Europa und China sind bereit für einen globalen Goldstandard - Teil 2

 

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27.07.2020 08:00
Seit dem Ende von Bretton Woods streben Europas Zentralbanken einen neuen globalen Goldstandard an, und auch China bereitet sich schon seit Jahrzehnten darauf vor. Lesen Sie in Teil 2, welche Rolle der private Goldbesitz bei den Plänen spielt.
Europa und China sind bereit für einen globalen Goldstandard - Teil 2
Ein Goldbarren mit 500 Gramm lehnt an einem großen Goldbarren mit zwölf Kilo Gewicht. (Foto: dpa)
Foto: Peter Kneffel

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In Teil 1 dieser Serie ging es darum, warum die Entscheidungsträger in Europa schon seit dem Ende von Bretton Woods einen Ersatz für den Dollar vorbereiten und welche ersten konkreten Schritte sie dazu unternahmen. In Teil 2 soll es nun darum gehen, welche Rolle der private Goldbesitz bei diesen Plänen spielt und wo sich der Start des neuen globalen Goldstandards nun endlich ankündigt.

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Die offiziellen Goldreserven der Staaten beziehungsweise ihrer Zentralbanken machen weniger als 20 Prozent der bereits geförderten rund 190.000 Tonnen Gold aus. Die privaten Goldbestände sind also viel größer. Es ist hier allerdings etwas schwieriger zu sagen, wo genau sich letztere befinden. Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass das private Gold in etwa gleichmäßig auf die wichtigen Staaten verteilt ist.

Als die Kommunisten im Jahr 1949 die Macht in China übernahmen, wurde der private Besitz von Gold verboten. Erst seit den 80er Jahren dürfen Chinesen wieder Goldschmuck kaufen. Im Jahr 2002 wurde der chinesische Goldmarkt mit der Einführung der Shanghaier Goldbörse vollständig liberalisiert. Nach und nach hat die Führung in Peking ihre Bürger sogar dazu ermutigt, in Gold zu investieren.

"Die Praxis zeigt, dass der private Goldbesitz eine wirksame Ergänzung zu den nationalen Reserven darstellt und für die nationale finanzielle Sicherheit sehr wichtig ist", sagte 2012 der Präsident der China Gold Association, Sun Zhaoxue, in der führenden akademischen Zeitschrift des Zentralausschusses der Kommunistischen Partei Chinas, Qiushi. "Wir sollten uns dafür einsetzen, 'Gold beim Volk zu lagern'".

Im Jahr 2013 sagte Sun im Wall Street Journal, dass der durchschnittliche Chinese nur 4,5 Gramm Gold besitzt (aktueller Wert etwa 230 Euro). Und weiter: "Das ist weit unter dem weltweiten Durchschnitt von 24 Gramm pro Person." Die chinesische Regierung verfolgt das Ziel, die Menge an privatem Gold pro Kopf zu erhöhen, um China dem weltweiten Durchschnitt anzugleichen.

Damit entspricht Chinas Goldstrategie in Bezug auf den Ausgleich der Reserven der europäischen Goldstrategie, um die es in Teil 1 dieser Serie ging. Aus Untersuchungen des finnischen Goldanalysten Jan Nieuwenhuijs geht hervor, dass die Chinesen im Durchschnitt inzwischen etwa 18 Gramm Gold pro Kopf besitzen, wenn man den privaten und den offiziellen Goldbesitz zusammenfasst.

Goldbesitz entspricht in etwa der Wirtschaftskraft

Zudem gibt es Nieuwenhuijs zufolge eine Korrelation, wenn man in wichtigen Staaten der Welt die Summe aus privatem und offiziellem Goldbesitz pro Kopf mit dem Pro-Kopf-BIP vergleicht. Dies zeigt die folgende Grafik. Der größte Unterschied besteht demnach zwischen China und Indien. China hat im Verhältnis zu seiner Wirtschaftskraft noch relativ wenig Gold pro Kopf, Indien hingegen hat relativ viel.

