Wirtschaft

Brüchige Lieferketten: Japan will riesige Treibstoff-Reserven in Südostasien aufbauen

Die japanische Regierung will zusammen mit Partnern in Ostasien riesige Treibstofflager aufbauen.
28.04.2021 13:58
Lesezeit: 1 min

Die japanische Regierung will in mehreren südostasiatischen Ländern bedeutende strategische Treibstoff-Lager aufbauen. Wie die Financial Times unter Verweis auf einen namentlich nicht genannten japanischen Regierungsmitarbeiter berichtet, will Tokio in einem ersten Schritt mit Vietnam einen Vertrag zum Tausch von Erdöl aushandeln.

Dem Regierungsmitarbeiter zufolge zielt das Vorhaben Japans darauf ab, in Südostasien produzierende japanische Unternehmen im Falle eines Bruchs der internationalen Energie-Lieferketten für eine bestimmte Zeit mit wichtigen Treibstoffen wie Benzin, Diesel oder Mineralöl versorgen zu können.

Konkret dürfte es sich um ein Szenario handeln, in dem die Produzentenländer des Nahen Ostens den Export von Rohöl nach Ostasien aus welchen Gründen auch immer einstellen. Sowohl Japan als auch die meisten Länder Südostasiens sind in hohem Maße von fossilen Energieimporten aus Arabien abhängig.

Neben Vietnam will Japan auch Kontakt zu anderen südostasiatischen Ländern wie Thailand, Indonesien und Malaysia aufnehmen, um Tausch-Verträge und den Aufbau strategischer Reserven zu realisieren, so die Quelle.

Japan erwartet Störung der globalen Lieferketten

Die FT berichtet weiter, dass das japanische Staatsunternehmen Japan Oil, Gas and Metals National Corp (Jogmec) im vergangenen Monat an einem Treffen der Internationalen Energieagentur mit den Asean-Staaten teilgenommen hatte. Dort sollen die Jogmec-Repräsentanten die Bedeutung strategischer Treibstoff-Reserven erklärt haben. Denn während Japan über umfangreiche Reserven verfügt, um die Wirtschaft und die Bürger des Landes notfalls für etwa 200 Tage ohne Energie-Importe versorgen zu können, verfügen die meisten südostasiatischen Staaten nur über vergleichsweise kleine Bestände, die im Ernstfall nach ein bis zwei Monaten aufgebraucht wären.

Im vergangenen Dezember hatte Tokio mit dem Golfemirat Kuwait zudem den Aufbau einer strategischen Rohöl-Reserve in Japan beschlossen, welche auch Drittstaaten zugänglich gemacht werden solle, wenn Kuwait und Japan keine Einwände dagegen hätten.

Die Vorstöße der japanischen Regierung sind als vorbeugende Maßnahme gegen Brüche in den weltweiten Lieferketten zu verstehen. Zuletzt hatte die mehrtägige Blockade des Suez-Kanals den Welthandel immens beeinträchtigt. Zudem traten in der Vergangenheit im Zuge der Corona-Pandemie teilweise schwerwiegende Lieferengpässe bei Halbleiterprodukten, Grundnahrungsmitteln und Industrierohstoffen auf.

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