Deutschland

Studie zerreißt Klima-Aktionismus der Grünen: „Ich mache mir sehr ernste Sorgen“

Die extremen Forderungen der Grünen können dem Wirtschaftsstandort Deutschland aus Sicht von Beobachtern schweren Schaden zufügen.
08.09.2021 13:43
Aktualisiert: 08.09.2021 13:43
Lesezeit: 3 min
Studie zerreißt Klima-Aktionismus der Grünen: „Ich mache mir sehr ernste Sorgen“
Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin und Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, nimmt steht bei der Bundesdelegiertenkonferenz ihrer Partei auf der Bühne vor einem Foto mit Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Das von den Grünen geplante Sofortprogramm für mehr „Klimaschutz“ nach der Bundestagswahl dürfte einer Studie zufolge schnell zu extrem hohen Kosten führen. Die genauen Belastungen seien zwar nicht zu beziffern, weil viele Maßnahmen unspezifisch blieben. „Es kann aber schnell sehr viel werden“, sagte Manuel Frondel vom RWI Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung, der die Studie im Auftrag des Verbands der Familienunternehmer erstellt hat. Alleine die Förderung von zwei Millionen Wärmepumpen bis 2025 - als Alternativen zu Ölheizungen - könne bis zu 60 Milliarden Euro kosten, sagte er am Mittwoch.

Die Grünen-Führung hatte Anfang August ihr Sofortprogramm vorgestellt - inklusive eines eigenen Klimaschutzministeriums mit Veto-Recht gegenüber anderen Ministerien. Frondel sagte, das sei kritisch zu sehen, beschneide unter anderem die Hoheit des Finanzministeriums. „Da gäbe es sehr viel Konfliktpotenzial.“ Die Grünen müssten stärker über die deutschen Grenzen hinaus denken, nationale Maßnahmen reichten nicht aus. „Wir brauchen internationale Kooperationen.“ Eine einheitliche CO2-Sondersteuer sei entscheidend, am besten auf globaler Ebene, mindestens aber auf Ebene der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20).

Abwanderung der Industrie hat schon begonnen

Angesichts der zunehmend belastenden Klima-Maßnahmen hierzulande verlagern bereits viele Firmen ihre Aktivitäten aus Deutschland heraus. „Die Kosten werden nicht geringer werden“, sagte Reinhold von Eben-Worlée, der Präsident des Familienunternehmerverbands. Bei der Bundestagswahl Ende September gehe es deswegen um eine Richtungsentscheidung - mehr marktwirtschaftliche Lösungen oder mehr staatliche Subventionen. Viele Familienunternehmen seien schon jetzt auch in Süd- und Osteuropa aktiv, teils auch in Asien und den USA. Hier gebe es meist weniger Vorschriften und steuerliche Vorteile. Das spiele bei Investitionsentscheidungen eine wichtige Rolle. „Das ist ein leiser Zug.“ Nicht alle Firmen würden sich gleichzeitig entscheiden. Der Schlüssel für mehr Klimaschutz liege in China, Indien und den USA.

Zuletzt hatte auch die IG Metall gewarnt, dass die großen Autobauer die klimapolitischen Vorgaben dazu nutzen, ihre Kapazitäten ins Ausland zu verlagern.

Die Studie plädiert für mehr marktwirtschaftliche Lösungen und weniger Vorgaben. Den geplanten Kohleausstieg von 2038 auf 2030 vorzuziehen, wie von den Grünen geplant, sei Symbolpolitik, so Frondel. „Dadurch steigt das Risiko noch höherer Entschädigungen.“ Ökonomisch mache es mehr Sinn, den gestiegenen CO2-Preis wirken zu lassen. Die Auslastung der Kohlemeiler sei bereits deutlich zurückgegangen. Im Mai war der Preis erstmals über die Marke von 50 Euro je Tonne ausgestoßenes CO2 in der EU geklettert. Mittlerweile sind es rund 62 Euro. Damit hat sich der Preis binnen eines Jahres fast verdreifacht. Einen Kohle-Ausstieg bis 2030 fordert auch CSU-Chef Markus Söder.

