Deutsche Bank: Krypto-Währungen könnten schon bald das Bargeld ersetzen

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 3 min
29.01.2020 17:00
Krypto-Währungen haben gegenüber dem Bargeld erhebliche Vorteile, heißt es in einer Studie der Deutsche Bank. Wahrscheinlich werden die digitalen Zahlungsmittel Papier- und Hartgeld in naher Zukunft ersetzen - zunächst aber wohl nicht in Deutschland.
Deutsche Bank: Krypto-Währungen könnten schon bald das Bargeld ersetzen
Die Vorzüge der Kryptowährungen sind so erheblich, dass sie das Bargeld voraussichtlich ersetzen werden, so eine Studie der Deutschen Bank. (Foto: dpa)
Foto: Nicolas Armer

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Am Montag hat die Deutsche Bank eine Studie zur Zukunft der digitalen Währungen veröffentlicht, worin unter anderem eine Umfrage unter 3.600 Kunden in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, China und den USA analysiert wird. Vor allem die Generation der Millenials, die in den 80-er und 90-er Jahren geboren wurde, rechnet demnach für die Zukunft mit einer rein digitalen Währung. "Eine große Mehrheit der Millenials glaubt, dass Kryptowährungen gut für die Wirtschaft sind und sagte, dass sie bereits eine Kryptowährung gekauft und verkauft haben", heißt es in der Studie. Mehr als ein Drittel der Millennials glaube, dass Kryptowährungen das Bargeld bereits ersetzen.

Und die Forscher der Deutschen Bank scheinen diese Ansicht zu teilen. Sie schreiben: "Wenn wir die Dematerialisierung bei Zahlungen [die Abkehr vom Bargeld] und den Anstieg der Kryptowährungen weiterdenken, so können wir uns eine nahe Zukunft vorstellen, in der Kryptowährungen eine breite Akzeptanz finden werden. Diese Sichtweise wird durch Trends bei der jungen Generation unterstützt, die digitale Währungen und Zahlungen bereitwillig akzeptiert."

Allerdings würden Kryptowährungen derzeit noch weitgehend als zusätzliches Mittel für Finanztransaktionen angesehen und nicht als Ersatz für die gängigen Methoden. "Trotz ihrer bekannten Vorteile wie Sicherheit, Schnelligkeit, minimale Transaktionsgebühren, einfache Speicherung und Relevanz im digitalen Zeitalter haben sie sich als Zahlungsmittel nicht durchgesetzt", so die Studienautoren.

Die Einführung von Kryptowährungen wird sich nach Ansicht der Deutschen Bank in Zukunft "wahrscheinlich" beschleunigen. Wenn die chinesische Regierung zusammen mit Google, Amazon, Facebook oder Apple oder auch mit einem chinesischen Unternehmen wie Tencent einige der Barrieren für Kryptowährungen überwinden kann, dann könnten Kryptowährungen attraktiver werden. "Dies wird ihre Einführung beschleunigen und ihnen das Potenzial verleihen, Bargeld zu ersetzen."

Vor allem die älteren Befragten nannten Sorgen im Hinblick auf die neue Technologie. So fanden sie Kryptowährungen schwer verständlich, sahen sie als wenig liquide Finanzinstrumente an und fürchteten das Entstehen von volatilen Finanzblasen. Ein Drittel aller Befragten hatte keine Ahnung, wie Kryptowährungen funktionieren, und weitere 40 Prozent hatten nur ein unvollständiges Verständnis.

Die Nutzung von Kryptowährungen wird aber nicht nur durch das Alter beeinflusst, sondern auch durch die kulturelle Perspektive. Die zentrale Frage dabei ist der Studie zufolge der Konflikt zwischen Privatsphäre und Bequemlichkeit. "Banknoten und Münzen verringern den digitalen Fußabdruck erheblich. Eine Bargeldtransaktion erzeugt keine digitalen Daten. Daher erhält keine dritte Partei, wie etwa ein Zahlungsanbieter, automatisch Transaktionsdaten, wodurch die Privatsphäre des Einzelnen erhöht wird."

