Finanzen

Insider: EZB vereinbart neues niedrigeres Ziel für Wertpapierkäufe

Zuletzt hat die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms Wertpapiere im Volumen von monatlich rund 80 Milliarden Euro gekauft. Nun wird sie die Anleihen-Käufe wieder etwas verringern.
09.09.2021 17:58
Aktualisiert: 09.09.2021 17:58
Lesezeit: 3 min

--- UPDATE ---

Die Währungshüter der EZB haben sich auf ihrer Zinssitzung Insidern zufolge auf ein neues monatliches Kaufziel für ihre Notfall-Anleihenkäufe in einer Spanne von 60 bis 70 Milliarden Euro verständigt. Die Euro-Wächter hätten ein spezifisches Ziel innerhalb dieses Bandes vereinbart, sich dabei aber Flexibilität für Abweichungen nach unten oder oben eingeräumt, um den jeweiligen Marktbedingungen Rechnung zu tragen, sagten drei mit der Situation vertraute Personen. Ein EZB-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen ab.

Das auf insgesamt 1,85 Billionen Euro angelegte Notfall-Programm PEPP ist eines der Hauptinstrumente der Europäischen Zentralbank (EZB), um den Kreditfluss an die Wirtschaft während der Corona-Krise zu stützen. Ziel ist es, günstige Finanzierungsbedingungen für Unternehmen, Staaten und Haushalte zu bewahren. Zuletzt wurden im Rahmen von PEPP Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von monatlich rund 80 Milliarden Euro erworben. Die EZB beschloss auf ihrer Zinssitzung am Donnerstag, die Käufe gegenüber den vorangegangenen beiden Quartalen "moderat" zu verringern.

--- ENDE UPDATE ---

Die Europäische Zentralbank (EZB) drosselt bei den Notfallhilfen für die sich aus der Virus-Krise lösende Wirtschaft das Tempo. Die Euro-Wächter um Notenbank-Chefin Christine Lagarde beschlossen am Donnerstag, die Anleihenkäufe im Rahmen ihres "PEPP" getauften Notfall-Programms gegenüber den vorangegangenen beiden Quartalen moderat zu verringern. Günstige Finanzierungsbedingungen könnten auch damit bewahrt werden. Die EZB stellte zudem in Aussicht, nötigenfalls alle Instrumente anzupassen, damit sich die Inflation im Euro-Raum mittelfristig bei der Notenbank-Zielmarke von zwei Prozent stabilisiert.

Ökonomen äußerten sich in ersten Reaktionen positiv. "Es ist gut, dass sich der EZB-Rat bewegt und einen allerersten Trippelschritt auf dem langen Weg zu einem Ende der Anleihekäufe unternimmt," sagte Friedrich Heinemann vom Forschungsinstitut ZEW. "Ein einfaches 'Weiter so' würde der Reputation der EZB schaden." Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe merkte an, die EZB werde "weniger peppig". Ein Ende der Käufe sei aber noch nicht in Sicht. Frühestens auf der Oktober-Sitzung werde der EZB-Rat entscheiden, ob das PEPP verlängert beziehungsweise aufgestockt oder in anderen Kaufprogrammen aufgehen werde.

Die Währungshüter hatten bislang im Vergleich zu den Anfangsmonaten des Jahres ein deutlich höheres Kauftempo beibehalten. Das auf insgesamt 1,85 Billionen Euro angelegte PEPP-Programm ist eines ihrer Hauptinstrumente, um den Kreditfluss an die Wirtschaft während der Covid-Krise zu stützen. Ziel ist es, während der Pandemie günstige Finanzierungsbedingungen für Unternehmen, Staaten und Haushalte zu bewahren. Zuletzt wurden im Rahmen von PEPP Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von monatlich rund 80 Milliarden Euro erworben. Die PEPP-Käufe sollen noch bis mindestens Ende März 2022 fortgesetzt werden.

Eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Notfall-Programms hat die EZB somit noch nicht gefällt. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hatte unlängst bereits gesagt, die Notenbank habe im Herbst Zeit, auszuarbeiten, was nach dem März 2022 komme. Er hatte zudem signalisiert, dass die Anleihenkäufe auch nach einem Ende von PEPP nicht abrupt gestoppt werden. Parallel zu PEPP läuft derzeit noch ein älteres, "APP" genanntes Anleihenprogramm, dessen monatliche Kaufvolumina aber deutlich geringer sind.

Konjunkturprognosen im Blickpunkt

Spannend wird nun sein, wie sich Notenbankchefin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz zur Konjunktur im Euro-Raum äußern wird. Zur Zinssitzung lagen den Ratsmitgliedern neue Wachstums- und Inflationsprognosen der hauseigenen Volkswirte vor, die Experten zufolge höher ausgefallen sein dürften als zuletzt.

EZB-Vize Luis de Guindos hatte kürzlich gesagt, dass sich die Wirtschaft schneller von der Corona-Krise erhole als bisher gedacht. Die jüngsten Daten seien sehr positiv. Die Inflation ist im Zuge der Erholung sogar auf 3,0 Prozent hochgeschnellt - das ist der höchste Wert seit rund zehn Jahren und liegt deutlich über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnte deshalb davor, das Risiko einer zu hohen Inflation nicht auszublenden.

Ihren Leitzins zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld beließ die EZB auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Dort liegt er bereits seit März 2016. Der Einlagesatz bleibt bei minus 0,5 Prozent. Die Geldhäuser müssen daher weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken.

EZB hat Anleihenkäufe nach Ende März nicht besprochen

Die Währungshüter der EZB haben laut Notenbankchefin Christine Lagarde auf ihrer Zinssitzung noch nicht über eine künftige Einstellung ihrer großangelegten Krisen-Anleihenkäufe beraten. "Wir haben nicht darüber gesprochen, was als nächstes kommt", sagte die EZB-Chefin am Donnerstag auf der Pressekonferenz nach der Zinssitzung. Dies sei ein Thema, das in den kommenden Monaten vorbereitet werde. Im Dezember, wenn die EZB-Volkswirte ihre nächsten aktualisierten Projektionen vorlegen, könne die Zeit zur Aussprache über "interessantere Themen" gekommen sein.

Die insgesamt auf 1,85 Billionen Euro angelegten Käufe des Krisenprogramms PEPP sollen nach den bisherigen Planungen noch bis mindestens Ende März 2022 fortgesetzt werden. Sie sind eng an die Pandemie geknüpft und sollen enden, wenn die Viruskrise überstanden ist. Im Rahmen von PEPP erwarben die EZB und die nationalen Notenbanken der Euro-Länder zuletzt Papiere im monatlichen Umfang von rund 80 Milliarden Euro. Daneben kauften die Währungshüter im Rahmen des älteren APP-Programms zusätzlich Anleihen im monatlichen Volumen von etwa 20 Milliarden Euro. Viele Experten gehen davon aus, dass die EZB ihre APP-Käufe wieder forcieren wird, wenn die Notfall-Käufe im Rahmen des PEPP-Programms abgeschmolzen werden.

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