Politik

Türkei wütend auf Merkel und Kurz: „Wir sind nicht das Flüchtlings-Lager der EU, wollen keine Massenmigration mehr“

Lesezeit: 1 min
27.07.2021 19:36  Aktualisiert: 27.07.2021 19:36
Die Türkei hat erbost auf den Vorschlag des Ösi-Kanzlers Sebastian Kurz, wonach die Türkei die neuen afghanischen Flüchtlinge aufnehmen soll, reagiert. „Die Türkei wird nicht die Folgen einer regionalbedingten Massenmigration ertragen und eine neue Migrationswelle übernehmen“, so das türkische Außenministerium.
Türkei wütend auf Merkel und Kurz: „Wir sind nicht das Flüchtlings-Lager der EU, wollen keine Massenmigration mehr“
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz reichen sich am 17.01.2018 in Berlin im Bundeskanzleramt nach einem Treffen die Hand. (Foto: dpa)
Foto: Kay Nietfeld

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Das türkische Außenministerium hat die jüngsten Äußerungen des österreichischen Kanzlers Sebastian Kurz, wonach die neue Flüchtlingswelle in der Türkei eingedämmt werden soll, scharf kritisiert. „Erstens ist die Türkei, entgegen der Formulierung vom Kanzler Kurz, kein Nachbarland von Afghanistan. Die Türkei wird nicht die Folgen einer regionalbedingten Massenmigration ertragen und eine neue Migrationswelle übernehmen. Die diesbezügliche Haltung übermitteln wir unseren Gesprächspartnern bei jeder Gelegenheit und auf allen Eben und betonen, dass die Türkei nicht der Grenzwächter oder das Flüchtlingslager der EU ist und es auch in Zukunft nicht sein wird“, zitiert der englischsprachige Dienst der „Hürriyet“ das Außenministerium. Kurz hatte gesagt: „Wir müssen die Situation vor Ort verbessern. Wenn Menschen fliehen müssen, dann halte ich Nachbarstaaten, die Türkei oder sichere Teile Afghanistans, definitiv für den richtigeren Ort, als dass die Menschen alle nach Deutschland, Österreich oder Schweden kommen.“

Der türkische Oppositionsführer Kemal Kılıçdaroğlu wirft Angela Merkel und der EU vor, die Türkei „bestochen“ zu haben, damit das Land als Flüchtlingswärter agiert. Angesichts der neuen afghanischen Flüchtlingswelle ist ihm der Geduldsfaden gerissen. Er warnt die türkische Regierung davor, einen neuen Flüchtlings-Deal mit Merkel und der EU abzuschließen (HIER).

Währenddessen ist die Stimmung in der Türkei schon längst gekippt. Der Bürgermeister der türkischen Stadt Bolu, Tanju Özcan, hatte eine Gesetzesvorlage geplant, aus der hervorgeht, dass die Kommunen die Flüchtlinge in der Türkei nur dann mit Wasser versorgen sollen, wenn diese bereit sind, einen Preis zu zahlen, der zehnfach höher ist als der normale Preis. Alle Flüchtlingshaushalte, die dieser Forderung nicht nachkommen können, sollen dem Vorschlag zufolge nicht mit Wasser versorgt werden. Der umstrittene Plan führte dazu, dass nun türkische Staatsanwaltschaft gegen den umstrittenen Bürgermeister ermittelt. Ihm wird „Aufstachelung der Bevölkerung zum Hass“ geworfen. Seine politische Karriere dürfte vorbei sein.

Reliefweb“ zufolge leben in der Türkei etwa vier Millionen legale Flüchtlinge verschiedenster Hintergründe. Nach jüngsten Berichten kommen täglich Tausende von afghanischen Flüchtlingen, die vor den Taliban fliehen, hinzu.


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Weniger Administration, mehr Fokus: Mit digitaler bAV-Verwaltung den nächsten Schritt gehen

Was macht einen Arbeitsplatz attraktiver als andere. Sicherlich mehr als nur das monatliche Gehalt. Langfristiges Denken kann sich für...

DWN
Politik
Politik EILMELDUNG: Angeblicher Hacker-Angriff auf Wahlbehörde in Deutschland

Wenige Tage vor der Bundestagswahl soll es einem Medienbericht zufolge zu einem Hacker-Angriff auf das Statistische Bundesamt gekommen...

DWN
Politik
Politik Hohe Inflation: In der Union regt sich zunehmend Widerstand gegen die EZB

Angesichts der hohen Teuerungsraten in vielen Bereichen regt sich innerhalb der Union Widerstand gegen die Untätigkeit der EZB - zumindest...

DWN
Politik
Politik Iran wird Vollmitglied der Shanghai Cooperation Organization

Der Iran ist vergangene Woche zu einem Vollmitglied der eurasischen Shanghai Cooperation Organisation geworden.

DWN
Finanzen
Finanzen EZB: Wie die lockere Geldpolitik die Rente gefährdet

Die staatliche Rente hat nicht bloß ein Demografie-Problem. Niedrigzinsen und hohe Inflationsraten belasten zunehmend auch die gesetzliche...

DWN
Politik
Politik Linke-Chefin Susanne Hennig-Wellsow: „Wir müssen noch viel mehr für das Impfen werben“

Die Linke-Chefin Susanne Hennig-Wellsow fordert von der Bundesregierung eine offensive Impf-Kampagne. „Warum laufen vor der...

DWN
Finanzen
Finanzen Immer mehr Länder heben die Leitzinsen an

Norwegen ist das vorerst letzte Land einer Reihe von Staaten, deren Zentralbanken die Finanzierungsbedingungen verschärfen.

DWN
Politik
Politik Die Linke verteidigt linksextremistisches Gewalt-Portal „Indymedia“

Ein Gericht hatte das linksextremistische Portal „Indymedia“ verboten. „Indymedia“ hatte nämlich wörtlich mitgeteilt: „Wir...

DWN
Politik
Politik Nur beim Uhu sagte Merkel "Nein"

Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte auf ihrer Abschiedstournee in ihrem angestammten Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern einen Vogelpark.