Politik

Gaskonflikt im Mittelmeer: USA heben Waffenembargo gegen Zypern auf, Ankara reagiert zornig

Der US-Kongress hat ein Waffenembargo gegen die beiden zypriotischen Staaten aufgehoben. Ankara reagiert scharf. Die Maßnahme des Kongresses stellt eine Unterstützung der Energieallianz zwischen Griechenland, Zypern und Israel dar.
18.12.2019 09:41
Aktualisiert: 18.12.2019 09:41
Lesezeit: 1 min
Gaskonflikt im Mittelmeer: USA heben Waffenembargo gegen Zypern auf, Ankara reagiert zornig
Benjamin Netanyahu (l), Premierminister von Israel, Alexis Tsipras (M), Premierminister von Griechenland, und Nikos Anastasiades (r), nehmen 2018 am 5. Gipfeltreffen zwischen Israel, Griechenland und Zypern teil. (Foto: dpa) Foto: Kobi Gideon

Die Türkei hat die USA vor der Aufhebung des Waffenembargos gegen Zypern gewarnt. Dies würde eine "gefährliche Eskalation" darstellen, erklärte das türkische Außenministerium am Dienstagabend. Die Entscheidung der USA werde zudem "die Bemühungen um eine Einigung auf der Insel behindern". Der US-Kongress hatte am Dienstag für die Aufhebung des seit Jahrzehnten geltenden Embargos gestimmt und damit das Verhältnis zwischen den USA und der Türkei erneut belastet.

Ankara werde auf jedes gegen die Türkei gerichtete Vorgehen reagieren, teilte das türkische Ministerium weiter mit. "Die Sprache der Drohungen und Sanktionen wird die Türkei niemals davon abhalten, entschlossene Maßnahmen zur Wahrung seiner nationalen Sicherheit zu ergreifen."

Die Türkei hält den Nordteil der Insel seit 1974 militärisch besetzt und erkennt die Regierung des griechischen Südens - der Republik Zypern, die seit 2004 der Europäischen Union angehört - nicht an. Die Türkei erkennt stattdessen die Türkische Republik Nordzypern im Norden der Insel an.

Das US-Waffenembargo gegen Zypern gilt seit 1987. Es wurde seinerzeit gegen die gesamte Insel mit dem Ziel verhängt, eine friedliche Lösung im Zypern-Konflikt zu fördern. Inzwischen wird das Embargo aber von US-Regierungsmitgliedern und auch parteiübergreifend im Kongress als kontraproduktiv bewertet.

In den Beziehungen zwischen den USA und dem Nato-Partner Türkei gibt es eine ganze Reihe von Konfliktthemen. Ein zentraler Streitpunkt ist die türkische Entscheidung zum Kauf des russischen Luftabwehrsystems S-400. Für Irritationen in Ankara sorgte zudem ein Beschluss des US-Kongresses, die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg als Völkermord zu bewerten.

Einen weiteren Hintergrund der Rivalitäten stellen die großen Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer dar. Die US-Regierung ist dabei faktisch Teil einer griechisch-zypriotisch-israelischen Allianz, welche die Vorkommen mithilfe europäischer Konzerne ausbeuten will. Die Türkei möchte dies ebenfalls und hat zu diesem Zweck mit Libyen einseitig territoriale Ansprüche auf das östliche Mittelmeer erhoben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Der neue Anleger der DWN stellt sich vor

Wie können Sie ein Vermögen an der Börse aufbauen, wenn Sie weder Erfahrung bei der Aktienanalyse haben noch die Zeit für den...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Nasdaq und S&P 500 schließen auf Rekordhochs; Anleiherenditen geben nach
06.10.2026

Welche Kräfte die Märkte antreiben und warum bestimmte Sektoren jetzt besonders profitieren.

DWN
Finanzen
Finanzen Pest-Verdacht in Russland treibt meine Aktie plötzlich zweistellig nach oben
06.10.2026

Die Aktie, die ich vergangene Woche noch als obskur bezeichnet hatte, ist um fast 13 Prozent gestiegen.

DWN
Technologie
Technologie Deutsche Bahn: Per 5-Jahres-Plan endlich pünktlich ans Ziel?
06.10.2026

Marode Gleise und unpünktliche Züge belasten den Bahnverkehr in Deutschland. Ein neuer Infraplan soll verbindliche Ziele setzen und die...

DWN
Politik
Politik Staatshaushalt: Finanzierungsdefizit im ersten Halbjahr 2026 von fast 99 Milliarden Euro
06.10.2026

Der deutsche Staat gibt deutlich mehr aus, als er einnimmt: Die öffentlichen Haushalte verzeichnen im ersten Halbjahr 2026 ein Defizit von...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Eine Anlage, der ich keinen Erfolg wünsche
06.10.2026

Alpha Pro Tech ist klein, langweilig und an der Börse meist nahezu unsichtbar. Doch sobald eine Gesundheitskrise ausbricht, können Umsatz...

DWN
Finanzen
Finanzen Frankreichs Schulden treiben den Euro in die Krise
06.10.2026

Der Euro fällt auf den tiefsten Stand seit 17 Monaten, während Frankreichs Schuldenkrise die Finanzmärkte verunsichert. Warum Experten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nissan Qashqai im Test: Elektrogefühl ohne Ladekabel
06.10.2026

Der Nissan Qashqai e-Power ist ein Hybrid, funktioniert aber anders als die meisten Konkurrenten. Die Räder treibt immer ein Elektromotor...

DWN
Technologie
Technologie Warum Fernwärme nicht überall funktioniert
06.10.2026

Fernwärme soll ein wichtiger Baustein der Wärmewende werden – doch nicht jedes neue Netz ist wirtschaftlich sinnvoll. Entscheidend sind...