Politik

Geopolitischer Richtungsstreit zwischen EU und Russland prägt Wahl in Moldawien

Bei der Parlamentswahl in Moldawien an diesem Sonntag ringen westlich orientierte und pro-russische Kräfte um Einfluss.
13.07.2021 12:27
Lesezeit: 1 min
Geopolitischer Richtungsstreit zwischen EU und Russland prägt Wahl in Moldawien
Moldawien im Spannungsfeld zwischen Ost und West. (Grafik: Stratfor)

Bei der Parlamentswahl in Moldawien an diesem Sonntag ringen westlich orientierte und pro-russische Kräfte um Einfluss. Präsidentin Maia Sandu, die einen EU-freundlichen Kurs verfolgt und die der Korruption den Kampf angesagt hat, hofft auf einen Wahlsieg ihrer Partei PAS. Sandu hatte das Parlament aufgelöst, nachdem eine Regierungsbildung zweimal gescheitert war. Die PAS stellte bisher 15 der 101 Mandate. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Sandu arbeitete früher bei der Weltbank, meldet Reuters.

Sandus Erzrivale, der frühere Präsident Igor Dodon, führt die Sozialisten an. Diese waren zuletzt mit 37 Politikern im Parlament vertreten und kamen zusammen mit ihren Verbündeten auf eine Mehrheit von 54 Mandaten. Dodon, der bei der Präsidentschaftswahl im November von Sandu abgelöst worden war, unterhält der enge Beziehungen nach Russland.

Die Wahllokale schließen um 20.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Die frühere Sowjetrepublik, die zwischen dem EU-Mitglied Rumänien und der Ukraine liegt, ist einer der ärmsten Staaten in Europa. Neben der Corona-Krise belastet auch Korruption das Land, das 3,5 Millionen Einwohner zählt. Für politischen Streit sorgte unter anderem ein milliardenschwerer Bankenskandal.

Moldau gilt als ärmstes Land Europas. In der kleinen Republik grassiert vor allem Korruption, immer mehr gut ausgebildete Bürger zieht es ins Ausland. Das Vertrauen in die eigenen Politiker ist tief erschüttert - das zeigte auch die Wahlbeteiligung: Rund 48 Prozent der 3,3 Millionen Stimmberechtigten gingen an die Urnen. Trotzdem sei die Wahl eine Art „letzte Chance“ für Moldau gewesen, sagt Ion Manole von der Demokratie- und Menschenrechtsorganisation Promo-Lex der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn sich jetzt nichts ändert, verlassen auch die letzten schlauen Köpfe das Land.“

Einfach wird es für Sandu, die die erste Frau im Präsidentenamt ist, trotz der absoluten Mehrheit im Parlament nicht werden. Zum einen sei es fraglich, ob die ehemalige Bildungsministerin genügend fähige Leute habe, um Schlüsselpositionen zu besetzen, sagt Manole. Zudem ist der Einfluss Russlands auf die ehemalige Sowjetrepublik noch immer groß - besonders in dem von Moldau abtrünnigen Gebiet Transnistrien, wo seit Anfang der 1990er Jahre russisches Militär stationiert ist.

Zuletzt beklagte Moskau eine Einmischung der USA und der EU in die inneren Angelegenheiten Moldaus. Sandus proeuropäischer Kurs dürfte die Beziehungen zu Russland keinesfalls verbessern, sagt der Politologe Veaceslav Berbeca. Es drohten Konflikte und möglicherweise neue Sanktionen Russlands gegen Moldau.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Staatskrise Deutschland: Minderheitsregierung oder Neuwahlen - was wäre denkbar?
31.05.2026

Die schwarz-rote Regierung unter Kanzler Merz geht dem Ende zu - trotz aktueller Durchhalteparolen der möglichen Nachfolger Spahn und...

DWN
Finanzen
Finanzen Staatsanleihen unter Druck: Wie der Krieg den Preis des Geldes erhöht
31.05.2026

Lange galten Staatsanleihen als sicherer Hafen, nun werden sie selbst zum Warnsignal. Krieg, Energiepreise und Inflation treiben Renditen...

DWN
Panorama
Panorama Kimmel, Fallon, Stewart: Die wichtigsten Late-Night-Shows in den USA – und ihre Wirkung
31.05.2026

Von Johnny Carson bis Jimmy Kimmel: Late-Night-Shows gehören fest zur US-Unterhaltungskultur. Heute kämpfen die Formate jedoch mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Psychische Belastung im Beruf: Wie Beschäftigte mentale Belastung besser bewältigen
31.05.2026

Pflegekräfte, Polizisten oder Rettungssanitäter erleben täglich belastende Situationen. Viele nehmen den emotionalen Druck mit nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Euro: Europas Banken bauen eigene Stablecoin-Alternative
31.05.2026

Europäische Banken wollen mit einem Euro-Stablecoin die digitale Zahlungsinfrastruktur verändern. Dahinter steht die Sorge, dass der...

DWN
Panorama
Panorama Kölner Dom: Eintrittsgeld geplant – verliert ein Wahrzeichen seinen Zauber?
31.05.2026

Der Kölner Dom zieht jedes Jahr Millionen Menschen an – Gläubige, Touristen und Einheimische gleichermaßen. Ab Juli soll der Eintritt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Diagnose in Minuten: Irisches Startup will ADHS schneller erkennen
31.05.2026

Ein irisches KI-Startup will ADHS und andere Erkrankungen mit Hirnscans deutlich schneller erkennen. Die Technologie könnte Diagnosen...

DWN
Panorama
Panorama Schlafprobleme im Alltag: Welche Maßnahmen wirklich zu besserem Schlaf führen
31.05.2026

Schlafmangel entwickelt sich für viele Menschen zu einem strukturellen Problem des modernen Alltags. Welche Faktoren spielen dabei eine...