Finanzen

Goldman: Wenn Biden die US-Wahlen gewinnt, explodiert der Silberpreis

Lesezeit: 3 min
21.10.2020 14:00
Im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen am 3. November empfiehlt Goldman Sachs Investoren, sich vom Dollar zu trennen und Silber zu kaufen.
Goldman: Wenn Biden die US-Wahlen gewinnt, explodiert der Silberpreis
Silberbarren (Foto: dpa)
Foto: Horst Ossinger

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Nach Ansicht von Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs sollten Investoren vor den Präsidentschaftswahlen am 3. November den Verkauf des Dollars und den Kauf von Silber in Betracht ziehen. Es bestehe ein wachsendes Risiko für den Dollar, da der Kandidat Joe Biden von der Demokratischen Partei seine Führung in den Wahlumfragen weiter ausgebaut hat.

Bidens Vorsprung in den Umfragen verringert die Chance auf einen unklaren Wahlausgang, so die Goldman-Analysten. "Die große Spanne in den aktuellen Umfragen verringert das Risiko eines verzögerten Wahlergebnisses, und die Aussicht auf kurzfristige Durchbrüche bei den Impfstoffen könnte ein Rückschlag für riskante Anlagen sein", zitiert Kitco aus einer Mitteilung der Goldman-Analysten.

Und weiter: "Wir sehen eine relativ geringe Chance, dass das positivste Ergebnis für den Dollar eintritt, nämlich ein Sieg von Trump in Kombination mit einer echten Impfstoffverzögerung". Hingegen könnte ein Wahlsieg von Joe Biden in Verbindung mit günstigen Nachrichten zu einem Impfstoff den Dollar-Index auf seinen Tiefststand aus dem Jahr 2018 zurückbringen.

Der Dollar-Index fiel damals unter die Marke von 89 Punkten. Im März handelte er vorübergehend deutlich oberhalb von 100 Punkten. Doch in den folgenden Monaten ging der Dollar-Index dann deutlich zurück. Am Mittwoch wurde er sogar wieder unterhalb der Marke von 93 Punkten gehandelt.

Goldman rät zu Leerverkäufen des Dollars gegenüber dem mexikanischen Peso, dem südafrikanischen Rand und der indischen Rupie. Zudem sei es ratsam, den Euro, den kanadischen Dollar und den australischen Dollar gegen den Dollar zu kaufen. Ein schwächerer Dollar wäre auch sehr positiv für Gold und Silber, die nach einem sehr guten im Oktober schwächelten.

In einem weiteren Bericht rät der Goldman-Analyst Mikhail Sprogis zum Kauf von Silber, da das Edelmetall ein "offensichtlicher Nutznießer" einer globalen Bewegung in Richtung Solarenergie sei. Sprogis weist darauf hin, dass Solaranlagen etwa 18 Prozent der industriellen Nachfrage nach Silber ausmachen. Goldmans Basisszenario ist, dass die weltweiten Solaranlagen zwischen 2019 und 2023 um 50 Prozent steigen.

"Mit Silber bei 24 Dollar pro Unze und mit einigen potenziellen solaren Überraschungen nach oben in den kommenden Monaten öffnen wir den Handel wieder", so Sprogis. Zuvor hatte Goldman seine Wetten auf einen steigenden Silberpreis geschlossen, nachdem Silber seit dem Ausverkauf im März um 50 Prozent gestiegen war und im August vorübergehend fast 30 Dollar je Unze erreicht hatte.

Zu den "solaren Überraschungen nach oben", von denen Sprogis spricht, gehören die USA und China, die ihre Pläne für Solaranlagen erweitern. Auch Bidens Plan, in den nächsten fünf Jahren 500 Millionen neue Solarpaneele in den USA zu installieren, könnte zu einem Anstieg der weltweiten Solarinstallationen um 15 Prozent führen.

Wenn die USA und China mit ihren Plänen für neue Solarinstallationen fortfahren, erwartet Goldman einen Anstieg des Silberpeises auf 30 Dollar.

In einem Bericht des Silver Institute Anfang dieses Jahres wurde prognostiziert, dass die globalen Bemühungen zur Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, neue Gesetze zur Senkung der CO2-Emissionen und eine entsprechende Steuerpolitik im nächsten Jahrzehnt zu einer kontinuierlichen Ausweitung von Solaranlagen führen sollte.

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der Weltbank prognostiziert, dass der Verbrauch von Silber in Energietechnologien bis 2050 dramatisch ansteigen und ein Niveau erreichen könnte, das mehr als 50 Prozent des derzeitigen Gesamtverbrauchs an Silber entspricht. Dies wäre der größte Anteil unter allen Nicht-Batterie-Metallen.

