Deutschland

SPD plant, Vorstände ohne Frauen zu verbieten

Die SPD-Pläne sehen vor, dass die Vorstände aller großen Börsenunternehmen Frauen aufnehmen müssen, wenn die Vorstände mehr als drei Mitglieder haben. "Das ist nicht revolutionär, sondern überfällig", so Familienministerin Giffey.
11.09.2020 16:45
Lesezeit: 1 min
SPD plant, Vorstände ohne Frauen zu verbieten
Familienministerin Franziska Giffey (SPD) am Donnerstag auf der Regierungsbank im Deutschen Bundestag. (Foto: dpa) Foto: Bernd von Jutrczenka

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) fordert beim Streitthema Frauen in Führungspositionen eine schnelle Verständigung in der großen Koalition. "Wir müssen uns in der Koalition noch im September einigen, und der Entwurf muss spätestens im Dezember im Kabinett sein, damit der Bundestag das Gesetz noch in dieser Wahlperiode verabschieden kann", sagte die SPD-Politikerin dem Nachrichtenportal "t-online". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe sich schon mehrfach - auch im Bundestag - für mehr Frauen in Führungspositionen und klare Vorgaben ausgesprochen. "Ich hoffe, dass sie ihren Einfluss in den eigenen Reihen geltend macht", sagte Giffey.

Firmen ab einer bestimmten Größe - in der Regel ab 2000 Beschäftigten - müssen seit Anfang 2016 frei werdende Aufsichtsratsposten mit Frauen neubesetzen, bis mindestens ein Frauenanteil von 30 Prozent erreicht ist. Vorgaben zur Besetzung von Vorständen gibt es bisher nicht. Giffey und Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) hatten dazu einen Gesetzentwurf vorgelegt, der liegt aber auf Eis, weil es Widerstand in der Union gibt. Im Koalitionsausschuss war Ende August vereinbart worden, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, um den Konflikt zu entschärfen.

Die SPD-Pläne sehen vor, dass Vorstände großer börsennotierter Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern künftig mit wenigstens einer Frau besetzt sein sollen, wenn diese mehr als drei Mitglieder haben. Das gilt aber nur für Neubesetzungen. "Wir wollen ja nicht, dass Sie einen Vorstand, der gerade Krisenmanagement macht, rauswerfen. Wir wollen nur, dass Sie eine Frau suchen, wenn es um die nächste Neubesetzung geht", sagte Giffey "t-online". "Das ist nicht revolutionär, sondern überfällig."

Der Anteil an Frauen in den Aufsichtsräten großer öffentlicher und privater Unternehmen liegt Studien zufolge bei knapp einem Drittel. In den Top-Positionen des Managements sind Frauen in der Privatwirtschaft zu knapp 11 Prozent vertreten, in öffentlichen Unternehmen liegt der Anteil bei 22 Prozent.

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