Politik

Bundesregierung blockiert Aufhebung der Russland-Sanktionen

Die europäischen Wirtschaftsverbände fordern inzwischen öffentlich ein Ende der Sanktionen gegen Russland. Die Politik bremst jedoch.
09.12.2019 11:45
Aktualisiert: 09.12.2019 11:45
Lesezeit: 2 min
Bundesregierung blockiert Aufhebung der Russland-Sanktionen
Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Bundesaußenminister Heiko Maas. (Foto: dpa) Foto: Michael Kappeler

Bundesaußenminister Heiko Maas sieht kaum Chancen, dass der Ukraine-Gipfel in Paris bereits Ende Januar ein Auslaufen der europäischen Wirtschaftssanktionen gegen Russland ermöglicht. «Es wäre schön, wenn wir irgendwann dahin kämen», sagte der SPD-Politiker am Montag am Rande eines EU-Außenministertreffens in Brüssels. Bislang gebe es aus seiner Sicht aber keine Veränderungen, aus denen man Konsequenzen ziehen können. «Wir werden das, was wir bisher für richtig gehalten haben, jetzt erst einmal fortsetzen. Das heißt die Sanktionen verlängern, wenn die Gründe, die zu den Sanktionen geführt haben, weiterhin bestehen», erklärte Maas.

Die Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland waren zuletzt im Juni bis zum 31. Januar 2020 verlängert worden. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Staats- und Regierungschefs beim EU-Gipfel am Donnerstag eine Fortführung um weitere sechs Monate in Auftrag geben.

Nach derzeitiger Beschlusslage soll Russland erst auf eine Aufhebung der Sanktionen hoffen können, wenn die Vereinbarungen des Minsker Friedensplanes zum Ukrainekonflikt komplett erfüllt sind. Mit der Koppelung der Sanktionen an den Friedensplan wollen die EU-Staaten Putin dazu bewegen, seinen Einfluss auf die prorussischen Separatisten in der Ostukraine stärker für eine Beilegung des Konfliktes zu nutzen. Vorschläge, einen stufenweisen Abbau von Sanktionen zu ermöglichen, fanden bislang nicht ausreichend Unterstützung.

Im Gegensatz zur Politik fordert die europäische Wirtschaft inzwischen eine Aufhebung der Sanktionen. So tritt der europäische Wirtschaftsverband Eurochambres für eine stufenweise Reduzierung der Sanktionen zwischen Europa und Russland ein, berichtet Solvencon. Es sei an der Zeit, die Sanktionen auf beiden Seiten schrittweise zu reduzieren und sich auf die Vorteile einer Zusammenarbeit zwischen Europa und Russland zu fokussieren, anstatt gegeneinander zu arbeiten, so der Präsident von Eurochambres, Christoph Leitl.

Solvecon kommentiert:

Eurochambres gehören circa 20 Millionen Unternehmen an. Der Präsident Leitl, ein Unternehmer aus Österreich, vertritt die Auffassung, dass die Wirtschaftssanktionen keinerlei Nutzen hätten. Wir stimmen vollständig zu. Ganz im Gegenteil hat sich Russland durch die Sanktionen zu Reformen durchgerungen, die das Land unerwartet stark positiv beeinflusst haben. Den Preis der Sanktionen haben vor allen Dingen europäische Unternehmen gezahlt. Es ist die Aufgabe der europäischen Politiker, Schaden von unserem politischen Raum fernzuhalten, nicht ihn zu forcieren! Russland sei ein Partner, mit dem die Europäer auf wirtschaftlicher, politischer, kultureller und sportlicher Ebene im Dialog stehen sollten. Wir stimmen zu. Der Abbruch des Dialogs 2014/2015 war Ausdruck von Eskalations-, nicht von Lösungswillen. Nur wer miteinander redet, kann Lösungen finden. Wortlosigkeit hat noch nie genutzt. Aus diesem Grunde schauen wir neugierig Richtung Paris. Heute findet dort das Treffen im Normandie-Format statt. Daran nehmen die Staats- und Regierungschefs Russlands, der Ukraine, Deutschlands und Frankreichs teil. Man verhandelt über Friedensinitiativen in der Ostukraine. Von allen Beteiligten erwarten wir Bereitschaft, sich zu bewegen. Das wäre nicht nur für die Ukraine gut!

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gestiegene Betriebskosten: Wachsender Druck auf Produktionsbetriebe

Die deutsche Wirtschaft steht im Jahr 2026 vor enormen Herausforderungen, welche die Gewinnspannen der Betriebe spürbar verringern. Laut...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs springt über 85.000 Dollar. Was hat die Erholung ausgelöst?
22.09.2026

Der Bitcoin-Kurs ist wieder deutlich gestiegen und kletterte über 85.000 Dollar. Bemerkenswert ist der Rebound, da kurz zuvor zwei...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvenz: So schützen Unternehmer ihr Privatvermögen
22.09.2026

Gerät die Firma ins Wanken, kann es schnell um mehr gehen als das Unternehmen. Plötzlich stehen auch Haus, Depot und Ersparnisse auf dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes-Benz-Aktie: Arbeitszeit in der Diskussion – Konzern setzt deutsche Werke unter Druck
22.09.2026

Mercedes hält seine deutschen Werke für zu teuer und fordert mehr Arbeit für das gleiche Geld. Um den Druck zu erhöhen, legt der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quereinstieg wird zum Karrieremodell: Wo Quereinsteiger gefragt sind
22.09.2026

Ein neuer Job, ein anderer Berufsweg, neue Perspektiven: Für immer mehr Menschen in Deutschland ist der Quereinstieg eine attraktive...

DWN
Finanzen
Finanzen Vonovia-Aktie unter Druck: Enteignungsdebatte kehrt zurück
22.09.2026

Die Vonovia-Aktie gerät nach der Berlin-Wahl erneut unter Druck und fällt auf den niedrigsten Stand seit Sommer 2023. Der Wahlsieg der...

DWN
Technologie
Technologie Datendurst: Rechenzentren verschärfen Deutschlands Wasserproblem
22.09.2026

Deutschlands Rechenzentrumskapazitäten sollen bis 2030 massiv wachsen, sich mindestens verdoppeln – und brauchen dafür nicht nur immer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU und Philippinen einigen sich auf Freihandelsabkommen
22.09.2026

Neue Chancen für Maschinen, Arzneimittel und Schweinefleisch: Die Europäische Union und die Philippinen haben sich auf...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Evonik-Aktie: Chemiekonzern streicht 3.200 Stellen
22.09.2026

Evonik streicht 3.200 Stellen und will allein in Deutschland 2.150 Jobs abbauen. Der Chemiekonzern setzt zugleich auf Wachstum in Asien und...