Dennoch haben die Verbraucher eine starke Präferenz für digitale Zahlungen, vor allem aufgrund der größeren Bequemlichkeit. "Karten und Smartphones zum Beispiel machen das Mitführen von Bargeld und Münzen überflüssig. Die Händler müssen nicht mehr jeden Tag mit gepanzerten Lastwagen Bargeld zur Bank bringen." Die Wichtigkeit von Privatsphäre beziehungsweise Bequemlichkeit variiert von Kultur zu Kultur. Vor allem in Deutschland machen sich viele Bürger eher Sorgen um ihre Anonymität und Nachverfolgbarkeit.

  • Deutsche - 42 Prozent
  • Franzosen - 29 Prozent
  • Amerikaner - 22 Prozent
  • Briten - 21 Prozent
  • Italiener - 19 Prozent
  • Chinesen - 10 Prozent

Eine weitere entscheidende Hürde für die Einführung von Kryptowährungen als Ersatz für das Bargeld ist die Regulierung in den verschiedenen Teilen der Welt. Vor allem die anonymen Kryptowährungen wie Monero, Dash, Zcash haben die Aufsichtsbehörden auf den Plan gerufen, da diese zum Schutz der Privatsphäre entwickelten Münzen unter Umständen die Geldwäsche erheblich erleichtern können.

Doch auch pseudo-anonyme Kryptowährungen wie Bitcoin eröffnen neuartige finanzielle Möglichkeiten, die den Aufsichtsbehörden nach Ansicht der Studienautoren mitunter nicht genehm sind. "Keine Kryptowährung wird sich ohne die Genehmigung der Aufsichtsbehörden als Mainstream-Zahlungslösung durchsetzen können", heißt es in der Deutsche-Bank-Studie. Auch Facebooks Libra hat im letzten Jahr eine klare Absage der Behörden in den USA und in Deutschland erhalten.

Der Studie zufolge müssen Kryptowährungen, um das Bargeld ersetzen zu können, von den Geschäften akzeptiert werden. "Damit Kryptowährungen eine globale Reichweite auf dem Zahlungsmarkt erreichen können, müssen Allianzen mit den wichtigsten mobilen Zahlungsanwendungen, Kartenanbietern und Einzelhändlern geschlossen werden. Die chinesische digitale Währung könnte über die wichtigsten Zahlungsplattformen, einschließlich WeChat Pay, Alipay und UnionPay, genutzt werden. Sie ist strategisch positioniert, um de facto eine globale digitale Währung in den Schwellenländern zu werden. "

Ein weiteres Hindernis sind der Studie zuolge die enormen Preisschwankungen bei den meisten Kryptowährungen. Auch Bitcoin sei aus diesem Grund nicht als Wertspeicher oder als Zahlungsmittel einsetzbar. "Stellen Sie sich vor, wie schwer es für E-Händler wäre, einen Preis für ihre Waren in Bitcoin festzulegen. Ein Gebrauchtwagen hätte Anfang 2015 110 Bitmünzen und im Dezember 2017 nur 1 Bitmünze wert sein können!" Eine Besserung könnten die sogenannten Stablecoins bringen. Dies sind Kryptowährungen, die an einen weniger volatilen Vermögenswert wie den Dollar geknüpft sind.

Großes Potential sieht die Deutsche Bank auch im Hinblick auf den Einsatz von digitalen Zentralbankwährungen (central bank digital currencies, CBDCs). Hier würden sich ganz neue Lösungen im Umgang mit systemischen Problemen der Weltwirtschaft ergeben. Wenn die CBDCs vollständig eingeführt würden, könnten die Zentralbanken allen Bürgern zinsbringende Konten zur Verfügung stellen. Das könnte "viele Probleme lösen, die durch das derzeitige Teilreserve-Bankwesen verursacht werden", heißt es in dem Bericht. Die Geschäftsbanken wären dann nicht mehr anfällig für Bank-Runs, und die Staaten müssten nicht mehr wie im Jahr 2008 Banken retten, weil diese "too big to fail" seien, so die Forscher.

