Politik

Gelöschter Regierungsbericht belegt die Bereitschaft der Bürger zum Gehorsam

Lesezeit: 3 min
25.10.2021 15:22  Aktualisiert: 25.10.2021 15:22
Ein Bericht, der von der britischen Regierung versehentlich veröffentlicht wurde, enthält einige Lehren aus der Corona-Pandemie. Er zeigt die "tief verwurzelte Ehrfurcht" der Bürger vor der staatlichen Autorität.
Gelöschter Regierungsbericht belegt die Bereitschaft der Bürger zum Gehorsam
Geschickte Meinungsmache: In der Corona-Pandemie folgen die meisten Briten ihrem Premierminister Boris Johnson, selbst wenn sie eigentlich anderer Meinung waren. (Foto: dpa)
Foto: Matt Dunham

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Ein für die britische Regierung erstellter Bericht mit dem Titel "Net Zero: principles for successful behaviour change initiatives" (Deutsch: Netto Null: Prinzipien für Initiativen zur erfolgreichen Verhaltensänderung) hat untersucht, wie die Regierung ihre Bürger dazu bringen kann, die von ihr betriebene grüne Politik zu akzeptieren. Im Rahmen dieses Berichts wird die Strategie der britischen Regierung in der Corona-Krise als ein erfolgreiches Beispiel dafür angeführt, wie man die Öffentlichkeit kontrollieren kann.

Das Forschungspapier, das im Auftrag des britischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie und Industriestrategie erstellt wurde, war kurzzeitig auf der Website der britischen Regierung veröffentlicht, bevor es eilig wieder gelöscht und heruntergespielt wurde, wie The Guardian berichtet. Dem Papier zufolge haben große Teile der britischen Öffentlichkeit die Maßnahmen ihrer Regierung zwar für falsch gehalten oder sogar kritisiert. Doch im Allgemeinen folgten die Bürgern den von der Regierung vorgegebenen Anweisungen.

Breitbart zitiert aus dem Papier: "Erklärungen, Maßnahmen und Gesetze der Regierung haben einen großen Einfluss auf die Wahrnehmung von normativem und akzeptablem Verhalten. Selbst wenn die öffentliche Kritik groß war, sahen beispielsweise viele die Zustimmung der Regierung als den Maßstab für sicheres Verhalten während COVID-19 an. [...] Dies offenbart bei vielen eine tief verwurzelte Ehrfurcht vor der legitimen Autorität der Regierung, unabhängig von den persönlichen politischen Ansichten."

In dem Papier wird festgestellt, dass die Regierung mit gutem Beispiel vorangeht, indem sie im Fall des Coronavirus führende Politiker live im Fernsehen impfen lässt und in der Umweltpolitik ihre konventionelle Fahrzeugflotte durch vollelektrische Alternativen ersetzt. Die Heuchelei der Eliten hatte dagegen einen gegenteiligen Effekt. In Verweis auf wiederholte Fälle, in denen Autoritätspersonen die Lockdown-Regeln missachteten, heißt es in dem Papier wörtlich:

"Verhalten, das als Heuchelei wahrgenommen wird, kann die Bemühungen um ein Mitmachen und Unterstützung in der Öffentlichkeit erheblich untergraben. Dies wurde während der COVID-19-Pandemie beobachtet, als prominente Behördenvertreter gegen die Richtlinien verstießen, was in der Öffentlichkeit zu einem messbaren Rückgang im Hinblick auf das Einhalten der Vorschriften führte und zu einer messbaren Änderung der Einstellungen."

Zu solchen Vorfällen gehört, dass der führende COVID-Berater der Regierung Neil Ferguson wiederholt seine mit einem anderen Mann verheiratete und in Quarantäne befindliche Geliebte besucht hatte, und dass der britische Gesundheitsminister Matt Hancock eine Affäre mit einer Mitarbeiterin hatte, während es der normalen Öffentlichkeit durch die Lockdown-Regeln der Regierung faktisch verboten war, mit Personen Sex zu haben, mit denen sie nicht zusammenlebten.