Der Goldanalyst Jan Nieuwenhuijs erklärt die obige Grafik folgendermaßen: Wenn der Goldpreis bei 10.000 Dollar pro Unze liegen würde, so würde der Goldbesitz jedes Bürgers (privater Goldbesitz plus Anteil an den offiziellen Goldreserven seines Landes) im Durchschnitt in etwa seiner Wirtschaftskraft entsprechen.

China hat bereits in den 70er Jahren damit begonnen, einen massiven eigenen Goldbergbau zu entwickeln. Heute ist das Land der größte Goldproduzent der Welt, und es hat zuletzt auch im Ausland im großen Stil Goldminen aufgekauft. Im Jahr 1979 schufen die Chinesen sogar eine neue Militäreinheit, die sich der Goldexploration widmet. Diese Abteilung der chinesischen Armee existiert bis heute.

Dies zeigt, dass die kommunistische Führung Gold auch nach dem Ende von Bretton Woods stets als strategisch bedeutsam betrachtet hat. Auch die Chinesen gehen offenbar davon aus, dass Goldreserven in der internationalen Finanzwelt künftig wieder eine wichtige Rolle spielen wird, anders als die USA in den 70er Jahren die Welt glauben machen wollten.

Europa bereitet seine Goldreserven auf Systemwechsel vor

Nach der Großen Finanzkrise haben Deutschland, die Niederlande, Ungarn, Polen, die Türkei und Österreich ihr Gold von der Federal Reserve Bank of New York und der Bank of England repatriiert. Damit zeigen diese Länder, dass sie Gold als Reservewährung eine große Bedeutung beimessen und dass ihr Vertrauen in die USA und Großbritannien als Verwahrer geschwunden ist.

Wenn Gold in Handelszentren wie London gelagert wird, so kann es leichter für Swaps und andere Geschäfte verwendet werden. Doch nach Ansicht der Deutschen Bundesbank ist die Lagerung auf heimischem Boden sicherer. Der polnischen Zentralbank zufolge sind Zentralbanken bestrebt, ihre Goldlagerstätten zu diversifizieren, "um geopolitische Risiken zu begrenzen".

Ein weiteres wichtiges Warnsignal ist die Tatsache, dass einige europäische Länder nach der Großen Finanzkrise erhebliche Teile ihrer Goldbarren umgeschmolzen haben, damit sie den Standards der Großhandelsbranche entsprechen (London Good Delivery). Deutschland, Frankreich, Schweden und Polen haben dies offiziell vermeldet. Ihre Goldreserven sind nun für die internationale Abwicklung bereit.

Schon seit dem Jahr 2009 führt die französische Zentralbank eigenen Angaben zufolge ein ehrgeiziges Programm zur Verbesserung der Qualität ihrer Goldreserven durch. Ziel ist es sicherzustellen, dass alle ihre Goldbarren den Standards der London Bullion Market Association (LBMA) entsprechen, damit sie auf dem internationalen Markt gehandelt werden können.

In dieser Hinsicht ist Europa auf einen kommenden Goldstandard viel besser vorbereitet als die USA. Denn der Großteil des amerikanischen Goldes entspricht nicht den geltenden Industriestandards. Zudem haben die europäischen Zentralbanken nach der Finanzkrise damit begonnen, die Stabilität des Goldes hervorzuheben und den privaten Goldbesitz zu fördern.

Europas Zentralbanken raten zum privaten Goldbesitz

Laut dem Präsidenten der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, ist Gold "die Grundlage der Stabilität des internationalen Währungssystems". Die französische Zentralbank erklärt auf ihrer Website, dass Gold "das ultimative Mittel der Wertaufbewahrung" ist. Auch auf der Website der italienischen Zentralbank heißt es, Gold sei "eine ausgezeichnete Absicherung gegen Ungemach".

Ein weiterer guter Grund, "eine große Position in Gold zu halten", ist der italienischen Zentralbank zufolge der Schutz vor hoher Inflation, "da Gold dazu neigt, seinen Wert im Laufe der Zeit zu halten. Außerdem kann Gold im Gegensatz zu ausländischen Währungen nicht abwerten oder abgewertet werden. Gold werde nicht von einer Regierung oder einer Zentralbank ausgegeben und hängt daher nicht von deren Solvenz ab.

