Deutschland

Großauftrag von korrupter ukrainischer Staatsbahn: Die Deutsche Bahn läuft ins offene Messer

Die Deutsche Bahn wird die Ukrainischen Staatsbahnen (US) in großem Stil beraten. Dabei hat sie offenbar übersehen, dass bei der US die Korruption grassiert.
12.02.2020 17:45
Aktualisiert: 12.02.2020 17:45
Lesezeit: 2 min
Großauftrag von korrupter ukrainischer Staatsbahn: Die Deutsche Bahn läuft ins offene Messer
Korruption ist in der Ukraine ein großes Problem. (Foto: dpa). Foto: Boris Roessler

Die Deutsche Bahn (DB) wird die Ukrainischen Staatsbahnen (US) in den kommenden zehn Jahren technisch und strategisch beraten. Der Deutsche Konzern hat sich da aber eine sehr schwierige Aufgabe auferlegt. Denn in dem osteuropäischen Land grassiert die Korruption. Und gerade die US gelten im Land als besonders korrupt. Es gibt sogar eine besondere Bürgerinitiative, die den Konzern überwacht, um die Entwendung von Staatsvermögen zu verhindern. Mit anderen Worten: Die Deutsche Bahn läuft ins offene Messer.

„Selten war die Lage der Ukrainischen Staatsbahnen in der postsowjetischen Zeit so schlecht. Insbesondere ist der Großteil der Lokomotiven, der Züge und der Waggons und anderer Aktiva in einem kritischen Zustand. Darüber hinaus ist die Qualität der Dienstleistung miserabel. Man muss das Unternehmen unbedingt reformieren“, kommentierte Wolodomyr Datsenko, der Gründer der Bürgerinitiative „Zалізниця без корупції“ (ZBK) – auf Deutsch: „Eine Bahn ohne Korruption“.

Bürgerinitiative klopft den Verantwortlichen auf die Finger

Hintergrund: Datsenko hatte vor Jahren die Organisation aus der Taufe gehoben, um Korruption im Transportwesen an den Pranger zu stellen. Beispielsweise wird die ZBK dann aktiv, wenn in die ukrainischen Bahnen auf einmal intransparente Zahlungen leisten, die in dunklen Kanälen verschwinden. Ein weiteres Problem, das die Aktivisten im Fokus haben, ist der Diebstahl von Konzernvermögen, der dort um sich greift. Bei den Mitgliedern der ZBK handelt es sich Journalisten, Blogger, aber auch um ausgewiesene Bahnexperten, die das ukrainische Transportwesen sehr genau kennen.

Die ukrainischen Bahnen mit ihren rund 3,3 Milliarden Euro Erlös sind deswegen so stark im Fokus der Initiative, weil der Transporteur mit seinen knapp 400.000 Mitarbeitern das größte staatliche Unternehmen ist. Darüber hinaus wickeln die Bahnen fast 80 Prozent des gesamten Transports des Landes ab, das zu den größten in Europa gehört. Diese Quote ist für einen Bahntransporteur ungewöhnlich hoch, weil in den meisten Ländern weltweit der Straßenverkehr dominiert. Nach Angaben der offiziellen Website des Unternehmens liegen die US im Güterverkehr auf dem eurasischen Kontinent an vierter Stelle - hinter den staatlichen Eisenbahnen Chinas, Russlands und Indiens.

Erst zu teuer eingekauft, und dann fließt Geld in dunkle Kanäle ab

Dabei gilt das Unternehmen als „Staat im Staat“, deren Angestellten sich ihre eigenen korrupten Regeln gegeben haben. In den vergangenen Jahren wurden hunderte von Projekten offengelegt, bei denen es darum ging, sich auf Kosten des Staatskonzerns zu bereichern. Die Verluste gehen pro Jahr schätzungsweise in die Millionen-Euro-Höhe.

Dazu gehört beispielsweise ein Vorhaben im Jahr 2017, wo das Unternehmen Produkten zu erhöhten Preisen kaufte, die zudem eine mindere Qualität hatten als andere Waren, die zu diesem Zeitpunkt am Markt waren. Der Schaden, der den Bahnen dadurch allein dadurch entstanden waren, belief sich auf 400 Millionen Hrywnja (etwa 15 Millionen Euro). „Das Geld ist dann in irgendwelche dunklen Kanäle abgeflossen“, berichtet das ukrainische Fachportal „vgoru“.

Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass sich die Deutsche Bahn auf ein äußerst riskantes Auslandsgeschäft einlässt. In den letzten Jahren hat das Unternehmen Milliarden im Ausland verpulvert, wie Bahn-Experte Christian Böttger in einem Interview mit den DWN darlegte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Energiebedarf durch Atomkraft wächst: Nano Nuclear Energy-Aktie könnte in Zukunft wie eine Rakete abheben
04.08.2026

Bei einem Aktienkurs von rund 17 USD könnte Nano Nuclear Energy, Nasdaq-Kürzel NNE, einen bescheidenen Einsatz über Jahrzehnte hinweg in...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Tech-Aktien legen zu, während der Ölpreis wegen US-Iran-Gesprächen sinkt
03.08.2026

Spannung an den Märkten: Erfahren Sie, welche Entwicklungen die Wall Street heute beflügelt haben.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VDI-Ingenieurmonitor: Arbeitslosigkeit unter Ingenieuren erreicht Rekordniveau
03.08.2026

Ingenieure und Informatiker galten lange als besonders gefragt. Doch aktuelle Zahlen zeigen, dass selbst technische Berufe die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Getreideernte droht ein Einbruch, wie er seit Jahrzehnten nicht zu sehen war
03.08.2026

Hitzewellen in Europa, die niedrigsten Prognosen für die Getreideernte in den USA seit 1970 und durch Kriege gestörter Handel treiben die...

DWN
Finanzen
Finanzen Amazon-Aktie auf Rekordhoch: KI-Nachfrage treibt Amazon über Börsenwert von 3 Billionen US-Dollar
03.08.2026

Die Rekordjagd der Tech-Konzerne geht weiter: Die Amazon-Aktie klettert kräftig, der US-Tech-Gigant knackt erstmals die Marke von drei...

DWN
Panorama
Panorama AfD-Verbotsverfahren: Über 1.000 Juristen fordern in offenem Brief AfD-Verbot
03.08.2026

Mehr als 1.000 Juristinnen und Juristen erhöhen den Druck auf die Politik und verlangen ein AfD-Verbotsverfahren. Ein offener Brief sorgt...

DWN
Politik
Politik Rente mit 63 vor dem Aus? Das wären die Folgen
03.08.2026

Kaum ein Thema bewegt Millionen Beschäftigte so sehr wie der frühere Renteneintritt. Die geplanten Reformen könnten das Rentensystem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Schwedens kleinste Mine profitiert vom Goldpreis
03.08.2026

Botnia Gold betreibt eine der kleinsten Gold-Minen Europas. Doch hohe Preise für Gold und Silber haben dem Unternehmen einen starken Start...