In der nun von der britischen Regierung vorangetriebenen grünen Politik gibt es ganz ähnliche tief sitzende Probleme im Hinblick auf die Heuchelei der Eliten. Ein häufiges Merkmal von Klimagipfeln sind hochkarätige Teilnehmer, die im Privat- oder Regierungsjet anreisen - eine Diskrepanz zwischen Worten und Taten, die in naher Zukunft wohl nicht verschwinden wird. Dasselbe gilt für zahlreiche Prominente, die grüne Politik predigen, aber selbst in mehreren riesigen Villen leben.

Insgesamt stellte der Bericht fest, dass die Briten in der Regel das tun, was die Regierung ihnen sagt, dass sie "eine starke Tendenz zur Konformität" haben, dass sie beeinflusst werden können, damit sie die von der Regierung gebilligten Entscheidungen treffen, und dass sie dazu neigen, den neuen Status quo zu akzeptieren, wenn Veränderungen erzwungen werden, selbst wenn diese Veränderungen von der Öffentlichkeit eigentlich unerwünscht waren.

Erstellt wurde das Forschungspapier Wirksamkeit der staatlichen Maßnahmen zur Kontrolle und Änderung des öffentlichen Verhaltens während der Corona-Pandemie vom Behavioural Insights Team (BIT), auch bekannt als "Nudge"-Einheit (Deutsche: Anstupsen). Es wurde während der Ära von David Cameron im Kabinettsbüro eingerichtet und hatte die Aufgabe, die Regierungspolitik so fein abzustimmen, dass die öffentliche Akzeptanz von Initiativen so hoch wie möglich ist.

Das BIT legt den Schwerpunkt auf die Verhaltensökonomie und hat eine Abkehr von der altmodischen Belehrung der Öffentlichkeit vollzogen. Verhaltensökonomie sei viel effektiver, so der Bericht. So hätten 30 Jahre, in denen die Regierung die Menschen zu mehr Bewegung und weniger Essen angehalten hat, weniger gebracht, als die jüngste Zuckersteuer kontrastiert, die von BIT sehr befürwortet wurde und den Konsum von zuckerhaltigen Getränken innerhalb weniger Monate stark einbrechen ließ.

Nachdem das Dokument von der Website der britischen Regierung gelöscht worden war, spielte ein Regierungssprecher die Bedeutung des Papiers herunter und betonte, dass es sich um ein akademisches Forschungspapier und nicht um Regierungspolitik handele. Das BIT wurde zwar als staatliche Einrichtung gegründet, wurde aber 2014 teilweise privatisiert und präsentiert sich nun als normales Unternehmen, obwohl es sich zum Teil im Besitz des britischen Staates befindet und nach wie vor den Großteil seiner Arbeit für die Regierung erledigt.

Zu Beginn der Corona-Pandemie ergaben Untersuchungen, dass die meisten Briten kaum Angst vor dem Coronavirus hatten, was die Berater der britischen Regierung beunruhigte. Dies zeigte sich etwa in einem Bericht der Scientific Pandemic Insights Group on Behaviours Team der Regierung, die in ihren Untersuchungen zur besseren Befolgung der Anweisungen feststellte, dass eine "beträchtliche Anzahl von Menschen sich immer noch nicht ausreichend persönlich [durch Covid-19] bedroht fühlt".

Weiter hieß es in dem Bericht von damals: "Das Gefühl der persönlichen Bedrohung muss bei denjenigen, die nachlässig sind, durch eindringliche emotionale Botschaften verstärkt werden. Um wirksam zu sein, müssen die Menschen auch zum Handeln ermutigt werden, indem ihnen klar gemacht wird, welche Maßnahmen sie ergreifen können, um die Bedrohung zu verringern." Offenbar hat die Regierung diese Hinweise vom Beginn der Pandemie erfolgreich umgesetzt.

Die jüngsten monatlichen Umfragen über das Ausmaß der Angst in der britischen Öffentlichkeit zeigen, dass die Briten - anders als noch vor einem Jahr - jetzt Angst davor haben, sich in geschlossenen Räumen mit Menschen aufzuhalten, die keine Masken tragen. Zudem haben sie Angst davor, sich in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf Rolltreppen und Treppen festzuhalten, was zu einem Anstieg der Stürze geführt hat. Und viele haben auch Angst davor, dass der Lockdown enden könnte.


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