Deutschland

Auffällige Stille bei Deutschlands Eliten um das pädo-kriminelle Netzwerk „Bergisch Gladbach“

Beim Kindesmissbrauch-Komplex „Bergisch Gladbach“ handelt es sich um ein pädokriminelles Netzwerk mit Schwerpunkt im deutschsprachigen Raum. Doch die deutschen Eliten in Politik und Wirtschaft haben offenbar kein Interesse an diesem Jahrhundert-Skandal.
11.03.2021 18:40
Aktualisiert: 11.03.2021 18:40
Lesezeit: 1 min
Auffällige Stille bei Deutschlands Eliten um das pädo-kriminelle Netzwerk „Bergisch Gladbach“
Eine Polizeibeamtin trägt am 19.05.2011 in Frankfurt am Main (Hessen) am Rande von Spurensicherungsmaßnahmen ihre Dienstwaffe am Gürtel. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Am 29. Juli 2020 hat der Justizminister von Nordrhein-Westfalen, Peter Biesenbach, im Rahmen einer Pressekonferenz zum Missbrauchskomplex „Bergisch Gladbach“ mitgeteilt, dass Tarnnamen und Spuren, die auf mehr als 30.000 Verdächtige deuten könnten, identifiziert worden sind. Zur Struktur des Netzwerkes sagte Biesenbach: „Es handele sich um internationale pädokriminelle Netzwerke mit Schwerpunkt im deutschsprachigen Raum. In Gruppenchats mit Tausenden Nutzern und in Messengerdiensten gingen die Täter wie selbstverständlich mit ihren Missbrauchstaten um, heizten sich an und gäben sich Tipps, etwa, welche Beruhigungsmittel man Kindern am besten verabreiche, um sie sexuell zu misshandeln. „Wer zögert, wird von den anderen ermutigt und bedrängt, seine Absichten in die Tat umzusetzen“, berichtete Biesenbach. In diesen Chats würden auch Verabredungen zum Missbrauch mehrerer Täter an einem Kind getroffen. Der „Tagesspiegel“ berichtete: „,Neue Dimension des Tatgeschehens“ – Mehr als 30.000 Verdächtige im Pädophilen-Fall Bergisch Gladbach.“

Die „Tagesschau“ relativierte: „Doch später stellte sich heraus, dass es sich nicht zweifelsfrei um 30.000 Tatverdächtige handelt, sondern um Datenspuren wie IP-Adressen. Es könnte also sein, dass ein Täter mit mehreren Geräten und/oder IP-Adressen operiert hat. Hinter 30.000 Spuren könnten sich also bedeutend weniger Täter verbergen. Bislang identifiziert wurden seit Oktober 2019 bundesweit 72 Verdächtige.“

Mehr zum Thema: „Original Play“ sofort verbieten: Wie in Deutschlands Kitas Kindesmissbrauch gefördert wird

Bis Mitte August 2020 wurden 87 Verdächtige identifiziert. Auffällig ist, dass danach das mediale und politische Interesse an der Aufklärung dieses Jahrhundert-Falles nachgelassen hat. Die Polizei hatte im Januar 2021 im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach nach eigenen Angaben 330 Beschuldigte identifiziert. Sieben Personen sitzen in Untersuchungshaft, es gibt elf Anklagen und zehn Urteile. Im vergangenen Oktober wurde in Köln ein 43-Jähriger zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Der Mann aus Bergisch Gladbach gilt als Schlüsselfigur in dem Netzwerk.

Die Funde der Behörden könnten nur die Spitze des Eisbergs bilden. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass Zirkel der deutschen Wirtschafts- und Politeliten ebenfalls verstrickt sind in diese gruselige Affäre (HIER). Präzedenzfälle gibt es bereits. Frankreich ist seit Jahresbeginn mit einer beispiellosen Welle an Missbrauchs-Klagen konfrontiert. Immer mehr Prominente stehen unter Verdacht (HIER).

Mehr zum Thema:

Pädophilie-Skandal: US-Bezirksrichterin lässt Namen von Bill Clinton und anderen Prominenten schwärzen

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Politik
Politik Wie gewinnt man den nächsten Krieg? Ex-US-Verteidigungsminister Austin erläutert in Warschau die NATO-Strategie
14.10.2026

Der pensionierte General Lloyd Austin, der unter Präsident Joe Biden US-Verteidigungsminister war, hat beim Warsaw Security Forum die...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Nach US-Inflationsschub blicken Anleger auf die Fed
14.10.2026

Der Goldpreis tendiert am Mittwochnachmittag in der Verlustzone, weil höhere US-Verbraucherpreise die Hoffnung auf eine Zinssenkung...

DWN
Politik
Politik Trumps Vereinbarung mit Putin dreht sich um weit mehr als Diesel
14.10.2026

Donald Trumps Diesel-Abkommen mit Wladimir Putin wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: US-Gesetze begrenzen russische...

DWN
Technologie
Technologie Starlink in der Ukraine: Streit um neue Geschwindigkeitsgrenze
14.10.2026

In der Ukraine wächst der Ärger über eine offenbar neue Einschränkung beim Satelliteninternet Starlink. Nach Angaben aus dem Umfeld von...

DWN
Politik
Politik Zuckersteuer beschlossen: Kabinett bringt Extra-Steuer auf den Weg
14.10.2026

Zwischendurch hatte das Kanzleramt sie gestoppt, das Finanzministerium musste nacharbeiten - jetzt ist die Zuckersteuer in der...

DWN
Politik
Politik Grüngasquote für private Haushalte ab 2028 sorgt für Kritik
14.10.2026

Die schwarz-rote Koalition hatte sich bei der Einigung auf das neue Gebäudemodernisierungsgesetz - als Nachfolger des...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Prognose: Warum die nächsten Tage alles verändern könnten
14.10.2026

Bitcoin steht vor einer entscheidenden Bewährungsprobe. Nach massiven Kapitalabflüssen aus Bitcoin-ETFs und einem Kursrutsch auf nahezu...

DWN
Finanzen
Finanzen Sollte ich US-Banken kaufen? Warum ich Citigroup und Wells Fargo genauer prüfe
14.10.2026

Nach der starken Rally ist bei US-Bankaktien Ernüchterung eingekehrt. Gleichzeitig steigen die Gewinne vieler Institute weiter. Für mich...