Finanzen

Gazprom: Steuer-Querelen ärgern die Aktionäre

Die russischen Börsen sind auch für die deutschen Anleger von besonderem Interesse, weil hier mit Gazprom, Lukoil und Rosneft Unternehmen gelistet sind, die eine gewichtige Bedeutung für die Weltmärkte haben. Derzeit läuft es allerdings nicht sonderlich gut.
24.10.2020 08:07
Lesezeit: 4 min
Gazprom: Steuer-Querelen ärgern die Aktionäre
Der ehemalige Bundeskanzler und Leiter des Rosneft-Aufsichtsrats Gerhard Schröder. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Die fallenden Ölpreise, die Pandemie, die sich immer weiter ausgebreitet hat, und jetzt auch noch ein Streit über neue Steuern und Abgaben, mit denen die russische Regierung insbesondere den Rohstoff-Giganten Gazprom zur Kassen bitten will: Das sind die wesentlichen Faktoren, die derzeit an den russischen Börsen die Szenerie beherrschen. Der russische Index RTS, der als wesentlicher Indikator für den Handelsplatz gilt, hat im vergangenen Jahr einen Rückgang um ein Drittel auf Niveaus um 1.200 Punkte hinnehmen müssen.

Dass sich die russische Börse so schlecht entwickelt hat, entspricht der Performance, die der Großteil der Welt-Handelsplätze in den vergangenen zwölf Monate abgegeben haben. Ein Grund dafür war die Pandemie, die sich in den Ländern in unterschiedlichem Tempo ausgebreitet hat:

So hat auch der EUROSTOXX zehn Prozent abgegeben. Die mächtigen Indizes aus London und Paris FTSE 100 und CAC40 brachen um 20 Prozent beziehungsweise um 15 Prozent ein. Allerdings hat es auch Märkte gegeben, die sich besser entwickelten: Beispielsweise der US-Dow Jones Industrial, der stagnierte, und der deutsche Dax, der sogar leicht um fast drei Prozent zulegte.

RTS bei Marktkapitalisierung noch weit hinter dem Westen

Zur Einordnung: Der RTS verfügt aktuell über eine Marktkapitalisierung von etwa 150 Milliarden Euro. Damit liegt das russische Aktienbarometer zwar noch weit hinter den etablierten Indizes aus dem Westen. So bringt Dow Jones Industrial zwischen sieben und acht Billionen Euro auf die Waage. Und auch der FTSE 100 wird mit 1,7 Billionen Euro gewichtet, während der Dax auf 1,2 Billionen Euro kommt. Doch sind hier wichtige Unternehmen gelistet, die eine weltweite Bedeutung haben wie Gazprom, Lukoil oder Rosneft.

Dabei ist der Gas-Gigant für die gesamte russische Börse von besonderer Wichtigkeit, weil der Konzern im RTS das größte Gewicht hat. Die Aktie krachte um rund 40 auf Werte um 3,70 Euro ein – entwickelte sich also noch schlechter als der Markt. Neben dem fallenden Ölpreis und die ständigen politischen Konflikte um den Bau der Gasleitung „Nordstream 2“ belasten eine neue Diskussion um zusätzliche Steuern und Abgaben den Gas-Koloss.

Und Gazprom eignet sich als Weltmarktführer seiner Branche grundsätzlich dafür besonders gut. Der neueste Vorschlag stammt vom Energieministerium und sieht vor, dass das Unternehmen seinen Aktionären weniger Dividende zahlt. Damit soll ein regionales Gas-Programm finanziert werden. Eine andere Option ist, die Steuern für Gazprom zu reduzieren, die es für die Förderung von Mineralien oder für Immobilien entrichten muss. Bisher hat allerdings das Finanzministerium, das dafür zuständig ist, noch nicht darauf reagiert.

„Die Dividendenpolitik ist Gazprom ist immer sehr wichtig für die Aktionäre“, zitiert das russische Fachportal „BCS-Express.ru“ die Analysten des einheimischen Investmenthauses BCS Global Markets. „Wir glauben zwar nicht, dass das Finanzministerium diesen Vorschlägen zustimmen wird, doch sollte der Markt diese Gefahr ins Kalkül zieht“, betonen die Fachleute.