Ende letzten Jahres hatte der Deutsche-Bank-Analyst Jim Reid das Jahr 2030 als voraussichtlichen Zeitpunkt angegeben, bis zu dem einige Staaten der Welt ihre eigenen Kryptowährungen herausgegeben werden, um das bestehende Fiat-Geld zu ersetzen.



DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Insolvenzwelle nimmt Fahrt auf: Nun sind die ersten Großkonzerne in Schieflage geraten

In den vergangenen Wochen haben – meist unbeachtet von der überregionalen Berichterstattung – dutzende Firmen Insolvenz angemeldet....

DWN
Politik
Politik Neue Verordnung: 60-Stunden-Woche und Arbeit an Sonn- und Feiertagen offiziell erlaubt

In zahlreichen Branchen wird das Arbeitszeitgesetz aufgrund des Corona-Virus aufgeweicht. 12-Stunden-Tag, die 60-Stunden-Woche und Arbeit...

DWN
Deutschland
Deutschland Bleiben Sie stets informiert und unterstützen Sie die Deutschen Wirtschafts Nachrichten mit einem Abo

Aktuell dreht sich alles um das Coronavirus. Das öffentliche Leben ist komplett heruntergefahren worden - Schulen, Restaurants und der...

DWN
Politik
Politik Spanien kündigt Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens an

Die spanische Regierung bereitet eigenen Angaben zufolge ein bedingungsloses Grundeinkommen für ihre Bürger vor. Die erstaunliche Meldung...

DWN
Politik
Politik Corona-Virus droht, Amazonas-Indianer komplett auszulöschen

Das Corona-Virus ist auf die indigenen Völker übergesprungen. Brasilien ist besonders schwer betroffen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Täglicher Bericht aus der Firmenwelt vom 9. April

Es folgt ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen aus der Unternehmenswelt vom Donnerstag. Neues gibt es unter anderem von BASF,...

DWN
Finanzen
Finanzen Preisaufschläge bei physischem Gold zeigen sich auch bei Kryptowährungen

Die weltweite Knappheit bei physischen Gold hat offenbar auch die mit Gold hinterlegten Kryptowährungen erreicht.

DWN
Deutschland
Deutschland Fast jeder dritte Betrieb in Deutschland setzt auf Kurzarbeit

Eine Rekordzahl von rund 650.000 Betrieben hat bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) Kurzarbeit angekündigt.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Donnerstag: Die Entwicklungen zum Coronavirus im Live-Ticker

Es folgen die Entwicklungen vom Donnerstag, den 9. April, im Live-Ticker. Das Coronavirus ist noch immer weltweit das bestimmende Thema.

DWN
Politik
Politik Friedrich Merz: Europäische Union droht auseinander zu brechen

Nach Ansicht von CDU-Vorsitzkandidat Friedrich Merz bringt die Corona-Krise die Europäische Union in existentielle Gefahr.

DWN
Deutschland
Deutschland Wegen Betrugsverdacht: NRW stoppt Auszahlung von Corona-Hilfen

Betrüger haben im großen Stil versucht, Corona-Soforthilfen an sich zu bringen. Nun zieht NRW die Reißleine.

DWN
Deutschland
Deutschland 12-Stunden-Arbeitstag kommt: Millionen Deutsche werden psychisch krank

Die Bundesregierung will für mehrere Branchen den 12-Stunden-Arbeitstag - angeblich vorübergehend - einführen. Genau das hatten...

DWN
Politik
Politik Vorwurf: Jared Kushner hat Corona-Hilfsgüter gezielt umgeleitet

Abgeordnete des US-Kongresses werfen Trumps Schwiegersohn vor, medizinische Hilfsgüter gegen die Corona-Pandemie gezielt weitergeleitet zu...

DWN
Deutschland
Deutschland Porsche zahlt Mitarbeitern erneut 9700 Euro Prämie

Porsche überweist seinen Mitarbeitern trotz der aktuellen Krise auch in diesem Jahr 9700 Euro zusätzlich.

celtra_fin_Interscroller