Politik

Im Jemen droht ein massenhafter Hungertod bei Kindern, doch die Welt schaut weg

Im Jemen verschärft sich die Ernährungs-Krise. Es droht ein massenhafter Hungertod. „Wir warnen seit Juli davor, dass der Jemen am Rande einer katastrophalen Krise der Ernährungssicherheit steht“, so UN-Generalsekretär António Guterres.
30.12.2020 15:04
Aktualisiert: 30.12.2020 15:04
Lesezeit: 2 min
Im Jemen droht ein massenhafter Hungertod bei Kindern, doch die Welt schaut weg
Im Jemen sind Millionen Kinder vom Hungertod bedroht. (Foto: dpa) Foto: Mohammed Mohammed

Nach fast sechs Jahren Krieg ist der Jemen nach wie vor die Heimat der größten humanitären Krise der Welt. Millionen sind hungrig und mittellos und mindestens 80 Prozent der Bevölkerung benötigen humanitäre Hilfe oder Schutz. Rund 13,5 Millionen Menschen sind mit schwerer Nahrungsmittelknappheit konfrontiert, und diese Zahl könnte laut International Relief Bodies bis 2021 auf 16,2 Millionen steigen. Der massenhafte Hungertod könnte ab Mitte 2021 zu einer Realität werden.

Die Wirtschaft ist bereits für praktisch alle im Süden lebenden Jemeniten zusammengebrochen, mit Ausnahme der wenigen, die durch die Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten Vorteile haben. Die Sparkonten sind seit langem erschöpft, und bis Ende November wertete der Rial auf ein Allzeittief von 850 YR auf einen einzigen US-Dollar ab, so dass sich der Großteil der Bevölkerung nicht einmal die grundlegendsten Dinge leisten konnte. Obst, Fisch und Fleisch sind zu einem seltenen Gut geworden, von dem die meisten nur träumen können.

In einem IPC-Bericht ( Integrated Food Security Phase Classification ) vom Oktober 2020 über den südlichen Jemen wurde hervorgehoben, wie hoch die akute Unterernährungsrate bei Kindern unter fünf Jahren in einigen Distrikten ist. Die Analyse zeigt einen Anstieg der Fälle von akuter Unterernährung im aktuellen Jahr um fast zehn Prozent. Der größte Anstieg ist bei kleinen Kindern zu verzeichnen, die an schwerer akuter Unterernährung leiden, die um 15,5 Prozent zugenommen hat. Mindestens 98.000 Kinder unter fünf Jahren haben ein hohes Sterberisiko.

UN-Generalsekretär António Guterres hatte zuvor davor gewarnt, dass „der Jemen jetzt in unmittelbarer Gefahr ist, die schlimmste Hungersnot zu erleben, die die Welt seit Jahrzehnten erlebt hat. „Wir warnen seit Juli davor, dass der Jemen am Rande einer katastrophalen Krise der Ernährungssicherheit steht. Wenn der Krieg jetzt nicht endet, nähern wir uns einer irreversiblen Situation und riskieren, eine ganze Generation von Jemens kleinen Kindern zu verlieren “, sagte Lisa Grande im vergangenen Monat. Grande ist als humanitäre Koordinatorin für den Jemen aktiv. „Die Daten, die wir heute veröffentlichen, bestätigen, dass die akute Unterernährung bei Kindern die höchsten Werte erreicht, die wir seit Beginn des Krieges gesehen haben“, fügte sie hinzu. Wenn der Nachweis eines Vorsatzes gegen Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate nachgewiesen könnte, könnte die katastrophale Lage im Jemen als Völkermord gewertet werden.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) bezeichnete die Krise im Jemen auch als „die schlimmste der Welt“. Das WFP teilte in einem Tweet mit, dass Millionen in einem Kreislauf von Konflikten und Hunger gefangen sind. „Der Alltag im Jemen wird für Millionen schwieriger, da sich das Fenster zur Verhinderung einer Hungersnot verengt. Wir müssen jetzt handeln. “

„Wie schon in den beiden Jahren zuvor, ist Jemen das Land mit dem höchsten Risiko einer humanitären Notlage im Jahr 2021, gefolgt von Afghanistan, Syrien, der Demokratischen Republik Kongo und Äthiopien. Außerdem droht laut Bericht in vier der zehn gefährdetsten Ländern eine Hungersnot - darunter etwa Nigeria oder Burkina Faso“, teilt die Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) mit.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neues EU-Grenzsystem EES belastet Flughäfen: Branche warnt vor Verzögerungen
26.04.2026

Das neue EU-Grenzsystem EES sorgt an europäischen Flughäfen für wachsende Unsicherheit im Reiseverkehr und stellt Abläufe zunehmend auf...

DWN
Technologie
Technologie Telekom testet Quantentechnologie: Glasfasernetz in Berlin im Praxiseinsatz
25.04.2026

Ein Berliner Experiment bringt Quanten-Teleportation erstmals über ein Telekom-Glasfasernetz in eine reale Infrastruktur und markiert...

DWN
Politik
Politik Energieanalyst Demostenes Flores: Europa wird beim Iran-Krieg den Preis zahlen
25.04.2026

„Wir befinden uns in einer Art drittem Weltkrieg in Etappen“, warnt der Energieanalyst Demostenes Floros über den aktuellen Konflikt...

DWN
Politik
Politik EU plant Reform der DSGVO: Weniger Bürokratie für Unternehmen
25.04.2026

Die EU will zentrale Digitalregeln wie DSGVO und Cookie-Vorgaben vereinfachen und stärker aufeinander abstimmen. Führt der geplante Umbau...

DWN
Politik
Politik Großzügig, teuer, umstritten: Wie tragfähig ist unser Sozialstaat noch?
25.04.2026

Arbeit soll sich lohnen. So lautet das Versprechen. Doch zwischen Grundsicherung, Arbeitsanreizen und Fachkräftemangel werden die Zweifel...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neues E-Auto von Volkswagen: Cupra Raval im Test
25.04.2026

Der Cupra Raval rückt als günstiges Elektroauto in den Fokus der europäischen Herstellerstrategie. Kann das Modell eine neue...

DWN
Panorama
Panorama 40 Jahre nach Tschernobyl: Die langfristigen Folgen für Deutschland
25.04.2026

Die Nuklearkatastrophe von 1986 wirkt bis heute nach – auch in Deutschland. Doch wie stark ist die Strahlenbelastung 40 Jahre nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Open-XDR gegen Cyberangriffe: Wie Unternehmen den Überblick behalten
25.04.2026

Unternehmen stehen angesichts wachsender Cyberangriffe und komplexer IT-Strukturen vor der Herausforderung, Sicherheitsrisiken schneller...