Deutschland

Koalition dringt auf strengere Regeln für Nahrungsergänzungsmittel

Packungen mit Magnesium oder Eisen füllen in Supermärkten inzwischen lange Regale. Doch der Nutzen der Dragees und Tabletten steht in der Kritik, auch bei Online-Offerten. Es gibt Druck für schärfere Regeln.
28.04.2021 10:39
Lesezeit: 1 min

Die schwarz-rote Koalition dringt auf strengere EU-weite Vorgaben für Nahrungsergänzungsmittel wie Kapseln oder Tabletten. In zu hoher Dosierung könne die Zufuhr bestimmter Vitamine und Mineralstoffe gesundheitsschädigend sein, heißt es in einem Antrag der Regierungsfraktionen von Union und SPD im Bundestag. Daher sei es ein wichtiger Fortschritt, dass Arbeiten für EU-weite Regeln zu Höchstmengen vor kurzem wieder aufgenommen worden seien. Nötig sei dies auch für Produkte wie Säfte, Cornflakes oder Milchmischgetränke, die mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind. Der Bundestag solle die Bundesregierung auffordern, sich hierzu aktiv einzubringen.

Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) sagte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, die Gesundheit der Verbraucher zu schützen, stehe für sie an erster Stelle. Dafür seien klare und verbindliche europäische Regeln für Nahrungsergänzungsmittel nötig - und diese Festlegung sei überfällig. «Um Rechtssicherheit sowie eine effektive Überwachung und Kontrolle zu gewährleisten, brauchen wir Einheitlichkeit im Binnenmarkt, keinen Flickenteppich.» Klöckner hob hervor, dass die zuständige EU-Kommissarin eine entsprechende deutsche Initiative dazu aufgegriffen habe. «Wir haben die klare Erwartung, dass das weiter vorangetrieben wird.»

Union und SPD kritisieren in dem Antrag auch Angebote im Internet, die sich als «besonders problematisch» erwiesen hätten. In der Coronakrise hätten unseriöse Anbieter auch Produkte mit «verbotenen Wirkversprechen zu Covid-19 angepriesen». Teils würden sie ohne die vorgeschriebene Anzeige beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit vermarktet. Hier müsse noch mehr geschehen, indem auch Online-Angebote in gleicher Weise kontrolliert würden wie Angebote in Apotheken, Drogerien und Supermärkten.

Die Bundesregierung solle zudem die Aufklärungsarbeit intensivieren und dabei wichtige Multiplikatoren wie Kinderärzte und Jugendtrainer ansprechen. Zudem bestehe Forschungsbedarf zu Nährstoffversorgung und Nahrungsergänzungsmitteln insbesondere für Risikogruppen wie Kinder, Schwangere, Stillende und Senioren.

Auch Verbraucherschützer fordern seit längerem strengere Regeln. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen verlangte neben Höchstmengen zu Vitaminen und Mineralstoffen auch eine «Positivliste» nicht gesundheitsschädlicher Inhaltsstoffe für Präparate auf pflanzlicher Basis. Generell gelten Nahrungsergänzungsmittel als Lebensmittel und nicht als Medikamente mit speziellen eigenen Zulassungsregeln.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Technologie
Technologie Schwarz-Gruppe baut riesiges Rechenzentrum bei Rostock
27.08.2026

5,6 Milliarden Euro für Daten, Server und digitale Unabhängigkeit: Die Schwarz-Gruppe plant bei Rostock eines der größten Rechenzentren...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Depot vor dem Aus: Alle Verträge werden gekündigt
27.08.2026

Depot stellt den Geschäftsbetrieb ein und kündigt sämtliche Arbeits- und Mietverträge – doch die bekannte Deko-Marke soll...

DWN
Politik
Politik "Putins Krieg ist ein grandioses strategisches Scheitern", sagt der schwedische Ex-Ministerpräsident Carl Bildt
27.08.2026

Russland intensiviert seine Raketenangriffe, und die Ukraine bereitet sich auf einen fünften Kriegswinter vor. Russland scheitert – doch...

DWN
Finanzen
Finanzen Start Bundesliga: So viel TV-Geld bekommen die Fußball-Bundesligisten
27.08.2026

Bayern erhält mehr als 92 Millionen Euro aus den Medien-Einnahmen, Elversberg rund 31 Millionen: Die Bundesliga-Clubs starten mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Geisterflotten bedrohen die Autoriesen: „Sie können nicht mithalten“
27.08.2026

Die Welt wird mit chinesischen Elektroautos überschwemmt, und immer mehr davon bleiben unverkauft. Riesige Geisterflotten drohen nun,...

DWN
Finanzen
Finanzen Nvidia-Aktie fällt trotz starker Quartalszahlen – und dreht dann ins Plus: Die Gründe für die Achterbahnfahrt
26.08.2026

Nvidia hat die hohen Erwartungen der Wall Street erneut übertroffen. Dennoch geriet die Nvidia-Aktie nachbörslich unter Druck. Steigende...

DWN
Finanzen
Finanzen Salesforce-Aktie steigt: KI treibt Wachstum, Salesforce-Zahlen überzeugen die Investoren
26.08.2026

Künstliche Intelligenz entwickelt sich für Salesforce zunehmend zum Wachstumsmotor. Nach einem starken Quartal hebt der Softwarekonzern...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Konjunkturdaten versetzen Anleger wegen Zinserhöhung bis Jahresende in Alarmbereitschaft
26.08.2026

Zinsängste belasten die Märkte – doch spannende Entwicklungen bei Tech-Giganten und Einzelwerten sorgen für Überraschungen.