Technologie

Vorwürfe von Whistleblowerin gegen Studie von Pfizer/Biontech werden untersucht

Eine Whistleblowerin berichtet im British Medical Journal über eine Reihe von erheblichen Unregelmäßigkeiten bei der Impfstoffstudie von Pfizer und Biontech. Nur wenige Stunden nachdem sie die Behörden eingeschaltet hatte, wurde sie gefeuert.
10.11.2021 10:01
Aktualisiert: 10.11.2021 10:01
Lesezeit: 3 min
Vorwürfe von Whistleblowerin gegen Studie von Pfizer/Biontech werden untersucht
Pfizer und Biontech wollen den Vorwürfen der Whistleblowerin gegen ihre Impfstudie nachgehen. (Foto: dpa) Foto: Michael Kappeler

Eine Whistleblowerin hat im British Medical Journal zahlreiche Vorwürfe gegen eine Studie zum Impfstoff von Biontech und Pfizer erhoben. Sie hatte im Herbst 2020 zwei Wochen lang für die Firma Ventavia gearbeitet, die im Auftrag von Pfizer einen Teil der Studie zu dem mittlerweile weltweit eingesetzten Impfstoff durchführte. Sie wirft dem Subunternehmen vor, falsche Impfdaten generiert zu haben, weil unter anderem Laborproben falsch etikettiert, der Impfstoff falsch gelagert und Berichten über Nebenwirkungen nur schleppend nachgegangen worden sei.

Die Ventavia Research Group betrieb im Herbst 2020 mehrere der Studienstandorte. Das Unternehmen bestätigte gegenüber der Epoch Times, dass es die Whistleblowerin Brook Jackson im vergangenen Jahr tatsächlich zwei Wochen lang beschäftigt hat. Lauren Foreman, Direktorin für Geschäftsentwicklung und Kommunikation, sagte in einer E-Mail, dass Ventavia die Vorwürfe untersucht. Man nehme die Einhaltung der Forschungsvorschriften, die Integrität der Daten und die Sicherheit der Teilnehmer sehr ernst.

Jackson sagte, sie habe die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel FDA (Food and Drug Administration) auf die von ihr beobachteten Probleme aufmerksam gemacht und sei innerhalb weniger Stunden entlassen worden. Eine FDA-Sprecherin sagte gegenüber der Epoch Times: "Obwohl die Behörde derzeit keinen weiteren Kommentar in dieser laufenden Angelegenheit abgeben kann, hat die FDA volles Vertrauen in die Daten, die verwendet wurden, um die Autorisierung des Impfstoffs COVID-19 von Pfizer-BioNTech und die Zulassung von Comirnaty zu unterstützen."

Ventavia arbeitete an der Studie, die zur Notfallzulassung (EUA) für Pfizers Impfstoff führte. Die FDA genehmigte die Impfung später, obwohl viele oder alle Dosen, die in den Vereinigten Staaten verabreicht werden, weiterhin die EUA-Version sind. Jackson, die sich seit über 15 Jahren mit klinischen Studien befasst, erklärte gegenüber dem British Medical Journal, sie habe ihren Vorgesetzten gegenüber wiederholt Bedenken geäußert, auch im Hinblick auf die Sicherheit der Patienten.

Die Whistleblowerin hatte das Gefühl, dass ihre Berichte ignoriert wurden. Daher begann sie, mit ihrem Handy Fotos zu machen. Auf einem Foto ist offenbar zu sehen, dass die Nadeln in einer Plastiktüte statt in einer Schachtel entsorgt wurden, während ein anderes Foto Verpackungsmaterial zeigte, auf dem die Identifikationsnummern der Studienteilnehmer zu sehen waren, was darauf hindeutet, dass die Studien möglicherweise nicht blind durchgeführt wurden.

In einer Mitteilung vom 25. September an die FDA listete Jackson zwölf Bedenken auf, darunter dass die Teilnehmer nach einer Injektion nicht überwacht und die Impfstoffe nicht bei der richtigen Temperatur gelagert wurden. Zudem seien Ventavia-Mitarbeiter von Vorgesetzten scharf kritisiert worden, wenn sie Probleme gemeldet hatten. Jackson sagte, die Behörde habe ihr eine E-Mail geschickt, in der sie den Empfang der Liste bestätigte, und sie habe einen Anruf von einem FDA-Inspektor erhalten, aber seitdem habe sie nichts mehr von der Behörde gehört.

Die FDA teilte im August mit, dass sie neun der 153 Prüfstellen der Studie von Pfizer inspiziert hat. Dabei wurde allerdings keiner der Standorte von Ventavia inspiziert. Bei einigen Pharmaunternehmen wurde auf Inspektionen verzichtet oder FDA-Beamte entschieden, eine Inspektion aus der Ferne durchzuführen, sagte Philip Crooker, technischer Vizepräsident des Forschungsunternehmens Paraexel, auf einem Forum im Dezember 2020. Die Inspektionen von Standorten in den USA sind laut FDA-Daten von 13.001 im Jahr 2019 auf 6.574 im Jahr 2020 gesunken.