Hintergrund: Die Ausschüttung der Dividende ist in den vergangenen Jahren durchwachsen verlaufen. So hat der Konzern für 2019 15,24 Rubel (nach aktuellem Kurs: 0,17 Euro) je Anteilsschein gezahlt. Im Vorjahr waren es noch 16,61 Rubel (0,18 Euro) – also rund acht Prozent mehr. 2017 gab es für die Investoren allerdings nur 8,40 Rubel oder 0,09 Euro.

Doch sind die Mittel, die Gazprom möglicherweise für das regionale Gasprogramm aufbringen muss, nicht die einzige Belastung, die unter Umständen auf den Konzern zukommt.

So sucht das russische Finanzministerium seit dem Sommer neue Einnahmen, um den Haushalt zu restrukturieren. Wie die Tageszeitung „Kommersant“ berichtet, muss sie in den kommenden drei Jahren zusätzliche 200 Milliarden Rubel (2,2 Milliarden Euro) eintreiben.

Davon wäre allerdings nicht nur Gazprom betroffen, sondern auch Lukoil und Rosneft. Die Aktien haben sich in den vergangenen zwölf Monaten auch entsprechend entwickelt. Sie brachen um 15 Prozent auf Werte um 4.600 Rubel (etwa 50 Euro) beziehungsweise zehn Prozent auf 380 Rubel (rund vier Euro) ein.

Wie der gesamte Markt performt, dürfte nicht zuletzt davon auch abhängen, wie das russische Finanzministerium die Lasten für die neuen Steuern und Abgaben auf die einzelnen Unternehmen verteilt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Ryanair-Aktie: Keine Gewinnprognose wegen Iran-Krieg
18.05.2026

Ryanair meldet starke Geschäftszahlen und steigende Umsätze, doch beim Ausblick bleibt die Fluggesellschaft überraschend vorsichtig –...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Trump gerät durch die Benzinpreise unter Druck: Greift der US-Präsident auf Bidens Plan zurück?
18.05.2026

Donald Trump gerät durch steigende Benzinpreise in den USA zunehmend unter politischen Druck und prüft nun einen Tankrabatt nach Bidens...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Acht-Stunden-Tag? IW-Chef Hüther fordert flexiblere Arbeitszeiten
18.05.2026

Seit mehr als 100 Jahren gilt in Deutschland der Acht-Stunden-Tag. Nun wird erneut über eine grundlegende Reform des Arbeitszeitgesetzes...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsbau in Deutschland: Hoffnung trotz neuer Risiken
18.05.2026

Nach Monaten der Krise legt der Wohnungsbau in Deutschland wieder zu. Vor allem bei Mehrfamilienhäusern steigen die Genehmigungen kräftig...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kämpft sich nach Kursrutsch zurück: Reicht das?
18.05.2026

Die Rheinmetall-Aktie steht nach deutlichen Verlusten zum Wochenauftakt erneut im Fokus der Anleger. Geopolitische Spannungen den gesamten...

DWN
Politik
Politik AfD-Erfolge alarmieren Extremismusforscher Botsch: AfD-Zustimmung wächst trotz Radikalisierung
18.05.2026

Immer mehr Wähler zeigen Offenheit gegenüber der AfD, obwohl Verfassungsschützer und Forscher vor rechtsextremen Tendenzen warnen....

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreise aktuell: Trumps Iran-Kurs macht Anleger an den Rohstoffmärkten nervös
18.05.2026

Nach einer kurzen Phase der Hoffnung wächst die Angst vor einer neuen Zuspitzung im Nahen Osten. Aussagen von Donald Trump und Warnungen...

DWN
Politik
Politik Nahost-Konflikt: Trump verschärft Ton gegenüber Iran deutlich
18.05.2026

Nach Wochen brüchiger Waffenruhe wächst die Angst vor einer neuen militärischen Eskalation. Donald Trump erhöht den Druck auf den Iran,...