Deutschland

Auftragsrekord für Baubranche: Warnung vor Immobilienblase

Niemals hat die deutsche Baubranche so viele Neuaufträge in einem Februar erhalten wie dieses Jahr. Forscher sehen in der Entwicklung eine Immobilienblase.
23.04.2021 09:31
Aktualisiert: 23.04.2021 09:31
Lesezeit: 1 min

Die Aufträge für das deutsche Bauhauptgewerbe sind im Februar so hoch ausgefallen wie noch nie in diesem Monat. Sie summierten sich auf rund 7,1 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das waren 7,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor "und damit der höchste jemals gemessene Wert an Neuaufträgen in einem Februar in Deutschland". Inflations-, saison- und kalenderbereinigt gab es hingegen gemessen am Vormonat einen Rückgang um 3,7 Prozent.

Die Baubranche hat sich im Corona-Jahr 2020 als Konjunkturstütze erwiesen. Niedrige Zinsen und der anhaltende Bedarf an Wohnungen stützen die Nachfrage.

Die Auftragsentwicklung lasse für die kommenden Monate eine anziehende Bauproduktion erwarten, erklärte der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB). So seien die Aufträge im Wohnungsbau zuletzt um fast zehn Prozent und im öffentlichen Bau um gut zehn Prozent gestiegen. Auch im Wirtschaftshochbau hab es positive Signale gegeben. "Ob das eine nachhaltige Belebung ankündigt, werden wir in den kommenden Monaten sehen", sagte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa.

Unterdessen warnen Forscher vor einer Blasengefahr auf dem Immobilienmarkt. Das Rückschlagpotenzial sei im ersten Quartal dieses Jahres in den größten sieben Städten Deutschlands auf 46 Prozent gestiegen, bundesweit auf 28 Prozent, wie das "Handelsblatt" aus einer Analyse des Marktforschungsinstituts Empirica zitiert.

"Selbstverständlich haben wir eine Immobilienblase", sagte Empirica-Chef Reiner Braun. Kaufpreise für Eigentumswohnungen, die mehr als zehn Jahreseinkommen in den Top-7-Städten kosten, seien dauerhaft nicht zu erzielen. Entweder die Einkommen stiegen drastisch oder die Preise würden irgendwann fallen. "Angesichts der deutschen Exportabhängigkeit und ungelöster Strukturprobleme sind Einkommenszuwächse auf breiter Front aber eher unwahrscheinlich", warnte der Experte.

Mehr zum Thema: Inflation im Anmarsch: Bauindustrie kündigt steigende Preise an

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stellenabbau: Autoindustrie streicht so viele Jobs wie nie
14.08.2026

Deutschlands Autoindustrie galt lange als verlässlicher Beschäftigungsmotor. Doch inzwischen geraten Hersteller und Zulieferer immer...

DWN
Politik
Politik Wirtschaftsministerin Reiche sieht Positives bei Reformplänen für Emissionshandel
14.08.2026

Der europäische Emissionshandel soll reformiert werden. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erkennt in den Vorschlägen aus Brüssel...

DWN
Politik
Politik Luftalarm in Lettland: Eurofighter greifen ein und schießen Drohne ab
14.08.2026

Mitten in der Nacht wird über Lettland eine ausländische Drohne entdeckt und schließlich abgeschossen. Der Vorfall reiht sich in eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Talanx-Aktie: Versicherer hebt nach Rekordgewinn im ersten Halbjahr Gewinnprognose an
14.08.2026

Nach dem ersten Halbjahr setzt Talanx die Messlatte höher: Der Gewinn erreicht einen Rekord, auch weil die Belastung durch Großschäden...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (08/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen
14.08.2026

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dürre zwingt Bauern zum Schlachten
14.08.2026

Wartelisten bei Schlachthöfen, Futtermangel und Stress für die Tiere selbst: Die Hitze wird zu einer schweren Belastung für die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bodendrohne Wilk soll Europas Rüstungslücke schließen und NATO-Armeen erobern
14.08.2026

Die Bodendrohne Wilk soll Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg in ein europäisches Geschäftsmodell verwandeln. Stohid Technology setzt auf...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Sandisk und SK Hynix unter den zulegenden Chip-Aktien, während S&P 500 Rekordhoch erreicht
13.08.2026

Spannung an den US-Börsen: Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Märkte am Donnerstag bewegten.