Politik

Erdogan: Söldner-General Haftar hat keine politische Zukunft in Libyen

Der türkische Präsident Erdogan hat gesagt, dass der libysche Söldner-General Haftar in der politischen Zukunft Libyens keine Rolle spielen werde. Diese Einsicht könnte sich auch bei den internationalen Unterstützern Haftars durchsetzen.
10.06.2020 14:55
Lesezeit: 1 min
Erdogan: Söldner-General Haftar hat keine politische Zukunft in Libyen
04.06.2020, Türkei, Ankara: Recep Tayyip Erdogan (r), Präsident der Türkei, und Fayiz Al-Sarradsch, Ministerpräsidenten der libyschen Übergangsregierung Government of National Accord (GNA) nehmen an einer gemeinsamen Pressekonferenz teil. (Foto: dpa) Foto: Uncredited

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Dienstag gesagt, dass der Söldner-General Chalifa Haftar keine politische Zukunft in Libyen habe. „Die Siege der libyschen legitimen Truppen haben Haftar in den Wahnsinn getrieben“, zitiert ihn der Libyan Observer. Zuvor hatten die Regierungstruppen Tripolis und weitere Gebiete zurückerobert. Ein Teil seiner Söldner waren geflohen.

Erdogan gab auch bekannt, dass die aktuelle Offensive der libyschen Regierungstruppen mit Unterstützung türkischer Militärs und Drohnen von US-Präsident Donald Trump in einem Telefongespräch gelobt wurde.

Die Offensive werde bis zur Befreiung der Stadt Sirte und des Stützpunktes Jufra fortgesetzt, so Erdogan.

14 Monate nach Beginn ihres Angriffs auf die Hauptstadt Tripolis hatte Haftars selbst ernannte „Libysche Nationalarmee“ (LNA) wichtige Gebiete verloren. Truppen der international anerkannten Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch konnten diese mit Hilfe der Türkei zurückdrängen, die mit Kampfdrohnen, Luftabwehrsystemen und Soldaten militärisch immer stärker in Libyen eingreift. Haftar bekommt dagegen Unterstützung von Russland, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten, so die dpa.

Al-Sarradsch hatte die vorgeschlagene Feuerpause am Sonntagabend bereits indirekt abgelehnt. Dem Kommandeur verbündeter Milizen sagte er zu ihrem Angriff auf Sirte: „Wir werden den von Opfergaben gepflasterten Weg weitergehen.“ Die Kämpfer befanden sich am Montag nach Augenzeugenberichten etwa 30 Kilometer westlich von Sirte, das am Mittelmeer auf halber Strecke zwischen Tripolis und Bengasi liegt.

Dass Russland in Libyen so aktiv ist, kommt nicht unerwartet: Moskau will seinen Einfluss in der Region ausdehnen und versucht das auch mit Diplomatie und Militärhilfe. Gegen russische Interessen kommen andere Staaten im Nahen Osten inzwischen kaum noch an. So will Putin mit seinem Einfluss auf Haftar auch Druck auf den Westen aufbauen, der in Libyen nur eine Nebenrolle spielt. Vermutet wird auch, dass Russland versprochene Energie-, Militär- und Infrastrukturverträge in Milliardenhöhe zurückgewinnen will, die Moskau beim Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 entgangen sind.

Die Türkei will wiederum verhindern, dass Ägypten und die Emirate in Libyen an Einfluss gewinnen. Ankara empfindet beide Staaten als regionale Gegner. Der Türkei geht es aber auch um Interessen im Energiesektor: Ihre Unterstützung der Regierung in Tripolis ist eng verknüpft mit der Hoffnung auf Energiereserven im Mittelmeer.

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