das am stärksten verschuldete Mitgliedsland der Eurozone, sind negative Renditen eine besonders krasse Entwicklung. Man erinnere sich, dass das Land im März 2012 die größte Restrukturierung der Geschichte akzeptieren musste und beinahe aus der Währungsunion ausschied.

Derzeit hat Griechenland zwar Zugang zu billigen Krediten. So konnte das Land diese Woche 10-jährige Staatsanleihen mit einer Rendite von 1,5 Prozent verkaufen. Doch dafür kämpft es nun wie die Eurozone insgesamt mit einem anderen Problem:

Die von der EZB-Politik bewirkten negativen Zinsen, welche die verschuldeten Staaten und Unternehmen der Eurozone vor dem Bankrott bewahren, schaden den Sparern sowie den Pensionsfonds und Versicherern, die teils gesetzlich dazu verpflichtet sind, diese Staatsanleihen zu halten, was sich für sie nun wegen der negativen Renditen immer mehr zum Verlustgeschäft entwickelt.

Griechische Anleihen mit kurzen Laufzeiten gehörten bis vor Kurzem zu den wenigen Staatsanleihen in der Eurozone, für die noch eine positive Rendite angeboten wurde. "Es gibt nach wie vor erhebliche Risiken in Bezug auf die Finanzlage Griechenlands und es ist weiterhin anfällig für eine deutliche Konjunkturabschwächung", zitiert Bloomberg Jon Day von Newton Investment Management. Die aktuellen Renditen würden dieses Risiko nicht widerspiegeln.

Die griechische Schuldenquote hat im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert von 181,1 Prozent erreicht. Damit ist das Land von der lockeren Geldpolitik de Europäischen Zentralbank abhängig. Einen nennenswerten Anstieg der Zinsen könnte es nicht bezahlen und würde erneut vor dem Bankrott stehen.

Eigentlich hat Griechenland mit seinen europäischen Gläubigern vereinbart, dass es ab dem Jahr 2022 einen Primärüberschuss (das heißt ohne Einbeziehung der Zinskosten) von 3,5 Prozent der BIP erzielt. Doch der neue griechische Premier Kyriakos Mitsotakis, der im Juli angetreten ist, hat diese Ziele bereits als ein "Relikt der Vergangenheit" bezeichnet und versucht nun, die Gläubiger davon zu überzeugen, dass Griechenland wieder stärkere Schulden machen darf.

Unterstützung erhält der Premier Mitsotakis dabei vom Internationalen Währungsfonds (IWF), demzufolge eine Senkung der griechischen Haushaltsziele den wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung des Landes unterstützen würde. Daher sollten die europäischen Partner von den vereinbarten Zielen abgehen und Griechenland wieder mehr fiskalischen Spielraum lassen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ingenieurmangel trotz Rekordarbeitslosigkeit: Warum Deutschlands Technikarbeitsmarkt gespalten ist
27.10.2026

Mehr offene Stellen, aber gleichzeitig ein neuer Höchststand bei der Arbeitslosigkeit: Deutschlands Ingenieur- und IT-Arbeitsmarkt sendet...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Temu und Shein werden teurer: EU kassiert ab November zusätzlich
27.10.2026

Ein paar günstige Produkte aus China bestellen und dabei kräftig sparen? Das könnte sich für deutsche Verbraucher bald weniger lohnen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
27.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen Microsoft-Aktie im Fokus: US-Konzern bietet 60.000 Mitarbeitern Abfindungen an
27.10.2026

Der US-Softwarekonzern Microsoft bietet rund 60.000 Beschäftigten in vier Ländern einen freiwilligen Abschied gegen eine Abfindung an....

DWN
Finanzen
Finanzen Micron-Technology-Aktie zwischen KI-Boom und China-Risiko: Was Anleger jetzt beachten sollten
27.10.2026

Nach heftigen Kursschwankungen steht die Micron-Aktie erneut im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Der Speicherchiphersteller profitiert...

DWN
Politik
Politik EZB-Zinsentscheid: Bleiben die Zinsen stabil oder deutet Lagarde schon die nächste Erhöhung an?
27.10.2026

In dieser Woche stehen zwei Zinsentscheidungen an. Am Mittwoch tagt die US-Notenbank Fed, am Donnerstag folgt der EZB-Zinsentscheid.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wolfgang Grupp junior: Audis Vier-Milliarden-Werk in den USA verschärft die Standortdebatte in Deutschland
27.10.2026

Trigema-Geschäftsführer Wolfgang Grupp junior kritisiert den Fokus auf den politischen Auftritt des Audi-Chefs in den USA. Er fragt...

DWN
Politik
Politik Was passiert, wenn Ägypten in den Krieg im Nahen Osten eintritt
27.10.2026

Ägyptens Parlament hat Präsident Abdel Fattah al-Sisi grünes Licht für militärische Unterstützung Saudi-Arabiens gegeben. Die...