Trotz der Vorwürfen der Whistleblowerin sehen Experten die Wirksamkeit des Mittels von Pfizer und Biontech nicht infrage gestellt. «Das, was die Whistleblowerin aufgedeckt hat, ist ohne Frage unschön», sagt etwa Peter Kremsner, Direktor des Instituts für Tropenmedizin an der Universität Tübingen. Es reiche aber nicht, um die Impfdaten deswegen jetzt generell infrage zu stellen. «Das ist mir einfach zu wenig. Die Impfdaten wurden schon in zahlreichen Studien bestätigt.»

Falls aber Fehler gemacht worden seien, könne der große Erfolgs- und Zeitdruck in der Pandemie eine Rolle gespielt haben. «Die Gefahr, dass ein Subunternehmen dann womöglich nicht den Qualitätsstandards des großen klinischen Sponsors entspricht, kann in solch einem Fall steigen», so Kremsner. Die Unregelmäßigkeiten und Fehler reichen aber seiner Ansicht nach nicht aus, «um an der Qualität der klinischen Studie von Biontech und Pfizer zu zweifeln».

Ähnlich äußert sich auch Oliver Cornely, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Klinische Studien Köln. Die in dem Artikel geschilderten Fehler schränken seiner Ansicht nach die Aussagekraft der Zulassungsstudie des Impfstoffs nicht ein. Die Untersuchungszentren des Subunternehmens hätten zudem nur 2,3 Prozent der 44.000 Teilnehmer der Studie betreut. In den Krankenhäusern zeige sich jeden Tag, wie gut die Impfstoffe funktionierten. «Wir nehmen kaum geimpfte Personen wegen Covid-19 stationär auf, erkennen also die Wirksamkeit jeden Tag», so Cornely.

Biontech will den Vorwürfen nachgehen. «Die sorgfältige Umsetzung und Datenerhebung in klinischen Studien hat für Biontech höchste Priorität», sagte eine Sprecherin des Mainzer Unternehmens der Deutschen Presse-Agentur. «Wir nehmen Aussagen, wie die im Artikel gemachten, ernst und prüfen sie umgehend nach der Kenntnisnahme.» Ende Oktober hat die FDA hat den Impfstoff von Pfizer-Biontech auch für Kinder ab 6 Jahren zugelassen. Die Zulassung basiert auf einer Studie von Pfizer und BioNTech.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Technologie
Technologie Laserwaffen für Kampfflugzeuge: MBDA entwickelt neue Abwehrtechnik gegen Drohnen
08.11.2026

Die deutsche Rüstungsindustrie arbeitet an einem möglichen Technologiesprung: MBDA Deutschland entwickelt nach einem aktuellen Bericht im...

DWN
Panorama
Panorama Klavierstimmer sterben aus: Warum klassische Konzerte in 20 Jahren verschwinden könnten
08.11.2026

Weltweit gibt es Schätzungen zufolge nur noch 20 bis 30 Konzerttechniker auf höchstem Niveau. Viele stehen kurz vor dem Ruhestand. Nun...

DWN
Panorama
Panorama Gastkommentar: Die gefährliche Verlockung politischer Halbwahrheiten
08.11.2026

Manche Ideen klingen so selbstverständlich, dass sie nur selten hinterfragt werden. Deshalb lohnt es sich zu fragen, wer von ihnen am...

DWN
Panorama
Panorama Immer mehr Deutsche ziehen nach Polen: Das steckt hinter dem Trend
07.11.2026

Deutsche kommen längst nicht mehr nur nach Polen, um ihr Auto zu betanken oder deutlich günstiger im Supermarkt einzukaufen. Sie kommen...

DWN
Finanzen
Finanzen Poker um EZB-Spitze: Wer folgt auf Christine Lagarde?
07.11.2026

Die Eurostaaten suchen nach einem neuen Präsidenten für die Europäische Zentralbank. Schon in wenigen Tagen könnte über die Nachfolge...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KfW-ifo-Mittelstandsbarometer: Mittelstand hofft auf Aufschwung – doch beim Personal bleibt die Bremse angezogen
07.11.2026

Deutschlands Mittelstand gewinnt wieder Zuversicht: Das Geschäftsklima hat sich im Oktober zum sechsten Mal hintereinander verbessert....

DWN
Technologie
Technologie Dacia Duster im Test: Wenn die Reichweite an der Grenze zur Unwahrscheinlichkeit liegt
07.11.2026

1.410 Kilometer Reichweite, Allradantrieb und drei Antriebstechnologien in einem Auto: Der Dacia Duster Hybrid 4x4 verspricht erstaunlich...

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
07.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...