Wirtschaft

China warnt EU davor, Investitionen zu behindern

Der Gesandte Pekings bei der EU hat mit Gegenreaktionen gedroht, wenn Brüssel wie geplant den Zugang chinesischer Unternehmen nach Europa einschränkt.
27.12.2019 14:00
Lesezeit: 3 min
China warnt EU davor, Investitionen zu behindern
Xi Jinping (M), Präsident von China, trifft Donald Tusk (l), Ratspräsident der Europäischen Union, und Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission, im Rahmen des EU-China-Gipfels in Peking 2018. (Foto: dpa) Foto: Li Xueren

Der Gesandte Chinas bei der EU hat Brüssel davor gewarnt, den Zugang chinesischer Unternehmen nach Europa einzuschränken. Zhang Ming sagte, dass das geplante Vorgehen der Union gegen ausländischen Firmenbesitz, gegen den Handel und gegen chinesische 5G-Mobilfunktechnologie auf Seiten "misstrauischer" Unternehmer in China eine Gegenreaktion auszulösen droht.

Der langjährige Diplomat und frühere chinesische Vize-Außenminister sagte in einem Interview, dass die EU-Länder die internationale Zusammenarbeit und freie Märkte fördern müssten. "Sonst ist es katastrophal für sie", zitiert ihn die Financial Times. "Ich hoffe, dass die EU sich an die Grundsätze des Multilateralismus und des Freihandels sowie an die Grundsätze der Offenheit, der Fairness, der Gerechtigkeit und der Nichtdiskriminierung halten wird."

Zhang sagte, die verhärtete Haltung auf EU-Seite habe "viele chinesische Unternehmer, die in Europa arbeiten, misstrauisch gemacht" und habe auch Auswirkungen auf chinesische Investitionen in der EU. "Meine Kollegen und ich setzen uns stark für die Förderung der Zusammenarbeit zwischen China und der EU ein, daher verfolge ich die Entwicklung mit Interesse und Besorgnis", sagte er. Investoren seien sehr aufmerksam, "in mancher Hinsicht sogar feige". Veränderungen könnten sie verschrecken.

Die EU-Länder werden voraussichtlich im Januar endgültige Empfehlungen für schärfere Sicherheitskontrollen für Unternehmen veröffentlichen, die 5G-Ausrüstung nach Europa liefern, von denen Huawei aus China weltweit führend und in Europa sehr aktiv ist. Außerdem werden strengere Beschaffungsregeln und ein strengeres Screening von ausländischen Investitionen geprüft, auch von Unternehmen, die sich mit staatlicher Unterstützung Vorteile bei der Übernahme europäischer Konkurrenten verschaffen wollen.

Mit diesen Plänen reagiert die EU unter anderem auch auf Chinas nationalistische Handelspolitik. Denn europäische Unternehmen und Regierungen beklagen seit langem, dass China den Zugang zu seinem eigenen Markt stark einschränkt und heimische Unternehmen begünstigt. Dies ist einer der Hauptgründe, warum laut einem aktuellen Bericht der deutschen Außenhandelskammer knapp ein Viertel der in China tätigen deutschen Unternehmen Produktionsstätten aus dem Land abzieht oder dies plant.

Diplomaten zufolge wird das Jahr 2020 für die Beziehungen zwischen der EU und China entscheidend sein. Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten hoffen, dass der chinesische Präsident Xi Jinping zu einem Gipfel nach Europa kommt, da zuletzt beide Seiten Konflikte mit der US-Regierung von Präsident Donald Trump auszutragen hatten. Die EU erklärte Peking im März erstmals zu einem "systemischen Rivalen" in einigen Bereichen.

Im Dezember hatte die oberste EU-Handelsbeamtin Sabine Weyand gesagt, dass die Gespräche über ein neues Investitionsabkommen mit China, das eigentlich im Jahr 2020 abgeschlossen werden soll, nur im "Schneckentempo" voran kämen und mehr Engagement von Peking erforderten. Darauf sagte Zhang: "Ist das eine Taktik oder ein Trick der EU?" Es gebe sehr wohl noch Hoffnung für die Verhandlungen, wenn beide Seiten bereit seien, sich auf halbem Weg zu treffen. "Und wenn wir schon von der Geschwindigkeit der Verhandlungen sprechen, ich denke, es ist besser, eine bodenständige Schildkröte zu sein als ein gerissenes Kaninchen."

