Politik

Stimme aus der Ukraine: Die EU muss ihre Ressourcen mobilisieren und groß aufspielen

Der ukrainische Vizepremier Kuleba ist überzeugt, dass die EU zu einem “liberalen Imperium des Guten” werden kann. Als Kontrahenten dieses gutwilligen “Imperiums” macht er die USA, Russland und China aus.
08.11.2019 15:00
Lesezeit: 2 min

Dmytro Kuleba, Erster Vizepremier der Ukraine, bekennt sich in einem Gastbeitrag, welcher beim EU Observer veröffentlicht wurde, zur Idee der Europäischen Union (EU). Die EU habe das Potenzial ein “liberales Imperium des Guten” zu werden. “Allianzen, die einst ewig schienen, scheinen es nicht mehr zu sein. Immer tiefere Risse ziehen sich durch den einheitlichen Stein des liberalen Westens und den Liberalismus selbst. China fordert die USA ernsthaft heraus. Washington wird immer ängstlicher und unternimmt abrupte Schritte - wie zum Beispiel den Handelskrieg gegen Peking.”

Ein mit verschiedenen Waffen ausgestattetes Russland verfolge hingegen wie ein Gespenst jedes Land, das es verfolgen könne. Kuleba wörtlich: “Alles wächst, einschließlich der Angst und des Gefühls einer wachsenden globalen Spannung. Was nicht wächst, ist Europa.”

Den Selbstbehauptungswillen Europas gegenüber Russland, China und den USA sieht Kuleba in der Person des französischen Präsidenten Emmanuel Macron verkörpert. Es gehe Macron nicht nur darum, seine persönlichen Ziele zu verfolgen oder aber Deutschland zu übertreffen. “Er verkörpert vielmehr den Wunsch Europas, seine frühere Macht zurückzugewinnen (oder zumindest den Status einer wirklich großen Weltmacht zu erlangen)”, meint der ukrainische Vizepremier.

Kuleba wörtlich: “Und hier kommt ein wesentliches Hindernis. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten alle verfügbaren Ressourcen mobilisiert werden, und dies scheint derzeit nicht der Fall zu sein. Stattdessen schrumpft Europa. Das Vereinigte Königreich bereitet sich vor, sich von der Europäischen Union zu lösen, während die Erweiterungsdebatte ins Stocken gerät.

Die aktuelle Initiative der französischen Regierung, ihre Beziehungen zu Russland zu verbessern, sieht Kuleba hingegen kritisch. Frankreich fahre durch diesen Vorstoß durch ein “russisches Minenfeld”.

Aus dem Gastbeitrag geht außerdem hervor, das Kuleba sich offen für eine schnelle Erweiterung der EU ausspricht. Damit wirbt er offenbar für eine baldige EU-Mitgliedschaft der Ukraine. Er meint: “Anstatt gleichgesinnte Nachbarn zu mobilisieren, die sich für die Entwicklung erfolgreicher europäischer Demokratien einsetzen, verwandelt sich die EU in eine Festung.” Seiner Ansicht nach sollten Albanien, Nordmakedonien, die Ukraine, Georgien und Moldawien so schnell wie möglich der EU beitreten.

Kuleba fährt fort: “Anstatt sich paradoxerweise von ihren imperial-liberalen Ambitionen abzuwenden, sollte die Europäische Union groß spielen, größer werden und als globale Macht auftreten, die sich für das einsetzt, was in dieser Welt richtig ist.” Die EU werde sicherlich in der Lage sein, mit China und den USA zu konkurrieren - sobald es den Mut aufbringe, “groß” zu spielen. Deshalb müsse die EU auch offen über ihre “imperial-liberalen Ambitionen” sprechen und sich dazu bekennen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (08/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen
24.08.2026

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Finanzen
Finanzen Online-Broker-Vergleich: Die besten Aktiendepots für Anleger – Tipps zur Anbieterauswahl
24.08.2026

Ein Online-Broker-Vergleich beginnt beim Wertpapierdepot: Ein Depot ist die Eintrittskarte zur Börse, nur mit einem Depot können Anleger...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Neue Woche bringt Richtungsfrage – was Anleger jetzt bewegt
24.08.2026

Der Goldpreis ist mit leichten Gewinnen in die neue Handelswoche gestartet. Nach der kräftigen Aufwärtsrally im August blicken...

DWN
Technologie
Technologie Arbeitswelt: Müde und ausgebrannt? Beschäftigte haben genug von KI
24.08.2026

Viele Mitarbeiter würden nach der ersten KI-Euphorie die Technologie am liebsten wieder abschaffen. Statt der oftmals versprochenen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Autos greifen an und GAC warnt vor dem Preiskrieg
24.08.2026

Chinesische Autos gewinnen in Europa rasant an Bedeutung, doch GAC will den Markt nicht mit immer niedrigeren Preisen erobern. Osteuropa...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Prognos-Studie: EU-Exporte sichern 7,2 Millionen Jobs in Deutschland
24.08.2026

Der europäische Binnenmarkt ist für Deutschland weit mehr als ein politisches Projekt. Exporte, offene Grenzen und gemeinsame...

DWN
Finanzen
Finanzen Börse aktuell: DAX-Kurs schwächelt – Märkte vor wegweisender Woche
24.08.2026

Am deutschen Aktienmarkt wächst offenbar die Nervosität: Chipwerte geraten am Montag unter Druck, während die Anleger auf die...

DWN
Panorama
Panorama Trinkgeld per Karte: Wann aus Freiwilligkeit gefühlter Zwang wird – Streit um digitale Trinkgelder
24.08.2026

Sieben, zehn oder gleich zwanzig Prozent? Beim Bezahlen per Karte müssen Gäste oft spontan über Trinkgeld entscheiden. Auffällige...