Weltwirtschaft

Corona-Prognose: Der „IMF Coin“ wird die neue Leitwährung der Welt

Lesezeit: 4 min
13.01.2021 17:46  Aktualisiert: 13.01.2021 17:46
Nach der Corona-Krise wird der „IMF Coin“ die neue Leitwährung der kommenden Epoche. Er wird voraussichtlich an den US-Dollar gekoppelt sein. Doch um dieses Ziel zu erreichen, muss zunächst das weltweite Fiat-Geld in Form von Krediten vernichtet werden.
Corona-Prognose: Der „IMF Coin“ wird die neue Leitwährung der Welt
Das Logo des IWF. (Foto: dpa)
Foto: Jim Lo Scalzo

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Der Vorstand des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat sich bereit erklärt, das mittelfristige Ziel für die Vorsorgereserven des Fonds anzuheben, da die finanziellen Risiken seit 2018 stark gestiegen sind. Die 24 Exekutivdirektoren des Fonds erhöhten das Ziel von 20 Milliarden SDR (Sonderziehungsrechte) oder 29 Milliarden US-Dollar auf 25 Milliarden SDR oder rund 36 Milliarden US-Dollar nach einer regelmäßigen halbjährlichen Überprüfung Ende Oktober 2020. SDR sind die eigene Währungseinheit des IWF. Die Überprüfung, die um einige Monate verzögert wurde, um eine Bewertung der Auswirkungen der Corona-Pandemie zu ermöglichen, ergab einen signifikanten Anstieg des Kreditrisikos und des damit verbundenen Risikos des Fonds seit der letzten Überprüfung im Jahr 2018.

„Die ausstehenden Kredite haben sich fast verdoppelt, einschließlich eines Anstiegs der Notfallfinanzierung ohne Auflagen, und die Verpflichtungen im Rahmen von Vorsichtsmaßnahmen sind höher als bei der letzten Überprüfung“, so der IWF. Das derzeitige Ziel für Vorsorgesalden in Höhe von 20 Milliarden SDR dürfte in diesem und im nächsten Geschäftsjahr ebenfalls unter den indikativen Bereich fallen, so der englischsprachige Dienst der Nachrichtenagentur Reuters. Angesichts dieser Entwicklungen einigten sich die Direktoren darauf, die Mindestuntergrenze für Vorsorgesalden - einschließlich allgemeiner und spezieller Reserven sowie eines speziellen Kontingentkontos - bei 15 Milliarden SDR zu halten und das mittelfristige Ziel auf 25 Milliarden SDR anzuheben, während die Situation weiterhin sorgfältig überwacht wird. Der Wert des SDR basiert auf einem Korb mit fünf Währungen - dem US-Dollar, dem Euro, dem chinesischen Renminbi, dem japanischen Yen und dem britischen Pfund.

Der IWF treibt seine Pläne voran, eine echte globale Währung anzubieten. Dabei könnte der SDR durch die Einführung eines digitalen „IMF Coins“ aufgewertet werden. Dies liegt daran, dass eine digitale Währung den US-Dollar als Reservewährung bei internationalen Handelsgeschäften ersetzen würde. „Der SDR des IWF ist eine Form von ,Weltgeld‘, das 1969 als Alternative zum US-Dollar geschaffen wurde, für den Fall, dass der Dollar irgendwie versagt (…) Sie wurde von 1970 bis 1980 mehrmals ausgegeben, aber dann gab es fast 30 Jahre lang keine Emissionen mehr, bis August 2009, als Reaktion auf die letzte Finanzkrise“, so das Portal „Connectiv Events“.

Die neue Weltleitwährung wird „IMF Coin“ heißen

Um den „IMF Coin“ als Weltleitwährung einzuführen, wird eine Konferenz benötigt, die der Bretton-Woods-Konferenz gleicht, die am 23. Juli 1944 stattfand. „Bretton Woods wird das im Juli 1944 von 44 Nationen beschlossene System fester Wechselkurse bezeichnet, welches Goldparitäten und die volle Konvertibilität des US-Dollar als Leitwährung vorsah. Ziel des Abkommens war es nach dem zweiten Weltkrieg den internationalen Handel durch geordnete Währungsbeziehungen anzukurbeln. 1973 wurde das Abkommen außer Kraft gesetzt“, so das Bundesfinanzministerium. Im selben Jahr wurden die Wechselkurse in den USA freigegeben, nachdem im Jahr 1971 US-Präsident Nixon die Bindung des Dollars an Gold aufgegeben hatte.

Angesichts der Auswirkungen der Pandemie ist eine „neue Technologie- und Verwaltungsstruktur notwendig, um ein ausgedientes System aufzuwerten“, führt „Connectiv Events“ aus. Derzeit sind die SDR nicht mit Gold, sondern mit den Währungen mehrerer Staaten hinterlegt.

Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass in den kommenden zwei Jahren ein digitaler „IMF Coin“ (auch „SDR Coin“ genannt), der durch Gold gedeckt sein könnte, als neue Weltleitwährung eingeführt wird. Das Verhältnis zwischen den anstehenden weltweiten Insolvenzen und einer möglichen Einführung des „IMF Coins“ sollte in diesem Zusammenhang genau beobachtet werden. Allerdings sollte auch verstanden werden, dass es nicht zur Abschaffung des US-Dollars kommen wird. Stattdessen könnte voraussichtlich ein durch Gold gedeckter US-Dollar zum Einsatz kommen. Der „IMF Coin“ könnte dann an diesen goldgedeckten Dollar gebunden sein, um seine Rolle als digitale Leitwährung einzunehmen. Alle anderen digitalen Währungen der internationalen Notenbanken müssten dann an den „IMF Coin“ gekoppelt werden. Während die Umsetzung des digitalen „IMF Coins“ als Leitwährung sehr wahrscheinlich ist, ist die Frage um die Golddeckung jedoch umstritten.

US-Präsident Donald Trump wollte eine freie Position im Direktorium der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) mit der Ökonomin Judy Shelton besetzen. Doch die Republikaner verfehlten im November 2020 in der Parlamentskammer knapp die nötige Mehrheit, um die nominierte Shelton voranzubringen. Mit einem Verfahrenstrick ermöglichte der republikanische Mehrheitsführer Mitch McConnell aber eine erneute Abstimmung zu einem späteren Zeitpunkt. Shelton ist eine Befürworterin des Goldstandards mit einem Kryptowährungs-Bezug. In einem Interview mit „Gold Telegraph“ sagte sie: „Ich mag die Idee eines Goldstandards - er könnte auf eine sehr kryptowährungsbezogene Weise verwendet werden. Der Punkt ist, haben Sie ein einheitliches Geldsystem, so dass, wenn Sie über den internationalen Markt sprechen, alle unter gleichen monetären Wettbewerbsbedingungen spielen?“ Eine erneute Abstimmung über das politische Schicksal Sheltons wird bald stattfinden.

Sobald der „IMF Coin“ zum Einsatz kommt, wird er voraussichtlich in wenigen Jahren alle anderen weltweiten Währungen übertrumpfen und ersetzen. „Ich bin überzeugt, dass der IWF in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle spielt. Der Fonds muss jedoch auch offen für Veränderungen sein, von der Einbeziehung neuer Parteien an den Tisch bis hin zur Prüfung einer Rolle für eine digitale Version des SDR“, hatte die damalige IWF-Chefin Christine Lagarde im Jahr 2017 gesagt.

Um dieses Ziel zu erreichen, müsste folgende Aktion stattfinden: Die weltweit aufgeblähten Kreditgelder müssten durch zahlreiche Insolvenzen vernichtet werden (HIER). Denn Insolvenzen führen zwangsläufig zu notleidenden Krediten bei den Banken, die nicht mehr bedient werden können. Nur dann wäre es möglich, eine neue digitale Leitwährung, die möglicherweise durch Gold gedeckt wäre, in Form eines „IMF Coins“ einzuführen. In gewisser Weise muss das Alte sterben, damit das Neue eingeführt werden kann. Eine erneute staatliche Rettung der Banken dürfte dann allerdings nicht erfolgen. Aktuell wird Fiat-Geld produziert, um (angeblich) Insolvenzen zu verhindern – seit März 2020 massiver als je zuvor. Das Fiat-Geld wirkt sich positiv auf die Börsen-Kurse aus – zumindest noch. Doch es kann nicht unendlich produziert werden, zumal es am Ende immer zu einer Inflation und/oder Hyper-Inflation führt. Diese große Fiat-Blase muss oder soll am Ende platzen.

Die neue US-Finanzministerin Janet Yellen hatte zuvor angedeutet, dass sie sich künftig nicht mehr auf Fiat-Geld, das von den Notenbanken in Umlauf gebracht wird, verlassen will. Sollte sie ihr Vorhaben durchsetzen, würde es früher oder später zu einem großen Börsen-Krach kommen (HIER). Ein derartiges Ereignis würde die ohnehin absehbare Insolvenz-Welle weltweit verstärken („schöpferische Zerstörung“). Die Welt steuert auf eine große Finanz- und Bankenkrise zu, die viele Regierungen in große Schwierigkeiten bringen wird. Die Geburtswehen werden schwere Unruhen, Verwerfungen und Staatskrisen nach sich ziehen (HIER). Doch die Welt wird anschließend in ein neues Finanz-Zeitalter eintreten.

Kurzum: Der US-Dollar wird mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch weiterhin die Weltleitwährung bleiben. Allerdings über einen Umweg in Form eines digitalen „IMF Coins“ – und zwar direkt nach der Pandemie.

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Cüneyt Yilmaz ist Absolvent der oberfränkischen Universität Bayreuth. Er lebt und arbeitet in Berlin.


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