Finanzen

„Fan-Token“: Europas Top-Clubs führen Kryptowährungen ein

Lesezeit: 2 min
16.06.2021 13:58  Aktualisiert: 16.06.2021 13:58
Auf ihrer Suche nach Alternativen haben einige Vereine wie Manchester City, AC Mailand oder die Glasgow Rangers Kryptowährungen entdeckt - sogenannte Fan-Token, die wie Bitcoin oder Ethereum an speziellen Börsen gehandelt werden können
„Fan-Token“: Europas Top-Clubs führen Kryptowährungen ein
Fußball: Champions League, Manchester City - FC Chelsea, K.o.-Runde, Finale im Estadio do Dragao: Chelseas Kai Havertz (oben) erzielt den Führungstreffer seiner Mannschaft. (Foto: dpa)
Foto: Jose Coelho

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie gehören Fußballspiele vor leeren Rängen zum Alltag. Für die Klubs bricht damit eine wichtige Einnahmequelle weg. Auf ihrer Suche nach Alternativen haben einige Vereine wie Manchester City, AC Mailand oder die Glasgow Rangers Kryptowährungen entdeckt - sogenannte Fan-Token, die wie Bitcoin oder Ethereum an speziellen Börsen gehandelt werden können. Außerdem geben sie ihren Besitzern das Recht, bei ausgewählten Entscheidungen mitzubestimmen, an Wettbewerben teilzunehmen oder Sonderangebote zu nutzen. Bei der Zielgruppe, den Fußball-Fans, stößt dieser Trend aber auf geteiltes Echo.

Für die Ausgabe von Fan-Token schließen Fußballklubs üblicherweise Partnerschaften mit Kryptofirmen. Eine davon ist Chiliz, die unter anderem mit der spanischen Nationalmannschaft zusammenarbeitet. Sie hat bereits für 20 Fußball-Vereine die Emission von Fan-Token organisiert. Hinzu kommen acht weitere für Mannschaften aus anderen Sportarten. Sein Unternehmen zahle den Vereinen eine Gebühr und teile sich die Einnahmen aus dem Erstverkauf der Fan-Token, sagt Chiliz-Chef Alexandre Dreyfus. Er peile für das laufende Jahr Einnahmen im Volumen von 200 Millionen Euro an, von denen etwa die Hälfte an die Klubs gehe.

Für viele Mannschaften ist dieses Geld allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Allein bei den 20 umsatzstärksten europäischen Vereinen schrumpfte der Umsatz in der Saison 2020/2021 um zwölf Prozent auf 8,2 Milliarden Euro, rechnet die Beratungsfirma Deloitte vor. Malcolm Clarke, Vorsitzender der Football Supporters's Association, die Fans in England und Wales vertritt, kritisiert Fan-Token als Geschäftemacherei. Entweder machten die Vereine Mitbestimmung gebührenpflichtig oder zögen Fans mit belanglosen Abstimmungen Geld aus der Tasche. "Beides sieht nicht gut aus." Auch Sue West, Chefin des Fanklubs West Ham United Independent Supporters' Association, äußert sich kritisch. "Warum sollte man dafür zahlen, um irgendetwas im Verein mitzubestimmen?" Außerdem komme das Ganze zu den ohnehin hohen Kosten für Dauerkarten oder Mannschaftstrikots noch dazu.

Bei Borussia Dortmund (BVB) verhinderte Widerstand der Fans den für März geplanten Start eines Fan-Token. Der Fußball-Bundesligist überarbeitet nach eigenen Angaben seine Pläne, nennt aber keine Details.

Juventus-Turin-Fan Giuseppe Bognanni bewertet Fan-Token positiv. Die Abstimmung über das Lied, das bei Begegnungen im Stadion gespielt wird, gebe ihm das Gefühl, in den Klub eingebunden zu sein. "Es ist schön, wenn du den Song hörst, für den du gestimmt hast. Du denkst dann: 'Ich hatte Anteil daran.'" Katia Gigliotti, Fan von AS Rom, überwand ihre anfängliche Skepsis und schätzt die Interaktion mit dem Verein und anderen Fans mit Hilfe von Fan-Token. "Spiele nicht besuchen zu dürfen, war eine traumatische Erfahrung, denn für mich bedeutet Fußball Sportstadien."

