„Die Quarantäne-WG“: Wie RTL die Corona-Tragödie ausschlachtet, um Profit zu machen

 

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23.03.2020 19:05  Aktualisiert: 23.03.2020 19:05
RTL strahlt heute die erste Live-Sondersendung seiner neuen Show “Die Quarantäne-WG” aus. Eins dürfte schon jetzt feststehen: Die Corona-Tragödie wird dem Sender hohe Einschaltquoten und dementsprechend stattliche Werbeeinnahmen bescheren. Dass bisher fast 15.500 Menschen dem Virus zum Opfer gefallen sind, ist den Verantwortlichen offensichtlich egal. Die DWN fordern: Die Öffentlichkeit muss eine Debatte um die Einhaltung ethischer Grenzen führen.
„Die Quarantäne-WG“: Wie RTL die Corona-Tragödie ausschlachtet, um Profit zu machen
Das Corona-Virus breitet sich fast überall auf der Welt dramatisch aus. (Grafik: JHU)

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Im Verlauf der Corona-Pandemie sind bisher (Stand: 23. März 2020) fast 15.500 Personen gestorben, während sich fast 355.000 angesteckt haben. Alleine in Deutschland haben sich bisher rund 27.300 Menschen infiziert. 115 davon sind gestorben.

Diese erschreckenden Zahlen - die in den kommenden Wochen voraussichtlich drastisch ansteigen werden - halten die Sender-Verantwortlichen, zwei der beliebtesten Moderatoren des Landes sowie einen vor allem jungen Menschen bekannten Selbstdarsteller nicht davon ab, die Corona-Krise zu instrumentalisieren, um die Einschaltquoten in die Höhe zu treiben und finanziellen Profit zu erzielen.

Heute Abend um 20.15 Uhr startet auf RTL die “Quarantäne-WG”. Der Sender mit Sitz in Köln führt dazu aus: “Günther Jauch, Thomas Gottschalk und Oliver Pocher, der positiv auf Corona getestet wurde, sind vorübergehend zusammengezogen. Natürlich nicht wirklich, sondern virtuell. Sie sind per Video-Chat miteinander verbunden. Gemeinsam tauschen sie sich miteinander aus, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen (...) Die WG möchte wissen: Wie geht es euch? Wie geht ihr mit der Situation um? Könnt ihr dem Ausnahmezustand auch etwas Positives abgewinnen? Sogar die Zuschauer können in den sozialen Medien Fragen stellen – unter dem Hashtag #QuarantäneWG. Außerdem wird in jeder Sendung noch der eine oder andere prominente Überraschungsgast dazugeschaltet". Immerhin: Die Zuschauer dürfen sich zur Sendung äußern, das heißt Kritik üben - wobei das natürlich den Krawallgrad noch steigern dürfte.

Außenstehende wissen nicht, warum gerade Jauch, Gottschalk und Pocher an der Sendung mitwirken. Seltsam ist allerdings, dass es Pocher, der an Corona erkrankt sein soll, stimmungsmäßig blendend geht.

Über Pocher, der seit geraumer Zeit gezielt Menschen in den sozialen Medien attackiert, sagte TV-Journalistin Vanessa Blumhagen: “Es war eine lustige Anfangsidee, aber mittlerweile basht der jeden Tag irgendeinen anderen Influencer (...) Das geht auch extrem unter die Gürtellinie. Oliver Pocher macht im Endeffekt ja auch nichts anderes. Er erweitert seinen Personenkreis, die sich seine Sachen anhören. Er hat immer schön seine Merchandising-Shirts an. Im Endeffekt gehen die Leute dann immer schön zu seinen Live-Shows. [...] Er macht nichts anderes, als damit Geld zu verdienen.”

Ach übrigens, Pocher hatte im Jahr 2009 angeblich auch die Schweinegrippe. Damals titelte die Bild: “Testergebnis bestätigt Befürchtungen - Oliver Pocher hat die Schweinegrippe! Wie gefährlich ist das Virus für seine schwangere Freundin Sandy?”

Damals war Pocher Moderator der “Oliver Pocher Show” auf Sat.1. Er unterließ es natürlich nicht, den Verlauf seiner Schweinegrippe-Erkrankung auf dem Sender in allen Details auszubreiten. Die gesamte PR-Aktion trug den Titel “Das Schweinegrippe-Tagebuch”.

Selbst von einem selbsternannten Comedian mit brachialem Schenkelklopfer-Humor kann man ein Mindestmaß an Anstand erwarten. Von einem 63-jährigen Gewinner des "Medienpreises für Sprachkultur" (Jauch) sowie einem 69-jährigen Akademiker, der mit dem Cicero-Rednerpreis ausgezeichnet wurde (Gottschalk), erst recht.

Wer, wie RTL, eine "Corona"-Show à la “Dschungelcamp” und “Big Brother” ausstrahlt, während weltweit Menschen leiden und sterben, zeigt, dass er moralisch verdorben ist. Sein Handeln ist nicht einfach nur unappetitlich, es ist sittenwidrig.

Wenn der Sender und seine drei Hampelmänner Größe hätten, würden sie die gesamten Einnahmen aus der “Quarantäne-WG” - die Darsteller ihre Gagen und RTL seine Werbe-Erlöse - an Organisationen spenden, die gegen das Corona-Virus kämpfen und Menschenleben nicht instrumentalisieren, sondern retten wollen.

Cüneyt Yilmaz, Redakteur und geopolitischer Analyst, ist Absolvent der Universität Bayreuth/Bayern. Er war im US-Kongress, beim Simon Wiesenthal Center und bei verschiedenen US-amerikanischen Institutionen und Organisationen tätig.


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