Deutschland

Bund der Steuerzahler: „Die Schieflage der Bundes- und Sozialkassen ist dramatisch“

Der Bund der Steuerzahler teilt mit, dass die Bundes- und Sozialkassen in Deutschland nur dann finanziert werden können, wenn der Bund die Rekordsteuereinnahmen nicht unnötig ausgibt.
16.11.2021 15:13
Lesezeit: 2 min
Bund der Steuerzahler: „Die Schieflage der Bundes- und Sozialkassen ist dramatisch“
Olaf Scholz. (Foto: dpa) Foto: Oliver Weiken

Dem Bund der Steuerzahler (BdSt) zufolge wird der Bund im aktuellen Jahr Rekordsteuereinnahmen von erstmals mehr als 800 Milliarden Euro erzielen können – mehr als im Vorkrisenjahr 2019. Allerdings befürchtet der BdSt, dass diese Summen erneut falsch investiert werden. Deshalb macht der BdSt folgende Vorschläge:

  • Die für den Bund prognostizierten Steuermehreinnahmen gegenüber der Steuerschätzung vom Mai dieses Jahres dürfen keinesfalls in neue Ausgaben gesteckt werden, sondern müssen der Absicherung des bestehenden Bundesetats zugutekommen, fordert der BdSt. Schließlich steht der Bundeshaushalt in diesem Jahr vor einer historischen Neuverschuldung und auch die gesetzlichen Sozialversicherungen sind mit Rekord-Defiziten konfrontiert. Dazu führt BdSt-Präsident Reiner Holznagel aus: „Die Schieflage der Bundes- und Sozialkassen ist dramatisch, weshalb jeder zusätzliche Euro bitter nötig ist, um die Milliarden-Defizite zu finanzieren. Die Bundespolitik steht in der Verantwortung, zunächst die aktuellen Lasten zu meistern, um der Schuldenbremse schnell wieder gerecht zu werden. Trotz besserer Steuerschätzung ist für neue und teure Wohltaten kein Platz im Bundeshaushalt!“
  • Darüber hinaus werden die steigenden Steuereinnahmen bei Weitem nicht ausreichen, um die in der Vergangenheit beschlossenen Mehrausgaben finanzieren zu können. Es wäre fahrlässig, nur auf das Wirtschaftswachstum zu vertrauen, um erstens den Bundesetat wieder ins Lot zu bekommen, zweitens die Corona-Schulden zu tilgen und drittens neue Ausgaben-Wünsche der Ampel im Rahmen der grundgesetzlichen Schuldenbremse finanzieren zu können. Im Gegenzug fordert Holznagel „eine konkrete Priorisierung von Aufgaben und Ausgaben des Bundes im Verbund mit wirksamen Strukturreformen“.

  • Ein Schritt dorthin ist der deutliche Abbau von Subventionen. Hier verweist der Verband vor allem auf die Finanzhilfen, die in diesem Jahr mehr als 24 Milliarden Euro betragen und sich somit im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt haben – hier sind die Pandemiehilfen für die Wirtschaft nicht berücksichtigt! Hier erinnert der Bund der Steuerzahler die künftigen Koalitionäre daran, sich nicht nur auf den Abbau „klimaschädlicher Subventionen“ zu konzentrieren, sondern auch darauf, „überflüssige“ und „unwirksame“ Ausgaben im Bundeshaushalt zu kürzen oder zu streichen – so wie es im Sondierungspapier von SPD, FDP und Grünen fixiert ist. „Der Bundeshaushalt braucht eine Generalinventur und einen Rotstift mit System. Die Ampel-Spitze darf nicht nur ankündigen, sondern muss liefern“, betont Holznagel.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft FlixTrain rüstet auf: Milliardeninvestition verschärft Wettbewerb mit der DB im Fernverkehr
13.03.2026

FlixTrain investiert Milliarden in neue Fernzüge und baut sein Angebot im deutschen Fernverkehr deutlich aus. Kann der private Anbieter...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russlands Haushalt unter Druck: Steigender Ölpreis bringt nur begrenzte Entlastung
13.03.2026

Die Eskalation im Nahen Osten lässt die Ölpreise weltweit steigen und verschafft Russland kurzfristig höhere Einnahmen aus dem...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Stoïk: Cyberrisiken neu denken, bevor ein Schaden entsteht
13.03.2026

Cyberangriffe werden häufiger und teurer. Stoïk kombiniert Cyberversicherung, Prävention und Cybersicherheitslösungen. Das Unternehmen,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg erschüttert die Märkte: Ölpreis, Aktien und Bitcoin unter Druck
13.03.2026

Der Iran-Krieg sorgt weltweit für starke Ausschläge bei Ölpreisen, Aktien, Währungen, Gold und Bitcoin und verschärft die Unsicherheit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisbremse an der Zapfsäule: Kommt die neue Tankstellen-Regelung noch vor Ostern?
13.03.2026

Pünktlich zum Osterreiseverkehr will das Bundeswirtschaftsministerium den täglichen Preissprüngen an den Tankstellen einen Riegel...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lufthansa-Streik legt Drehkreuze lahm: Hunderte Flüge am zweiten Tag gestrichen
13.03.2026

Der Tarifstreit im Cockpit eskaliert weiter: Auch am zweiten Streiktag hinterlässt der Arbeitskampf der Pilotengewerkschaft Vereinigung...

DWN
Politik
Politik Mission am Polarkreis: Warum der Kanzler den hohen Norden besucht
13.03.2026

Von Raketenstarts bis zur Energiesicherheit: Bundeskanzler Friedrich Merz reist heute ins norwegische Andenes, um die deutsch-norwegische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepolitik in der Iran-Krise: Wirtschaftsbeiräte legen Strategiepapier vor
13.03.2026

In der Debatte um die rasant steigenden Energiekosten plädieren die Berater von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche für...