Finanzen

Erdogan feuert drei Zentralbanker auf einmal, verschärft Kontrolle über Wechselstuben

Nach der Entlassung dreier Notenbanker durch Präsident Erdogan sackt der Wechselkurs der türkischen Landeswährung von einem Allzeittief zum nächsten. Nun verstärkt die Regierung die Kontrolle über die Wechselstuben.
14.10.2021 10:32
Aktualisiert: 14.10.2021 10:32
Lesezeit: 2 min
Erdogan feuert drei Zentralbanker auf einmal, verschärft Kontrolle über Wechselstuben
Ein Angestellter füllt in einer Bank in der von Söldnern kontrollierten syrischen Provinz Idlib Münzen der Türkischer Lira in Plastiksäcke, um diese als offizielles Zahlungsmittel einzuführen. (Foto: dpa) Foto: Anas Alkharboutli

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat erneut in die Personalpolitik der nationalen Notenbank eingegriffen. Mit einem in der Nacht auf Donnerstag veröffentlichten Dekret wurden gleich drei Notenbanker entlassen. Die Landeswährung Lira reagierte mit deutlichen Kursverlusten und fiel gegenüber dem US-Dollar auf ein Rekordtief. Auch zum Euro gab die Lira spürbar nach.

Nach Bekanntwerden des Dekrets stieg der US-Dollar bis auf 9,19 Lira. So viel Lira mussten noch nie für einen Dollar gezahlt werden. Ein Euro kostete bis zu 10,67 Lira. Das Rekordhoch von 10,75 Lira für einen Euro ist nicht weit entfernt.

Darüber hinaus hat das Finanzministerium neue Regeln für die zahlreichen Wechselstuben im Land erlassen. Wie Bloomberg berichtet, müssen diese fortan die Personalien aller Kunden notieren. Bislang galt eine Obergrenze bei Wechselgeschäften bis zu 3.000 US-Dollar, unter der Kunden ihren Geldumtausch anonym erledigen konnten.

Der Wertverfall der Lira zum US-Dollar in der langen Sicht:

Wie aus dem Dokument hervorgeht, wurden drei Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses entlassen und durch zwei neue ersetzt. Nach Medienberichten soll zumindest einer der Entlassenen gegen die jüngste Zinssenkung der Notenbank votiert haben. Es sei davon auszugehen, dass die beiden anderen Mitglieder den Kurs der Zentralbank ebenfalls skeptisch sehen, erklärte Commerzbank-Expertin Antje Praefcke.

Vor Veröffentlichung des Dekrets soll sich Erdogan mit Notenbankchef Sahap Kavcioglu getroffen haben. Der seit März amtierende Kavcioglu ist bereits der vierte Zentralbankchef seit 2019. Seine Vorgänger waren alle in Ungnade gefallen, weil sie den von Erdogan präferierten Kurs einer lockeren Geldpolitik nicht mitgetragen haben. Obwohl Kavcioglu Ende September auf Erdogans Kurs einschwenkte, gab es zuletzt Spekulationen über ein getrübtes Verhältnis zwischen den beiden.

Die Türkei leidet seit längerem unter einer hohen Inflation, gegen die nach klassischer Volkswirtschaftslehre eine straffere Geldpolitik mit höheren Leitzinsen hilft. Erdogan teilt diese Sichtweise nicht und spricht sich stattdessen für Zinssenkungen als Gegenmittel aus. Er präsentiert sich stets als erklärten Gegner hoher Zinsen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

DWN
Unternehmen
Unternehmen Big Brother: Wie Unternehmen KI zur Überwachung ihrer Mitarbeiter einsetzen
08.11.2026

Vom Mithören von Telefongesprächen über die Bewertung von Mitarbeitern bis hin zu Empfehlungen für Gehaltserhöhungen: Co-op, Walmart,...

DWN
Finanzen
Finanzen Wall Street: Die Börsenroboter können sich nachts frei bewegen
08.11.2026

Die Wall Street könnte sich bis Anfang Dezember in ein nahezu rund um die Uhr geöffnetes Börsencasino verwandeln. Mehrere US-Börsen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Importpreise steigen um 10,4 Prozent: Energie verteuert Deutschlands Produktion
08.11.2026

Deutschlands Importpreise sind im September so stark gestiegen wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Besonders Energie und industrielle...

DWN
Technologie
Technologie Laserwaffen für Kampfflugzeuge: MBDA entwickelt neue Abwehrtechnik gegen Drohnen
08.11.2026

Die deutsche Rüstungsindustrie arbeitet an einem möglichen Technologiesprung: MBDA Deutschland entwickelt nach einem aktuellen Bericht im...

DWN
Panorama
Panorama Klavierstimmer sterben aus: Warum klassische Konzerte in 20 Jahren verschwinden könnten
08.11.2026

Weltweit gibt es Schätzungen zufolge nur noch 20 bis 30 Konzerttechniker auf höchstem Niveau. Viele stehen kurz vor dem Ruhestand. Nun...

DWN
Panorama
Panorama Gastkommentar: Die gefährliche Verlockung politischer Halbwahrheiten
08.11.2026

Manche Ideen klingen so selbstverständlich, dass sie nur selten hinterfragt werden. Deshalb lohnt es sich zu fragen, wer von ihnen am...

DWN
Panorama
Panorama Immer mehr Deutsche ziehen nach Polen: Das steckt hinter dem Trend
07.11.2026

Deutsche kommen längst nicht mehr nur nach Polen, um ihr Auto zu betanken oder deutlich günstiger im Supermarkt einzukaufen. Sie kommen...

DWN
Finanzen
Finanzen Poker um EZB-Spitze: Wer folgt auf Christine Lagarde?
07.11.2026

Die Eurostaaten suchen nach einem neuen Präsidenten für die Europäische Zentralbank. Schon in wenigen Tagen könnte über die Nachfolge...