Politik

Syrien und Kurden stimmen türkischer Sicherheitszone zu

Die syrische Regierung und die Kurden-Miliz SDF haben der Schaffung einer türkischen Sicherheitszone im Nordosten Syriens ihre Zustimmung erteilt.
28.10.2019 15:30
Aktualisiert: 28.10.2019 16:18
Lesezeit: 2 min
Syrien und Kurden stimmen türkischer Sicherheitszone zu
22.10.2019, Türkei, Ceylanpinar: TV-Journalisten besprechen den Ausschnitt einer Landkarte für eine Nachrichtenübertragung über die Militäroffensive der Türkei in Nordsyrien. (Foto: dpa) Foto: Lefteris Pitarakis

Die syrische Regierung begrüßt den Abzug der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die sich hauptsächlich aus Mitgliedern der Kurden-Miliz YPG zusammensetzt, von der Grenze zur Türkei. Das syrische Außenministerium teilt nach Angaben der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana in einer Mitteilung vom 27. Oktober 2019 mit, dass dieser Schritt eine Rückkehr zur nationalen Einheit Syriens nach sich ziehen werde. Damit bekennt sich auch Damaskus zum Sotschi-Vertrag zwischen Russland und der Türkei, der in der vergangenen Woche geschlossen wurde. Doch auch die SDF scheint zufrieden mit dem Sotschi-Deal zu sein, der den Aufbau einer türkischen Kontrollzone im Nordosten Syriens zur Folge haben wird.

Der englischsprachige Dienst von Reuters zitiert die SDF aus einer Mitteilung: “Die SDF wird in Übereinstimmung mit den Bedingungen des (Erdogan-Putin)-Übereinkommens zu neuen Positionen außerhalb der türkisch-syrischen Grenze im Nordosten Syriens versetzt, um das Blutvergießen zu stoppen und die Bewohner der Region vor türkischen Angriffen zu schützen.”

Bemerkenswert ist, dass die SDF Russland auffordert, einen “konstruktiven Dialog” zwischen den Kurden und der Regierung von Präsident Baschar al-Assad in Damaskus zu ermöglichen. Damit billigt auch die SDF der Türkei im Rahmen des Sotschi-Deals faktisch eine Sicherheitszone zu, während sie gleichzeitig verstanden hat, dass sie sich ohne die Unterstützung von Damaskus nicht in der Region wird halten können.

Bereits im Juli hatten sich die US-Regierung und die türkische Regierung auf die Etablierung einer Sicherheitszone in Nordsyrien geeinigt, wie die Deutschen Wirtschaftsnachrichten damals berichteten.

Der türkische Fernsehsender ahaber hat den Sotschi-Vertrag zwischen Putin und Erdoğan im Wortlaut auf seiner Webseite veröffentlicht:

“Der Präsident der Republik Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, und der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, einigten sich auf folgende Punkte:

1. Beide Seiten bekräftigen ihr Engagement für die Wahrung der politischen Einheit und der territorialen Integrität Syriens sowie für den Schutz der nationalen Sicherheit der Türkei.

2. Sie betonen ihre Entschlossenheit, den Terrorismus in allen Formen und Erscheinungsformen zu bekämpfen und die separatistischen Agenden auf syrischem Gebiet zu stören.

3. In diesem Rahmen wird der derzeitige Status Quo im Gebiet der Operation Peace Spring, das Tel Abyad und [Ras al-Ain] mit einer Tiefe von 32 Kilometer (20 Meilen) umfasst, beibehalten.

4. Beide Seiten bekräftigen die Bedeutung des Adana-Abkommens. Die Russische Föderation wird die Umsetzung des Adana-Abkommens unter den gegenwärtigen Umständen erleichtern.

5. Ab dem 23. Oktober 2019, 12.00 Uhr mittags, werden die russische Militärpolizei und syrische Grenzschutzbeamte die syrische Seite der türkisch-syrischen Grenze außerhalb des Gebiets der Operation Peace Spring betreten, um die Entfernung von YPG-Elementen und deren Waffen zu erleichtern. Zu diesem Zeitpunkt werden gemeinsame russisch-türkische Patrouillen im Westen und Osten des Gebiets der Operation Peace Spring mit einer Tiefe von 10 Kilometer (sechs Meilen) beginnen, mit Ausnahme der Stadt Qamischli.

6. Alle YPG-Elemente und ihre Waffen werden von Manbij und Tal Rifat entfernt.

7. Beide Seiten werden die erforderlichen Maßnahmen treffen, um das Eindringen terroristischer Elemente zu verhindern.

8. Es werden gemeinsame Anstrengungen unternommen, um die sichere und freiwillige Rückkehr von Flüchtlingen zu erleichtern.

9. Es wird ein gemeinsamer Überwachungs- und Überprüfungsmechanismus eingerichtet, der die Umsetzung dieses Memorandums überwacht und koordiniert.

10. Die beiden Seiten werden weiterhin daran arbeiten, eine dauerhafte politische Lösung für den Syrienkonflikt im Rahmen des Astana-Mechanismus zu finden, und die Tätigkeit des Verfassungsausschusses unterstützen.”

In den vergangenen Wochen wurde deutlich, dass die türkische Militäroperation "Peace Spring" im Nordosten Syriens nicht nur mit den USA und Russland, sondern auch mit der Kurden-Miliz SDF und der Regierung in Damaskus abgestimmt und koordiniert wurde.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Panorama
Panorama Immer mehr Deutsche ziehen nach Polen: Das steckt hinter dem Trend
07.11.2026

Deutsche kommen längst nicht mehr nur nach Polen, um ihr Auto zu betanken oder deutlich günstiger im Supermarkt einzukaufen. Sie kommen...

DWN
Finanzen
Finanzen Poker um EZB-Spitze: Wer folgt auf Christine Lagarde?
07.11.2026

Die Eurostaaten suchen nach einem neuen Präsidenten für die Europäische Zentralbank. Schon in wenigen Tagen könnte über die Nachfolge...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KfW-ifo-Mittelstandsbarometer: Mittelstand hofft auf Aufschwung – doch beim Personal bleibt die Bremse angezogen
07.11.2026

Deutschlands Mittelstand gewinnt wieder Zuversicht: Das Geschäftsklima hat sich im Oktober zum sechsten Mal hintereinander verbessert....

DWN
Technologie
Technologie Dacia Duster im Test: Wenn die Reichweite an der Grenze zur Unwahrscheinlichkeit liegt
07.11.2026

1.410 Kilometer Reichweite, Allradantrieb und drei Antriebstechnologien in einem Auto: Der Dacia Duster Hybrid 4x4 verspricht erstaunlich...

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
07.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...

DWN
Finanzen
Finanzen 26 Prozent an einem Tag: Warum Duolingo plötzlich an meinen Chipaktien vorbeizieht
07.11.2026

Für meine Chipaktien war es ein schlechter Börsentag: Nvidia, Micron und Iren gerieten deutlich unter Druck. Ganz anders Duolingo. Die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Polestar 5 im Test: Angriff auf Porsche und Audi – mehr Luxus für weniger Geld?
07.11.2026

Mit dem Polestar 5 wollen die Schweden Porsche und Audi im Luxussegment angreifen. Bis zu 884 PS, 678 Kilometer Reichweite und elektrisch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wertvollste Marken 2026: Apple ist auf Platz eins, Tesla hat am meisten verloren
07.11.2026

Welche Unternehmen führen das Ranking der wertvollsten Marken 2026 an, welche gewinnen besonders stark und welche verlieren an Bedeutung?...