Juventus-Manager Giorgio Ricci betont, dass die virtuelle Interaktion während des Lockdowns sowohl für die Klubs als auch für die Fans vorteilhaft gewesen sei. Sein Verein hatte bereits vor Ausbruch der Pandemie Fan-Token ausgegeben. Verantwortliche anderer Vereine verweisen darauf, dass die neue Technologie die oftmals in aller Welt verstreuten Anhänger stärker einbinde. Fan-Token sind Teil des wachsenden Engagements der Sport-Industrie in der Kryptowelt. Einige Vereine bieten Mitarbeitern und Spielern an, sie in Bitcoin & Co. zu bezahlen. Andere akzeptieren Cyber-Devisen als Zahlungsmittel für Eintrittskarten und Fan-Artikel. Außerdem gibt es einen wachsenden Markt für eine neue Gruppe von Sammelobjekten, sogenannten Non-Fungible Token (NFTs). Dabei handelt es sich um digitale Eigentumsnachweise, mit denen zum Beispiel Video-Ausschnitte von Spielen signiert werden. Diese gelten dann als Original und werden auf speziellen Börsen gehandelt.

Wie bei allen Produkten aus dem Krypto-Universum müssen sich Investoren auch bei Fan-Token auf Kurskapriolen einstellen. Dem Branchendienst FanTokenStats.com zufolge gibt es derzeit 21 handelbare Fan-Token mit einem Börsenwert von insgesamt etwa 255 Millionen Dollar. Das sei zwar ein Plus von etwa 66 Prozent im Vergleich zum Jahreswechsel, sagt FanTokenStats-Betreiber Christian Ott. Aber ein Minus von rund 50 Prozent zu den Hochs vom Mai.


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland 179 Tote, Elend und Tränen nach Jahrhundertflut, doch Hauptsache der CSD findet statt

Während im Westen Deutschlands die Menschen wegen der Jahrhundertflut 179 Tote beklagen, feierten am 24. Juli 2021 65.000 Menschen auf dem...

DWN
Politik
Politik Die Balkanisierung der USA hat längst begonnen

Die Washington Post hat einen Cartoon veröffentlicht, der zeigen soll, wie gespalten die US-Gesellschaft ist. Offenbar ist die...

DWN
Politik
Politik Neuer Plagiatsvorwurf: Baerbock soll auch bei Habeck abgeschrieben haben

Die Webseite Plagiatsgutachten.com hat Stellen in Baerbocks Buch gefunden, die Übereinstimmungen mit Textstellen aus dem Buch ihres...

DWN
Finanzen
Finanzen Family Offices der Superreichen setzen auf Bitcoin

Nach Angaben von Goldman Sachs, haben zahlreiche Family Offices, mit denen die Investmentbank zusammenarbeitet, bereits in Bitcoin...

DWN
Politik
Politik Die EU im Klima-Wahn: Unsinnige Verordnungen, der kommende Blackout und der Mensch als Sünder

DWN-Kolumnist Ronald Barazon nimmt die "Klima-Agenda" der EU Stück für Stück auseinander und zeigt ihre massiven Ungereimtheiten auf. Am...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank-Chef Weidmann erwartet Inflationsrate von 5 Prozent

Die Kritik von Jens Weidmann im EZB-Rat an der inflationären Geldpolitik der Notenbank ist verhallt. Daher erwartet der...

DWN
Politik
Politik Erneut Proteste gegen strengere Corona-Regeln in Frankreich

Die landesweiten Proteste in Frankreich richten sich gegen die Ausweitung der Nachweispflicht mithilfe des "Gesundheitspasses".

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Das Fiat-Geldsystem der Zentralbanken baut auf einer großen Lüge auf

Die massive Ausgabe von Fiat-Geld durch die Zentralbanken schafft die Illusion von Wohlstand. Das Geld, das aus dem Nichts geschaffen wird,...