Politik

In Afrika: Macron wirft Russland und Türkei Stimmungsmache gegen Frankreich vor

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat "ausländischen Kräften wie Russland und der Türkei" vorgeworfen, in Afrika anti-französische Ressentiments zu schüren. Italiens Vizepremier hatte zuvor gesagt: „Wenn wir heute noch Menschen haben, die Afrika verlassen, liegt dies vor allem an mehreren europäischen Ländern wie Frankreich, die die Kolonialisierung Afrikas nicht beendet haben.“
20.11.2020 16:23
Aktualisiert: 20.11.2020 16:23
Lesezeit: 1 min
In Afrika: Macron wirft Russland und Türkei Stimmungsmache gegen Frankreich vor
Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich. (Foto: dpa) Foto: Guillaume Horcajuelo

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat Russland und der Türkei vorgeworfen, anti-französische Ressentiments in Teilen Afrikas zu nähren. Auf die Frage, wie es zu einer Frankreich-kritischen Haltung in einigen frankophonen Ländern Afrikas komme, sagte Macron der Zeitschrift "Jeune Afrique" am Freitag.

"Es ist eine Strategie am Werk, die sich postkolonialer Ressentiments bedient und manchmal von afrikanischen Anführern genutzt wird, aber vor allem von ausländischen Kräften wie Russland und der Türkei", so Macron. Man dürfe in dieser Hinsicht nicht naiv sein. "Viele von denen, die sich laut zu Wort melden, die Videos machen, die in französischsprachigen Medien präsent sind, sind von Russland oder der Türkei korrumpiert."

Die Haltung hat laut Macron aber bereits früher einen gewissen Platz eingenommen. Denn über Jahrzehnte hinweg habe es zwischen Frankreich und afrikanischen Ländern sehr institutionelle Beziehungen zwischen Staatschefs und Firmen gegeben. Er wolle nun eine wahrhaftige Partnerschaft und eine gleichberechtigte Beziehung etablieren, sagte Macron.

"Ich denke, dass es zwischen Frankreich und Afrika eine Liebesgeschichte sein sollte", äußerte sich der Staatschef. Ob man es wolle oder nicht, Frankreich habe einen Teil Afrikas in sich. "Unsere Schicksale sind miteinander verbunden." Man sei Erbe der Geschichte, und es gebe noch Arbeit in Bezug auf die Geschichtsschreibung zu tun. "Aber wir dürfen nicht Gefangene unserer Vergangenheit bleiben", sagte Macron. "Das wäre schrecklich."

Frankreich beutet zahlreiche afrikanische Staaten im Rahmen des Kolonialpakts finanziell und wirtschaftlich aus. Italiens Vizepremier Di Maio meint: „Wenn wir heute noch Menschen haben, die Afrika verlassen, liegt dies vor allem an mehreren europäischen Ländern wie Frankreich, die die Kolonialisierung Afrikas nicht beendet haben.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Sonntagsumfrage: AfD bleibt stärkste Kraft
20.10.2026

Die AfD liegt in der YouGov-Umfrage weiter vorn, während sich bei mehreren Parteien kaum etwas bewegt. Welche Verschiebungen es im...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Traditionsunternehmen Miele: Mittelständler mit Milliarden-Umsatz - Chef stirbt im Alter von 98 Jahren
20.10.2026

Als Hersteller für Haus- und Gewerbegeräte ist Miele weltweit bekannt. In Westfalen wurde das Traditionsunternehmen 1899 gegründet. Als...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Industrie: Rapider Stellenabbau von fast einer halben Million Arbeitsplätze
20.10.2026

Die deutsche Wirtschaft erlebt einen verschärften Strukturwandel: Die Industrie hat seit 2019 knapp eine halbe Million...

DWN
Finanzen
Finanzen Steueroasen und Briefkastenfirmen: Datenträger führt zu 398 Verdachtsfällen in Deutschland
20.10.2026

Ein Datenträger mit mehr als drei Millionen Dateien führt die Ermittler zu 398 Verdachtsfällen in Deutschland. Nun müssen die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Temu und Shein werden teurer: EU kassiert ab November zusätzlich
20.10.2026

Ein paar günstige Produkte aus China bestellen und dabei kräftig sparen? Das könnte sich für deutsche Verbraucher bald weniger lohnen....

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SanDisk und Micron führen Erholung der Chipaktien an, während Großbanken nachgeben
19.10.2026

Verfolgen Sie die entscheidenden Entwicklungen an der Wall Street und entdecken Sie, welche Sektoren die Märkte am Montag bewegten.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bald treffen die Giganten aufeinander: Die Wette auf Indien könnte lukrativer sein als die auf China
19.10.2026

Wenn nur zehn Prozent der Inder, die heute kein Auto besitzen, in den kommenden Jahrzehnten Eigentümer eines Neuwagens würden, sprächen...

DWN
Politik
Politik Steuerzinsen 2027: Nachzahlungen sollen doppelt verzinst werden
19.10.2026

100.000 Euro Steuernachzahlung, zwei volle Zinsjahre: Heute können daraus 3.600 Euro Zinsen werden. Unter dem geplanten neuen Satz wären...