Zhang, der seit 2017 als Chinas Gesandter bei der EU tätig ist, wies auch auf mögliche Bedenken hinsichtlich einer vorgeschlagenen EU-Grenzsteuer auf Kohlenstoff hin, welche die chinesischen Stahlexporte in die EU-Mitgliedsstaaten beeinträchtigen könnte. "Einige fragen, ob eine solche Steuer mit den Regeln der Welthandelsorganisation vereinbar ist oder ob sie zu Protektionismus und Handelsspannungen führen wird", sagte er.

Die Menschenrechte sind ein weiterer potenzieller Streitpunkt. Peking hat wegen der angeblichen Internierung von mehr als einer Million muslimischer Uiguren in sogenannten Umerziehungslagern im Westen Chinas die Kritik der EU auf sich gezogen. Zhang kritisiert in diesem Zusammenhang, dass das EU-Parlament im Dezember den Sacharow-Preis an Ilham Tohti verliehen hatte. Der politische Aktivist der Uiguren verbüßt in China eine lebenslange Haftstrafe, weil er sich für die Unabhängigkeit der nordwestlichen Region Xinjiang eingesetzt haben soll.

Zhang kritisierte auch das Vorgehen in EU-Ländern gegen das staatliche chinesische Konfuzius-Institut, das laut Peking eine kulturelle Organisation ist und kein Propaganda- oder Spionageinstrument, wie Kritiker behaupten. Die Vrije Universiteit Brussel in der belgischen Hauptstadt sagte im Dezember, dass sie ihren Vertrag mit dem Konfuzius-Institut im Jahr 2020 beenden werde, da die Zusammenarbeit nicht mehr mit den Zielen der VUB und mit den "Prinzipien der freien Forschung" vereinbar sei. "Seit einiger Zeit sind Amerika und einige westliche Politiker und Medien ziemlich misstrauisch gegenüber den Konfuzius-Instituten", so Zhang. "Sie attackieren diese Institute, aber sie haben keine handfesten Beweise, und deshalb sind solche Schritte ziemlich radikal und diskriminierend."

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Nach der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Trump:Standard Chartered sieht XRP als potenziell renditestärkste Kryptowährung im Jahr 2026

Vor dem Hintergrund der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Donald Trump und einer deutlich verbesserten regulatorischen Lage in den USA...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Edeka-Händler Feneberg insolvent: 3.000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
09.01.2026

Die Feneberg-Insolvenz trifft den Lebensmitteleinzelhandel im Süden unerwartet hart. Trotz geöffneter Märkte und gesicherter Löhne...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt burgbad Badmöbel: Acht Millionen Euro für eine neue Produktionslogik
09.01.2026

Acht Millionen Euro investierte CEO Stefan Sallandt 2025 in die Automatisierung des Badmöbelherstellers burgbad. Damit gehört das...

DWN
Technologie
Technologie Anwendung von KI-Tools im Job: Mitarbeiter sind schneller als Arbeitgeber
09.01.2026

Noch nutzt nur jeder Fünfte KI regelmäßig am Arbeitsplatz, wie eine aktuelle Studie des ifo Instituts belegt. Doch was überrascht: Zwei...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nach 25 Jahren Verhandlungen: EU macht Weg für Mercosur-Abkommen frei
09.01.2026

Nach jahrzehntelangen Verhandlungen ist der Weg für das Freihandelsabkommen zwischen der EU und südamerikanischen Staaten frei. Während...

DWN
Politik
Politik Atommülltransporte durch NRW: Gericht stärkt Genehmigung – Proteste gehen weiter
09.01.2026

Seit Monaten ist der Transport von Atommüll durch Nordrhein-Westfalen genehmigt. Nun hat ein Gericht den Widerstand des Umweltverbands...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Cybergefahr für Bankkunden: Sicherheitsamt warnt vor Betrugswelle
09.01.2026

Phishing-Mails, gefälschte Webseiten und Anrufe unter falschem Namen nehmen zu – Betrüger versuchen gezielt, an das Geld von Bankkunden...

DWN
Panorama
Panorama Berliner Blackout: Wegner startet Analyse des Krisenmanagements
09.01.2026

Nach dem öffentlichen Wirbel um sein Tennismatch während des Stromausfalls will Berlins Regierungschef Wegner verlorenes Vertrauen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zwischen Pflichtgefühl und Selbstfürsorge: So entscheiden sich Beschäftigte bei Krankheit
09.01.2026

Viele Arbeitnehmer stehen täglich vor der Frage, ob sie trotz Beschwerden zur Arbeit gehen oder eine Pause einlegen. Diese Entscheidung...