Politik

Oktober 2018: Spahn und US-Sicherheitsberater Bolton sprachen über Epidemien und Bioterror

Im Jahr 2018 wurde Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ins Weiße Haus eingeladen, um mit dem damaligen nationalen Sicherheitsberater John Bolton über Epidemien und Bioterrorismus zu sprechen. „Wir waren uns einig, dass wir in diesen Bereichen mehr Arbeit leisten müssen, um in Krisensituationen schneller reagieren zu können. Das ist auch für die Arbeit unseres Robert-Koch-Instituts wichtig“, teilte Spahn damals mit.
08.01.2021 11:00
Lesezeit: 2 min
Oktober 2018: Spahn und US-Sicherheitsberater Bolton sprachen über Epidemien und Bioterror
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. (Foto: dpa) Foto: Roland Weihrauch

Anfang Oktober 2018 besuchte Jens Spahn den damaligen umstrittenen nationalen Sicherheitsberater des US-Präsidenten, John Bolton, in Washington D.C., um mit ihm über biologische Waffen, Terrorismus und Epidemien zu sprechen, berichtet der englischsprachige Dienst der Deutschen Welle (DW).

„Wir waren uns einig, dass wir in diesen Bereichen mehr Arbeit leisten müssen, um in Krisensituationen schneller reagieren zu können. Das ist auch für die Arbeit unseres Robert-Koch-Instituts wichtig“, zitiert die FAZ Spahn. „Europäische Gesundheitsminister sprechen normalerweise nicht mit amerikanischen nationalen Sicherheitsberatern“, so der James Kirchik des US-Magazins „Tablet“. Die Frankfurter Rundschau wörtlich: „Dass es bei dem Meinungsaustausch nur um den Kampf gegen Ebola und Bioterrorismus ging, scheint schwer vorstellbar.“

Der DW zufolge habe Spahn „exzellente Kontakte in die USA“ und eine sehr freundliche Beziehung zum ehemaligen US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell. Grenells Ehemann Matt Lashey ist Mitgründer der Firma „Treatment Technologies and Insights LLC“. „Treatment Technologies & Insights, LLC (TTI) entwickelt Softwareanwendungen, um Behandlungserfahrungen aufzuzeichnen und Behandlungserkenntnisse bei Patienten mit (…) chronischen Erkrankungen zu generieren“, heißt es auf der Webseite TTI. Über das Verhältnis Spahns zu Grenell berichteten die Westfälischen Nachrichten am 5. Juni 2018: „Gemeinsames Abendessen in Berlin-Mitte, Selfies mit Partnern, eine private Führung durch den Reichstag – während andere deutsche Politiker eher Berührungsängste zum neuen US-Botschafter Richard Grenell haben und SPD-Politiker Martin Schulz sogar die Abberufung verlangt, sucht der amtierende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn offensichtlich dessen Nähe.“

Deutsche Botschaft nicht in Treffen miteinbezogen

Über das Treffen zwischen Bolton und Spahn berichtete der Spiegel: „Unter Berliner Diplomaten hieß es nach SPIEGEL-Informationen nach der Kurzvisite, der Trip habe eher der Profilierung des CDU-Manns denn relevanten Sachgesprächen gedient (…) Das Treffen im Weißen Haus hatte der mit Spahn befreundete US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, angebahnt. Entgegen den Gepflogenheiten wurde die deutsche Botschaft in Washington dabei zunächst nicht einbezogen. Der US-Botschafter avisierte Spahn als aufstrebenden Konservativen, treuen Amerika-Freund und möglichen künftigen Kanzler.“

In einem weiteren Bericht des Blatts heißt es im Zusammenhang mit dem Thema Epidemien und Bioterrorismus, worüber sich Spahn und Bolton in Washington D.C. unterhalten hatten: „Unter den Diplomaten in Berlin wundert man sich, dass dieses Thema bei den regelmäßigen Gesprächen zur Sicherheitskooperation zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland bisher nie auf der Tagesordnung stand.“

Die FR berichtete: „Tatsächlich will Spahn, der in konservativen Kreisen als potenzieller Nachfolger von CDU-Chefin Angela Merkel gehandelt wird, längst das Korsett des Fachpolitikers abstreifen. Als Finanzstaatssekretär kritisierte er das ,Staatsversagen‘ in der Flüchtlingspolitik. Und als Gesundheitsminister lebt er demonstrativ seine transatlantische Leidenschaft aus. ,Wenn man so manchen irritierenden Tweet und die damit verbundene Unbeständigkeit beiseitelässt, haben wir viele gemeinsame Interessen, etwa mit Blick auf China, Nonproliferation oder Stärkung der Nato‘, sagte er der FR. Vor längerer Zeit schon hat sich Spahn für eine Steigerung der deutschen Verteidigungsausgaben ausgesprochen, wie sie auch Trump fordert.“

+++Dieser Artikel erschien erstmals am 14. Oktober 2020+++

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Yuan in Afrika: Wie Peking den Kontinent an sein Finanzsystem bindet
20.07.2026

Der Dollar dominiert die Weltwirtschaft, doch in Afrika baut China längst eine alternative Zahlungsroute für den Yuan auf. Was Handel und...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie stabilisiert sich nach Rückschlag: Aufträge stützen, Analysten bleiben vorsichtiger
20.07.2026

Die Rheinmetall-Aktie ist nach einem turbulenten Juni mit leichten Gewinnen in die neue Börsenwoche gestartet. Neue Aufträge und volle...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kodano: Polnischer Optikriese nimmt Deutschland ins Visier
20.07.2026

Mehr Filialen, künstliche Intelligenz und Gespräche über gleich drei mögliche Übernahmen: Der polnische Optikkonzern Kodano wächst...

DWN
Politik
Politik Analyse: Wenn Putin verzweifelt, müssen wir seine Reaktion wirklich fürchten
20.07.2026

Der Druck auf Russland wächst militärisch und wirtschaftlich. Die Verluste an der Front sind enorm, die Wirtschaft ächzt unter dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen AliExpress: EU verhängt Rekordstrafe gegen chinesischen Online-Marktplatz
20.07.2026

Gefälschte Markenartikel, unsicheres Spielzeug und fragwürdige Kosmetik beschäftigen Europas Behörden seit Jahren. Nun setzt die EU mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Industrie trotzt der Krise: Jetzt entscheidet der Reformkurs
20.07.2026

Deutschlands Wirtschaft sendet überraschend deutliche Lebenszeichen: Industrie und Bau produzieren mehr, während die Inflation...

DWN
Finanzen
Finanzen Europa-Aktien locken mit Dividenden und günstiger Bewertung
20.07.2026

Für Investitionen in europäische Unternehmen sprechen mehrere Argumente: Die Wirtschaft kann sich angesichts der derzeit niedrigen...

DWN
Technologie
Technologie KI-Cyberangriffe: Warum langsame Unternehmen leichte Beute werden
20.07.2026

Cyberangriffe brauchen künftig womöglich nur noch Minuten, Unternehmen für ihre Gegenmaßnahmen dagegen oft Stunden oder Tage. ENISA...