Finanzen

Federal Reserve untersucht Machbarkeit einer digitalen Zentralbankwährung

Die US-Zentralbank erwägt, eine eigene digitale Währung herauszugeben.
12.02.2020 18:05
Aktualisiert: 12.02.2020 18:05
Lesezeit: 2 min
Federal Reserve untersucht Machbarkeit einer digitalen Zentralbankwährung
Die Fed prüft die Ausgabe eines eigenen digitalen Dollars als Konkurrenz zum Buchgeld. (Foto: dpa) Foto: Arno Burgi

Die Federal Reserve untersucht die Machbarkeit einer eigenen digitalen Zentralbankwährung (central bank digital currency, CBDC). Dies sagte Lael Brainard, Mitglied im Gouverneursrat der US-Notenbank, in einer Rede vor Professoren und Studenten der "Stanford Graduate School of Business in Kalifornien". In der Rede heißt es, dass die US-Notenbank die Einführung einer eigenen digitalen Währung genauer unter die Lupe nimmt, nachdem sie sich in dieser Frage zunächst zurückgehalten hatte.

"Angesichts der wichtigen Rolle des Dollars ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir beim Thema digitale Zentralbankwährungen an der Spitze der Forschung und der Entwicklung von Geldpolitik bleiben", wird Lael Brainard von Bloomberg zitiert. "Wir betreiben Forschung und Experimente zur Blockchain-Technologien und deren Einsatzmöglichkeiten für digitale Währungen, darunter ihr Potenzials für eine digitale Zentralbankwährung".

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben gefordert, dass die Zentralbanken zumindest das Potential und die Machbarkeit digitaler Währungen untersuchen. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, unterstützt die Entwicklung eines digitalen Bargelds. Auf diese Weise will die EZB den Bürgern auch in Zukunft Zugang zu Zentralbankgeld ermöglichen, da die Verwendung von physischem Bargeld immer weiter zurückgeht.

Privatunternehmen sind seit Jahren bestrebt, digitale Währungen zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Zu solchen Initiativen gehört die von Facebook vorgeschlagene globale digitale Währung Libra. "Da Facebook über ein aktives Benutzernetzwerk verfügt, das ein Drittel der Weltbevölkerung umfasst, hat das globale Stablecoin-Projekt Libra des Unternehmens der Debatte Dringlichkeit verliehen, welche Form Geld annehmen kann, wer es ausgeben kann und wie Zahlungen erfasst und abgewickelt werden können", sagte Brainard.

Die Angehörige des Gouverneursrates der Federal Reserve nannte einige der Fragen, die ihrer Ansicht nach vor der Entscheidung für eine digitale Zentralbankwährung in den USA erst noch weiter untersucht werden müssen.

  • Würde eine digitale Zentralbankwährung die Kosten und die operativen Schwachstellen reduzieren?
  • Welche Banken oder Finanzunternehmen würden entsprechende Konten anbieten und wer würde sie überwachen?
  • Welche Risiken für die Finanzstabilität würden durch digitale Währungen entstehen?

Ein großer Befürworter digitaler Zentralbankwährungen (CBDCs) ist die Deutsche Bank. In einer Studie hat sie kürzlich gesagt, dass CBDCs einen ganz neuen Umgang mit systemischen Problemen der Weltwirtschaft ermöglichen würden. So könnten die Zentralbanken allen Bürgern zinsbringende Konten zur Verfügung stellen und so "viele Probleme lösen, die durch das derzeitige Teilreserve-Bankwesen verursacht werden". Die Geschäftsbanken wären dann nicht mehr anfällig für Bank-Runs, und die Staaten müssten nicht mehr wie im Jahr 2008 Banken retten, weil diese "too big to fail" seien, heißt es in der Studie.

Auch der Bundesverband der deutschen Banken forderte Ende letzten Jahres die Schaffung eines "programmierbaren" digitalen Euro, den Zentralbanken, Regierungen, Parlamente, Aufsichtsbehörden und Banken in die bestehenden Finanzsysteme integrieren sollten. Neben zahlreichen Vorteilen gegenüber dem bestehenden System, nannte der Verband einen weiteren Grund, der eine digitale Zentralbankwährung nötig mache: Die Zentralbanken müssten der globalen Gefahr der privaten Kryptowährungen begegnen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs steigt über 25.000 Punkte: Iran-Abkommen und SpaceX-Erfolg treiben die Börsen an
15.06.2026

An den Börsen kehrt plötzlich Optimismus zurück: Sinkende Ölpreise, Hoffnung auf Entspannung im Nahen Osten und ein spektakulärer...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Edelmetall legt zum Wochenstart deutlich zu
15.06.2026

Der Goldpreis startet dank der Rahmenvereinbarung zwischen den USA und dem Iran fester in die neue Woche. Niedrigere US-Renditen und ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DIW-Chef Marcel Fratzscher: Hohe Teilzeitquote von Frauen kostet Wohlstand
15.06.2026

Deutschlands Arbeitsmarkt leidet unter Fachkräftemangel, gleichzeitig bleibt ein enormes Potenzial weitgehend ungenutzt. Nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs steigt nach Iran-Abkommen: Erholung oder nur technische Gegenbewegung?
15.06.2026

Der Bitcoin-Kurs hat nach der überraschenden Einigung zwischen den USA und dem Iran kräftig zugelegt und wichtige Marken zurückerobert....

DWN
Politik
Politik Rahmenabkommen im Iran-Krieg erzielt: Hoffnung auf Frieden – viele Fragen bleiben
15.06.2026

Ein Durchbruch im Iran-Krieg scheint greifbar: Washington und Teheran haben sich auf ein Rahmenabkommen verständigt. Die Straße von...

DWN
Politik
Politik EU-Sanktionen gegen Russland: Teurere Fischstäbchen im Supermarkt drohen
15.06.2026

Das geplante neue Sanktionspaket der Europäischen Union gegen Russland könnte spürbare Auswirkungen auf den deutschen Lebensmittelmarkt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Baumaschinen-Markt im Wandel: Asiens Griff nach der Premiumklasse
15.06.2026

Die Ära der großen Übernahmen in Europas Baumaschinenindustrie flaut ab. Doch das asiatische Kapital zieht sich nicht zurück:...

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026: Welche Mannschaft bei der Weltmeisterschaft am meisten wert ist
14.06.2026

Die teuersten Teams bei der Fußball-WM 2026 kommen überwiegend aus Europa. Doch die Marktwerte zeigen vor allem eines: Geld erhöht die...