Scharfe Kritik an Baerbock

Mit Blick auf die extremen Forderungen der Grünen konstatiert der Finanzdienstleister Solvecon ernste Gefahren für den Wohlstand des Landes. In seinem Forex-Report schreibt der Dienst:

Was haben Frankreich und Italien in den letzten circa 10 Jahren gemacht? Richtig, Reformen im Umfang von 0,5% - 1,0% des BIP pro Jahr. Was hat Deutschland gemacht? Keine die Produktivität steigernden Maßnahmen im nennenswerten Umfang, sondern Politik, die die Kosten des Kapitalstocks erhöhten (u.a. Energiewende). Die Schere öffnete und öffnet sich sukzessive zu Lasten Deutschlands und der Zukunft kommender Generationen.

Was passierte, wenn jetzt im deutschen Hochsteuer- und Hochpreisenergieland durch die Bundestagswahl noch einmal die Bedingungen für unseren Kapitalstock (Unternehmen) verschlechtert würden (kritische Farben rot und grün)?

Was hat Frau Baerbock in der „Arena“ versprochen. Sie hat die Schleifung des Leistungsstandorts versprochen! Nur sind diese Leistungen die Grundlagen der Sozialpolitik, der Potenz grüner Politik und der Anker für gesellschaftliche Stabilität (Instabilität 1929/1932 Basis für 1933). Es gab keinen einzigen Punkt, wo der Leistungskörper Deutschlands nennenswert positive Impulse erfahren soll.

Stimmt der Kapitalstock dann irgendwann mit den Füßen ab? Die Regierungen in Paris, Rom, Wien und anderswo in Europa würden unseren Unternehmen ein warmes Willkommen bieten (Angebotspolitik). Was hieße das für Deutschland? Wie glücklich muss sich Deutschland vor diesem Hintergrund schätzen, dann Stabilitätsanker in Paris und Rom zu finden. Dass es hinsichtlich dieser potentiellen Konstellation noch politische Kräfte in Deutschland gibt, die Europa politisch den Rücken kehren wollen, ist bemerkenswert. Wo ist das Land der Denker, Dichter, des Bildungsbürgertums, der Ingenieure und der erfolgreichen Pragmatiker geblieben! Ich mache mir sehr ernste Sorgen!

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Rauchmelder oder Hitzewarnmelder? Welche Lösung eignet sich für die Küche?

Die Küche gehört zu den Bereichen eines Hauses, in denen im Alltag besonders viele Wärmequellen zusammenkommen. Herd, Backofen, Toaster,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Dürre in Europa: Bauern fürchten um ihre Ernten – drohen höhere Lebensmittelpreise?
08.08.2026

Hitze, Trockenheit und ausbleibender Regen setzen Europas Landwirtschaft zunehmend unter Druck. Während Bauern mit schwächeren Ernten und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energieriese warnt vor Wasserstoff-Kollaps
08.08.2026

Milliardenhilfen aus der EU und Deutschland sollen Dänemarks Wasserstoffindustrie anschieben. Doch fehlende Klarheit über Stromnetz und...

DWN
Politik
Politik Mobilisierung in Russland könnte Putins größtes innenpolitisches Risiko werden
08.08.2026

Russland gehen die Freiwilligen für den Ukrainekrieg aus, doch eine neue Mobilisierung könnte für den Kreml selbst zur Gefahr werden....

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsmarkt: Immer mehr Vermieter geben Geschäft auf – Investitionen unter Druck
08.08.2026

Wohnungsmangel, steigende Kosten und wachsende Unsicherheit setzen den Wohnungsmarkt unter Druck. Immer mehr Privatvermieter und...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Tod, das Erbe und das Geld: Fragen, die Sie sich bisher nicht zu stellen getraut haben
08.08.2026

Wie sollte man eigentlich über Erbschaft und Testament nachdenken? Und warum fällt es so schwer, über Geld und den Tod zu sprechen,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
08.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...

DWN
Politik
Politik 65 Jahre Mauerbau: Warum die deutsche Teilung bis heute nachwirkt
08.08.2026

Die Berliner Mauer ist Geschichte, ihre Spuren sind es nicht. Jahrzehnte nach ihrem Fall zeigen sich zwischen Ost und West weiterhin...

DWN
Politik
Politik Europa ist führend bei kommerziellen Klimakonzepten: Warum gelingt es nicht, diese umzusetzen?
08.08.2026

Europa hat Spitzenforscher, starke Unternehmen und viele der Technologien, die die Industrie klimafreundlicher machen könnten. Doch...