Politik

Nach CO2-Sondersteuer: Jetzt soll auch noch unser Fleisch teurer werden

Stimmen aus Politik und Umweltverbänden fordern eine drastische Erhöhung der Fleischpreise, weil diese geringer als die Preise für Fleischersatzprodukte ausfallen würden. Beim Fleischkonsum droht künftig eine Zweiklassengesellschaft wie im 19. Jahrhundert. Sogar der Sonntagsbraten dürfte irgendwann unerschwinglich werden.
18.06.2021 19:08
Aktualisiert: 18.06.2021 19:08
Lesezeit: 2 min

Die Deutschen müssen wegen der CO2-Steuer tiefer in die Tasche greifen. Heiz- und Spritpreise haben bereits den Trend nach oben begonnen. Die Immobilien- und Mietpreise kennen kein Halt mehr und die Lebenshaltungskosten ziehen drastisch an. Am 8. Januar 2020 hatten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten angekündigt, dass die Bundesregierung die Einführung einer „Fleischsteuer“ plant.

Aktuell befinden wir uns in einer Phase, in der mehrere Studien lanciert werden, um eine Verteuerung von Fleisch zu rechtfertigen. Im März 2021 hatte das Landwirtschaftsministerium unter der ehemaligen Weinkönigin Julia Klöckner eine Machbarkeitsstudie veröffentlicht, in der ausgeführt wurde, dass die Fleischpreise erhöht werden müssen, berichtet das „Berliner Abendblatt“.

In einer aktuellen Analyse der Umweltorganisation WWF wird beklagt, dass Fleisch günstiger ist als Fleischersatzprodukte. Für die Analyse hatte der WWF zwischen Ende April und Ende Mai 922 Grillfleisch-Angebote in den Werbeprospekten von acht deutschen Supermarktketten erfasst. Konkret wirbt der Einzelhandel demnach mit rabattierten Steaks oder Grillwürstchen vom Schwein mit einem Kilopreis von durchschnittlich 6,36 Euro oder mit rabattiertem Geflügelfleisch für 5,67 Euro pro Kilo. Tofuwurst und Sojaburger sind mit 13,79 Euro pro Kilo selbst im Angebot mehr als doppelt so teuer.

Im Schnitt waren 85 Prozent des rabattierten Grillfleisches billiger als pflanzliche Alternativen. Außerdem werden Grillfleischprodukte demnach fast 30 Mal häufiger beworben als Fleischersatzprodukte. Zudem kommen laut der Analyse nur die wenigsten Produkte aus höheren Haltungsformen. Nur zwei Prozent der Rabatt-Produkte wiesen Bioqualität auf, bei vielen war die Herkunft gar nicht ausgewiesen.

Tanja Dräger de Teran, Ernährungsreferentin beim WWF, kritisiert, dass die Massen an Billigfleisch zu Lasten der Umwelt gingen. Damit Fleisch so billig verkauft werden könne, müsse massenhaft Vieh gehalten und Futtermittel wie Soja etwa aus Südamerika importiert werden. Das heize das Klima an und zerstöre wertvolle Lebensräume. „Mit Billigfleisch wird der Amazonas verramscht“, kritisiert sie. So würden etwa 96 Prozent der Soja-Anbaufläche für Tierfutter benötigt – und nur vier Prozent für pflanzliche Lebensmittel.

Das Umweltbundesamt (UBA) betont ebenfalls, die Nutztierhaltung und der hohe Konsum tierischer Produkte in Deutschland wirkten sich negativ auf Umwelt und Klima aus. So trage das hohe Maß der Intensivtierhaltung maßgeblich zur Emission klimaschädlicher Gase wie Methan bei, das Wiederkäuer bei der Verdauung freisetzen. Auch Lachgas-Emissionen und Nährstoffüberschüsse als Folge von Güllelagerung und –ausbringung seien schädlich.

„Wir haben massive Emissionen in die Luft und in den Boden. Deshalb wäre es neben verfahrenstechnischen Maßnahmen wichtig, den Konsum von Fleisch und tierischen Produkten stark zu reduzieren“, sagt Almut Jering vom UBA. Zu diesen Maßnahmen könnten etwa Filter an den Stallanlagen oder die energetische Nutzung von Wirtschaftsdünger gehören. Zudem gerieten in der Intensivtierhaltung genutzte Antibiotika in die Umwelt, kritisiert sie.

Unter dem Vorwand des Klimawandels werden in den kommenden Jahren noch weitere Belastungen auf die Bürger zukommen. Doch wenn die Bundesregierung und die Umweltverbände wirklich wollen, dass die Menschen auf Fleischersatzprodukte zurückgreifen, sollten sie die Preise für diese Produkte senken, anstatt Fleisch noch teurer zu machen.

Es darf nicht vergessen werden, dass es bei einer drastischen Erhöhung der Fleischpreise zu einer Zweiklassengesellschaft beim Fleischkonsum kommen könnte. Dann wäre auch der Sonntagsbraten für die meisten Deutschen unerschwinglich.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Siemens Energy-Aktie erholt sich: Neu auf Goldman-Empfehlungsliste
01.06.2026

Trotz jüngster Kursverluste sehen Analysten bei Siemens Energy weiteres Potenzial. JPMorgan belässt Siemens Energy auf "Overweight" -...

DWN
Politik
Politik Kommt die Bafög-Reform doch nicht? - Ärger in der Koalition
01.06.2026

Bundesforschungsministerin Bär erwartet kein schnelles Bafög-Update mehr. Warum sie Verständnis für einen etwaigen Stopp der Reform...

DWN
Politik
Politik Millionengrab Northvolt-Pleite: Regierung verstieß gegen Informationspflicht
01.06.2026

Vom Hoffnungsträger zum Millionengrab: Viele Politiker sahen das Projekt als entscheidend an. Heute zittern Bund und Land um 600 Millionen...

DWN
Politik
Politik AfD-Wahlprogramm verabschiedet: Atomenergie, CO2-Aus und begrenzte Migration
01.06.2026

Die AfD rüstet sich für die anstehenden Landtagswahlen im September: In Mecklenburg-Vorpommern verabschiedeten die Delegierten auf dem...

DWN
Politik
Politik EU-Schulden werden zur Kostenfalle für Deutschland
01.06.2026

Europa will mehr Rüstung, sichere Energie, starke Industrie und stabile Renten. Doch der IWF warnt, dass diese Rechnung kaum aufgeht,...

DWN
Politik
Politik Staatskrise Deutschland: Minderheitsregierung oder Neuwahlen - was wäre denkbar?
31.05.2026

Die schwarz-rote Regierung unter Kanzler Merz geht dem Ende zu - trotz aktueller Durchhalteparolen der möglichen Nachfolger Spahn und...

DWN
Finanzen
Finanzen Staatsanleihen unter Druck: Wie der Krieg den Preis des Geldes erhöht
31.05.2026

Lange galten Staatsanleihen als sicherer Hafen, nun werden sie selbst zum Warnsignal. Krieg, Energiepreise und Inflation treiben Renditen...

DWN
Panorama
Panorama Kimmel, Fallon, Stewart: Die wichtigsten Late-Night-Shows in den USA – und ihre Wirkung
31.05.2026

Von Johnny Carson bis Jimmy Kimmel: Late-Night-Shows gehören fest zur US-Unterhaltungskultur. Heute kämpfen die Formate jedoch mit...