Zwar ist Silber längst nicht mehr so extrem billig wie vor einem halben Jahr, nachdem das Gold-Silber-Verhältnis vorübergehend einen Rekordstand um 123:1 erreicht hatte. Doch das Gold-Silber-Verhältnis liegt historisch betrachtet mit aktuell rund 77:1 noch immer relativ hoch, das heißt, dass Silber im Vergleich zu Gold weiterhin unterbewertet ist.

Indes ist die Minenproduktion im Zuge der Corona-Maßnahmen rapide zurückgegangen. Viele größere Minen mussten geschlossen werden. Das Silver Institute erwartet, dass die Minenproduktion ihren seit vier Jahren anhaltenden Rückgang fortsetzen wird. Für dieses Jahr rechnen die Analysten mit einem Rückgang um 7 Prozent. Bereits im vergangenen Jahr war die Produktion um 1,3 Prozent zurückgegangen.

Nach wie vor der größte Treiber für die Edelmetallpreise ist jedoch die Geldpolitik der Federal Reserve. Um Gold und Silber in einen Bärenmarkt zu bringen, müsste die US-Notenbank schon ihre historisch lockere Geldpolitik beenden, sie müsste ihre Bilanz kürzen und die Zinsen anheben. Doch eine solche Entwicklung ist weder unter Trump noch unter Biden auch nur vorstellbar.


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Streit um Rundfunkbeitrag droht Koalition in Sachsen-Anhalt zu sprengen

Wegen der Blockade durch CDU und AfD in Sachsen-Anhalt kann der Rundfunkbeitrag voraussichtlich nicht erhöht werden. Daher droht nun auch...

DWN
Politik
Politik Corona-Ticker: Spahn rechnet mit Impfbeginn um den Jahreswechsel herum

Um den Jahreswechsel sollten die Dosen zur Verfügung stehen, sagte Spahn. Die Impfzentren sollten bereits Mitte Dezember einsatzbereit...

DWN
Politik
Politik Trumps Truppenabzug aus dem Nahen Osten und Afghanistan sorgt für Unbehagen

Donald Trumps Plan, die Stärke der US-Truppen in Afghanistan und im Irak bis zum 15. Januar 2021 auf jeweils 2.500 Mann zu reduzieren,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Streit im Opec-Kartell: Analysten sehen Risiken für den Ölpreis

Zwischen den Ölnationen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ein offener Streit entbrannt. Experten zufolge könnte...

DWN
Finanzen
Finanzen Wirecard-Skandal verändert Dax dauerhaft

Die Deutsche Börse stockt den Dax auf 40 Mitglieder auf. Das ist nur eine Folge der Wirecard-Pleite. Die Zusammensetzung des Dax soll...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bundesregierung präsentiert Zeitplan für Normen und Zertifizierung von künstlicher Intelligenz

Der Einsatz künstlicher Intelligenz verspricht ein gigantisches Wachstum für Deutschland. Jetzt hat die Bundesregierung einen wichtigen...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB erwägt Verlängerung der Krisen-Anleihenkäufe PEPP

Die Europäische Zentralbank prüft derzeit eine Verlängerung ihres Pandemie-Notfallkaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biontech und Pfizer beantragen EU-Zulassung für Corona-Impfstoff

Biontech und Pfizer haben bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur die Zulassung ihres Corona-Impfstoffs beantragt. Sollte die Behörde...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Staaten treiben europäische Bankenunion mit ESM-Reform voran

Die Euro-Staaten haben eine Reform des ESM in die Wege geleitet. Dieser soll künftig als "letzte Verteidigungslinie" bei drohenden...

DWN
Finanzen
Finanzen Robuste China-Daten und Impfstoff-Anträge beflügeln deutsches Leitbarometer

Die deutschen Börsen sind heute Morgen mit Gewinnen in den neuen Tag gestartet. Es gab sehr positive Nachrichten.

DWN
Deutschland
Deutschland Autofahrer tötet zwei Menschen in Fußgängerzone von Trier

Der Fahrer sei festgenommen worden, teilte die Polizei per Twitter am Dienstag mit. Bürgermeister Wolfram Leibe zeigte sich erschüttert:...

DWN
Politik
Politik Wahlbetrug? US-Richter lässt Stimmenzähl-Maschinen in Georgia „einfrieren“

Ein Bezirksrichter im US-Bundesstaat Georgia hat drei Wahlmaschinen „einfrieren“ lassen. Es soll offenbar eine forensische Inspektion...

DWN
Finanzen
Finanzen Nach drei Jahren: Bitcoin steigt auf Rekordhoch

Am Montag überstieg der Bitcoin-Kurs seinen bisherigen Rekordstand vom Dezember 2017. Reißt der Kurs als nächstes die Marke von 20.000...

DWN
Deutschland
Deutschland Finanzminister Scholz: „Ich unterstütze die Arbeit der EZB an einem digitalen Euro voll”

Bundesfinanzminister Scholz konstatiert einen starken Trend hin zu bargeldlosen, digitalisierten Bezahlmöglichkeiten in Europa: „Es gibt...