Die niederländische Zentralbank sagt auf ihrer Website: "Ein Goldbarren behält immer seinen Wert. [...] Gold ist das perfekte Sparschwein - es ist der Vertrauensanker für das Finanzsystem. Wenn das System zusammenbricht, kann der Goldbestand als Basis dienen, um es wieder aufzubauen."

Diese Äußerungen sind mehr als bemerkenswert. Europas Zentralbanken erklären ganz offen und deutlich, dass Gold der von ihnen ausgegebenen Währung überlegen ist, und raten den Menschen zum Goldbesitz als "das perfekte Sparschwein" und als Schutz gegen "hohe Inflation" und gegen die Möglichkeit eines "Zusammenbruchs des Systems".

Wenn Fiat-Währungen wie Euro, Pfund und Krone sicherer wären als Gold, so würden Europas Zentralbanken den Menschen nicht zum Gold raten. Doch sie bekennen selbst, dass ihr eigenes Papiergeldsystem versagen könnte. All dies passt offensichtlich zu den europäischen Plänen, einen neuen globalen Goldstandard einzuführen.

Auch Asien wendet sich gegen den Dollar

Im April dieses Jahres forderte der Präsident der Shanghaier Goldbörse (SGE) eine neue internationale Währung, um die globale Dominanz des US-Dollars auszugleichen, wie Reuters berichtete. Er sagte: "Die globale Schlagkraft der USA wird abnehmen, während der Status der Europäischen Union und Chinas in globalen Angelegenheiten steigen wird".

Das ökonomische Gefälle zwischen den USA und Europa ist heute viel geringer als 1971. Vor fünfzig Jahren entfielen 59 Prozent der globalen Wirtschaftskraft auf die USA und Westeuropa. Heute liegt der Anteil von USA und Eurozone nur noch bei rund 40 Prozent. Die wirtschaftliche Stärke der größten Machtblöcke - USA, China, Eurozone und Russland - entspricht in etwa ihren relativen offiziellen Goldreserven.

Das Entscheidende an der Grafik ist laut Nieuwenhuijs, dass BIP und Gold reale Dinge sind. Wenn Fiat-Währungen abgewertet werden, um die globale Schuldenlast zu mindern, wird sich an der Verteilung von Gold und BIP nicht viel ändern - trotz der zu erwartenden Verschiebungen in den globalen Lieferketten. Diese Stabilität von Goldreserven und BIP ist für einen Wechsel zu einem gerechten Goldstandard von Vorteil.

Als die USA 1971 das Abkommen von Bretton Woods aufkündigten, war die Verteilung der weltweiten Goldreserven noch höchst ungleich. Laut einem amerikanischen Memo aus dem Jahr 1974 an den späteren Fed-Chef Paul Volcker hatten "acht wohlhabende Länder drei Viertel" der weltweiten Goldreserven, die damaligen Entwicklungsländer hingegen hatten "weniger als 10 Prozent".

Europäische und andere wichtige Staaten steuern offenbar auf ein neues Währungssystem zu, das in irgendeiner Form auf Gold basiert. Der Goldpreis in Dollar würde in einem solchen Szenario deutlich höher sein als heute. Gerade hat der Goldpreis die Marke von 1.800 Dollar überwunden hat und wohl in Kürze neue Allzeithochs erreichen wird.

Die Zeichen deuten schon seit vielen Jahren auf einen Systemwechsel. Zum Beispiel sagte Cheng Siwei, ein chinesischer Politiker und damals Vorsitzender des Internationalen Finanzforums (IFF), im Jahr 2014 auf einer Konferenz: "Die Welt steht heute vor einer Revolution. Es ist unerlässlich, einen neuen globalen Finanzrahmen zu schaffen und neue Regeln zu formulieren."

Auf derselben IFF-Konferenz sagte Jean-Claude Trichet, ehemaliger Präsident der EZB und Co-Vorsitzender des IFF: "Die Weltwirtschaft und das globale Finanzwesen befinden sich an einem Wendepunkt. [...] Neue Regeln sind nicht nur innerhalb der fortgeschrittenen Volkswirtschaften diskutiert worden, sondern auch mit allen Schwellenländern, darunter das wichtigste Schwellenland China".


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