Politik

Armin Laschet hat noch alle Chancen - auch wenn die deutschen Medien seine Wahl verhindern wollen

Erst wollten die deutschen Medien Annalena Baerbock zur Kanzlerin machen. Das wird ihnen nicht gelingen. Also versuchen sie, zumindest Armin Laschet zu verhindern.
30.08.2021 16:43
Aktualisiert: 30.08.2021 16:43
Lesezeit: 2 min
Armin Laschet hat noch alle Chancen - auch wenn die deutschen Medien seine Wahl verhindern wollen
Von links: Annalena Baerbock (Grüne), Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD). (Foto: dpa)

Haben Sie die gestrige TV-Debatte zwischen den Kanzler-Kandidaten gesehen? Ich habe Sie mir angeschaut. Und ich muss sagen: Mit Gewinn.

Endlich einmal waren alle drei Anwärter auf die Regierungsführung gezwungen, Gesicht zu zeigen und Klartext zu reden. Natürlich können die Aussagen und Statements innerhalb eines solchen Formats nur bedingt komplexe politische Inhalte transportieren – aber sie lassen durchaus Schlüsse auf die politischen Vorstellungen und die zukünftige Schwerpunktsetzung der einzelnen Kandidaten zu.

Selbstverständlich ist so eine Sendung auch ein Stück Show. Armin Laschet musste demonstrieren, dass auch er angreifen kann, dass auch er den politischen Nahkampf beherrscht. Olaf Scholz durfte sich gewohnt staatsmännisch präsentieren. Und Annalena Baerbock bekam Gelegenheit, zu zeigen, dass sie für mehr steht als „Hörsaal, Kreissaal, Plenarsaal“, dass sie ihre Berufung nicht nur der Quote zu verdanken hat. Aber: Die Spitzentreffen der Kanzler, Präsidenten und Staats-Chefs beinhalten auch immer ein Stück Show; und als Sieger aus diesen Treffen geht nicht unbedingt derjenige hervor, der die besten Argumente vorbringt, sondern derjenige, der Stärke demonstriert (Wladimir Putin zwang Angela Merkel einst in die Defensive, indem zum beiderseitigen Treffen seinen großen schwarzen Labrador „Koney“ mitbrachte). So gesehen ermöglicht ein solcher Fernsehauftritt den Zuschauern, festzustellen, welcher der Kandidaten sich in der Stunde der Wahrheit am besten schlägt – schließlich muss sich Deutschlands zukünftiger Kanzler in Kürze gegenüber Alpha-Männern wie eben Putin, wie Xi Jinping oder auch Boris Johnson behaupten.

Die Zuschauer-Umfragen nach Sendeschluss ergaben, dass eine Mehrheit (36 Prozent) Scholz als Sieger sah. Ich kann das nicht nachvollziehen, für mich lagen er und Laschet gleichauf, Baerbock folgte knapp dahinter. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Viel wichtiger erscheint mir die Frage, ob die schlechte Bewertung des CDU-Kandidaten, der mit 25 Prozent hinter der Grünen-Frau (30 Prozent) abgeschlagen auf Rang drei landete, nicht auch das Ergebnis einer gegen ihn gerichteten journalistischen Negativ-Kampagne ist. Seit Wochen wird Laschet nach unten geschrieben, wird jeder noch so kleinste Fehler, den er begeht, zum Beleg genommen, dass er „nicht Kanzler kann“, wie es neudeutsch heißt. Und das wirkt sich dann auch auf die Wähler aus: Dass der CDU-Mann nicht kanzlertauglich ist, scheint auch für sie schon fast eine feststehende Tatsache zu sein. Ihm haftet das Image des Verlierers so sehr an, dass nur noch wenige sich zugestehen, etwas anderes gesehen zu haben, als dass Laschet eine weitere krachende Niederlage kassierte.

Eine ähnliche Kampagne gab es bei dieser Wahl schon einmal, und zwar in Sachen Baerbock. Nur dass es damals keine Negativ-Kampagne war, im Gegenteil: die grüne Spitzenkandidatin wurde systematisch nach oben geschrieben; ihre Kompetenz, ihr Faktenwissen wurden in den Himmel gehoben. Der Absturz folgte, wie man weiß, sehr schnell. Ich finde nicht, dass sie ihre Sache gestern schlecht gemacht hat – aber eine Fachfrau der Extraklasse, eine politische Überfliegerin konnte ich nicht erkennen. Für mich steht fest: Eine nicht geringe Zahl der deutschen Journalisten wollte, dass Baerbock ins Kanzleramt einzieht; sie schrieben den Höhenflug ihrer persönlichen Favoritin bewusst und gezielt herbei.

Ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass Fernseh-Duelle beziehungsweise -Trielle der politischen Meinungsbildung förderlich sind und freue mich daher schon auf die beiden nächsten Aufeinandertreffen der drei Spitzenkandidaten. Die Bundestagswahl ist noch nicht entschieden – vor uns liegen vier spannende Wochen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Ukraine bald EU-Mitglied? EU beginnt Beitrittsverhandlungen trotz Kriegsstatus
12.06.2026

Ein Veto aus Ungarn blockierte lange formelle EU-Gespräche mit der Ukraine. Jetzt kann es endlich losgehen, berichtet die Deutsche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschlands Mitte ist pleite: Insolvenzen bei Verbrauchern und Firmen steigen stetig
12.06.2026

Die Welle der Insolvenzen in Deutschland endet nicht: Im ersten Quartal des Jahres verzeichneten die Amtsgerichte einen spürbaren Anstieg...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Pandora-Aktie: Die neue Chefin gibt ein ungewöhnliches Eingeständnis ab
12.06.2026

Pandora kämpft mit schwächerem Wachstum, steigenden Kosten und enttäuschenden Märkten. Die neue Chefin Berta de Pablos-Barbier sieht...

DWN
Politik
Politik EU-Stabilitätspakt: Irland erhält Flexibilität bei Energieausgaben
12.06.2026

Mehr Spielraum im Budget: Die EU erweitert die Ausnahme für Verteidigungsausgaben auf den Energiesektor. Damit reagiert Brüssel auf die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Infrastruktur-Finanzierung: Bauindustrie fordert neue Debatte über Pkw-Maut
12.06.2026

Die deutsche Bauindustrie schlägt zur dauerhaften Sanierung des Verkehrsnetzes die Einführung einer Pkw-Maut vor. Durch den Wechsel von...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-Aktie: Jahrhundert-IPO zwischen Musk-Fans und Milliarden-Risiken
12.06.2026

Der gigantische SpaceX-Börsengang elektrisiert die Märkte. Während Institutionelle und Kleinanleger Schlange stehen, um ein Stück vom...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-IPO: Was bedeutet das für ETF-Anleger?
12.06.2026

Mit SpaceX drängt eines der bekanntesten Technologieunternehmen der Welt an die Börse. Die Bewertung sorgt bereits für Diskussionen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stahlkrise: Großproteste in Berlin und Völklingen gegen drohende Massenentlassungen
12.06.2026

Zehntausende Arbeitsplätze in der deutschen Stahlindustrie stehen auf dem Spiel. Mit großen Protestaktionen in Berlin und dem Saarland...