Deutschland

Riesiger Feuerball über Süddeutschland gibt Rätsel auf

Über Teilen Süddeutschlands wurde in der Nacht zum Freitag von vielen Menschen ein unidentifiziertes Objekt am Himmel gesehen.
08.10.2021 09:37
Aktualisiert: 08.10.2021 09:37
Lesezeit: 2 min

Ein von Menschen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am Abendhimmel gesichteter Feuerball gibt Rätsel auf. Nutzer von Twitter und Instagram berichteten etwa in Tübingen, Heidelberg, Karlsruhe und Bad Kreuznach am Donnerstag von einem rasend schnellen Objekt, das über das Firmament gezogen sei, spekuliert wurde über einen Meteoriten. Andreas Eberle von der Sternwarte Stuttgart sagte dem SWR, es könne sich um einen Gesteinsbrocken gehandelt haben, der in die Erdatmosphäre eingetreten sei.

Aus den ersten Augenzeugenberichten schloss Eberle, dass es sich wahrscheinlich um ein kosmisches Objekt gehandelt hat: "Von den Berichten, die ich mitbekommen habe, war die Flugrichtung wohl von Ost nach West, was eher dagegen spricht, dass es Weltraumschrott war." Dementsprechend spreche viel dafür, dass es ein kosmisches Objekt gewesen sei, sicherlich in Fußballgröße oder größer.

Der Feuerball war auch nach Überzeugung eines anderen Experten ein Meteoroid und kein Weltraumschrott. Mehrere Meteorkameras haben das rasende Geschoss aus dem Sonnensystem aufgezeichnet, wie der Astronom Hans-Ulrich Keller vom Stuttgarter Planetarium am Freitag erläuterte. Der Feuerball hat nach Worten Kellers ganz Mitteleuropa überflogen.

Es könne sich nicht um Weltraumschrott handeln, argumentierte Keller, weil der immer mit der Erdrotation fliege, sich das Geschoss aber entgegengesetzt bewegt habe. Es habe wohl eine Größe von einer Faust bis zu einem Fußball gehabt. Ein vollends aus Eisen bestehendes Himmelsobjekt in Ballgröße könne 100 Kilo wiegen.

Der Meteoroid sei zum Zeitpunkt seines Eintritts in die Erdatmosphäre und seines Aufleuchtens zwischen 100 und 120 Kilometer hoch gewesen. Weil seine Bewegungsenergie in Wärmeenergie umgewandelt werde, begleite ihn auf seiner Laufbahn mehrere Tausend Grad heiße Luft. In einer Höhe von 20 bis 40 Kilometern sei er über der Erde explodiert, erläuterte der Sternenkundler weiter. "Solche Phänomene gibt es öfter, der aktuelle Fall ist aber spektakulär, weil es ein besonders helles Objekt war, das keine Wolken verdeckten."

Keller erinnerte an erdgeschichtliche Katastrophen durch Geschosse aus dem All. So habe ein Kleinplanet etwa vor 15 Millionen Jahren bei seinem Sturz auf die Erde einen gigantischen Krater geschaffen, das heutige Nördlinger Ries in Bayern. Vor 65 Millionen Jahren habe ein Kleinplanet auf dem Gebiet des Golfs von Mexiko eingeschlagen und 95 Prozent aller Lebewesen auf der ganzen Welt ausgelöscht.

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