Wirtschaft

Nachschub stockt, Preise steigen: Steht die Welt vor einer Aluminium-Krise?

Die Aluminium-Branche ist in Aufruhr - die Verarbeiter sind massiv besorgt.
07.08.2021 17:13
Aktualisiert: 07.08.2021 17:13
Lesezeit: 2 min

Die Welt geht einer jahrelangen Aluminium-Knappheit und steigenden Preisen entgegen. Zwar werden von dem wichtigen Industrie-Metall im Jahr stolze 80 Millionen Tonnen produziert. Doch der Bedarf steigt weiter an. Gleichzeitig ist unklar, wie rasch die sich auftuende Versorgungslücke geschlossen werden kann – ein Aluminium-Werk lässt sich eben nicht so schnell aus der Erde stampfen. Steigende Preise dürften die Produzenten, die Aluminium verarbeiten, an die Verbraucher weitergeben. Das dürfte – genau wie die anderen steigenden Rohstoff-Preise – die Inflation weiter anheizen.

Etwas mehr als die Hälfte des weltweit produzierten Aluminiums stammt aus Schmelzereien in China. Das Reich der Mitte wird seinen Output jedoch nicht erhöhen – bereits vor vier Jahren wurde festgelegt, dass die Produktionsobergrenze bei 45 Millionen Tonnen liegt. Der Grund: Das von Umweltverschmutzung schwer gebeutelte Riesenreich hat es sich auf die Fahnen geschrieben, den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringern. Doch die chinesische Wirtschaft braucht das Edelmetall und hat sich dadurch innerhalb kürzester Zeit von einem Netto-Exporteur zu einem Netto-Importeur gewandelt – das heißt, seine Unternehmen sind jetzt ebenfalls auf dem Weltmarkt auf der Suche nach Nachschub.

Die Nachfrage wächst vor allem deshalb, weil die Pandemie zu einem großen Teil überwunden ist und die unterschiedlichen Industrie-Branchen teilweise mit Aufträgen überschwemmt werden. Unter anderem nehmen die Aluminium-Bestellungen von Seiten der Automobilproduktion, der Bau-Industrie und sogar der Flugzeug-Industrie beträchtlich zu. Allein in den USA stieg die Nachfrage in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um fast ein Fünftel (18 Prozent).

Das treibt die Preise. Anfang des Jahres wurde die Tonne noch für rund 2.000 Dollar gehandelt. Mittlerweile sind es 2.500 Dollar. Laut einer Analyse von Goldman Sachs könnten es nächstes Jahr über 3.000 Dollar sein.

Dass die Preise derzeit so massiv in die Höhe schießen, hat allerdings nicht nur mit der steigenden Nachfrage zu tun. Bereits vor einem Monat schrieben die DWN über das Lieferketten-Chaos, das die Weltwirtschaft bedroht. Die Frachtraten der Schiffe explodieren – wenn die teilweise verzweifelt auf ihr Aluminium wartenden Unternehmen denn überhaupt noch per Schiff beliefert werden. Mittlerweile wird das Metall sogar schon per Flugzeug transportiert - ein gewaltiger Kostenfaktor.

Zu allem Unglück kommen noch regulatorische Beschränkungen hinzu. So erhebt Russland auf die Ausfuhr von Aluminium seit kurzem einen zusätzlichen Zoll, der so hoch ist, dass sich – trotz der hohen Preise, die am Markt zu erzielen sind – der Ausfuhr kaum noch lohnt. „Rusal“, zweitgrößter Produzent der Welt, erwägt bereits, seine Lieferungen massiv einzuschränken.

Inwiefern der Bau neuer Werke Abhilfe schaffen kann, steht in den Sternen. Zum einen nimmt solch ein Bau – wie bereits erwähnt – beträchtliche Zeit in Anspruch. Zum anderen treiben Umweltrichtlinien die Bau- und Produktionskosten mittlerweile so gewaltig in die Höhe, dass der Preis pro Tonne nach Schätzungen von Analysten auf circa 3.500 Dollar anwachsen müsste. Ob sich allerdings ein solcher Preis – der 75 Prozent über dem liegen würde, der Anfang dieses Jahres galt – erzielen lassen wird, ist höchst unsicher.

Fazit: Sowohl die Preisentwicklung als auch die Versorgungssicherheit sind derzeit völlig ungewiss.

Wer erwägt, in Aluminium-Produzenten zu investieren, dem seien die beiden folgenden DWN-Artikel ans Herz gelegt:

deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/512400/Verrueckte-Rohstoffwelt-Minenbetreiber-und-Kapitalgeber-handeln-voellig-irrational

deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/510425/Investieren-in-Rohstoffe-Darauf-muessen-Anleger-achten

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Immobilienmakler für Kitzbühel – Hotel und Gewerbeimmobilien verkaufen mit Experten

Der Verkauf von Hotels und Gewerbeimmobilien in Kitzbühel stellt besondere Anforderungen an Eigentümer und Makler. Ein erfahrener...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Moderna im Rampenlicht bei steigender Wall Street
19.08.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die US-Märkte beflügeln und warum ein bestimmter Sektor derzeit für historische...

DWN
Finanzen
Finanzen Moderna-Aktie explodiert: Melanom-Impfstoff schürt Hoffnung auf Milliardengeschäft
19.08.2026

Die Moderna-Aktie schießt nach einem wegweisenden Studienerfolg in die Höhe. Ein personalisierter Krebsimpfstoff könnte dem...

DWN
Politik
Politik Altersteilzeit vorm Aus? Regierung will beliebtestes Modell für Berufsausstieg streichen
19.08.2026

Mit Altersteilzeit in den wohlverdienten Ruhestand: So haben Millionen Deutsche ihren Renteneinstieg geplant. Doch die Bundesregierung will...

DWN
Finanzen
Finanzen Biontech-Aktie hebt ab: Zulassungshoffnung löst Kursrally bei Biontech-Aktie aus
19.08.2026

Die Biontech-Aktie schießt im US-amerikanischen Börsenhandel am Mittwoch kräftig nach oben und lässt den Gesamtmarkt weit hinter sich....

DWN
Panorama
Panorama KI-Manifest von Mark Zuckerberg zeigt, wie Meta die Zukunft der Menschen verändern will
19.08.2026

Mark Zuckerberg verspricht persönliche Superintelligenz, mehr individuelle Macht und sogar zusätzliche Arbeitsplätze. Doch sein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Sprengung Nord-Stream: Ukrainer in Kroatien festgenommen
19.08.2026

Vier Jahre nach den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines führen Ermittlungen zu den Sprengungen erneut zu einer Festnahme. Es ist...

DWN
Politik
Politik Mietrecht: Justizministerin will Einbau von Klimaanlagen erleichtern
19.08.2026

Wie kann die Rechtspolitik einen Beitrag zum Hitzeschutz leisten? Bundesjustizministerin Hubig hat eine Idee.

DWN
Technologie
Technologie Konkurrenz für SpaceX: China gelingt Raketenlandung auf Beinen
19.08.2026

Erstmals ist in China eine Raketenstufe nach einem Orbitalstart senkrecht auf eigenen Beinen gelandet. Sie gehörte zur privat entwickelten...